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dvb-aktuell vom 27.05.2016

Brasilien am Abgrund oder Hoffnung in Sicht?

Der Kreditversicherer Euler Hermes verzeichnete im vergangenen Jahr nahezu doppelt so viele Pleiten wie im Vorjahr. So machen dem südamerikanischen Land derzeit vier „I“ Probleme: Infrastruktur, Investitionen, Inflation und Insolvenzen. Steht Brasilien also am Abgrund?

Nötige Reformen in Brasilien könnten durch die Übergangsregierung eigentlich schnell auf den Weg gebracht werden – dafür wäre es aber eine Art Schocktherapie. Es könnte aber wie im Nachbarland Argentinien die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Derzeit hält Brasilien jedoch die rote Laterne in Sachen Insolvenzen. So werden 22 Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahr erwartet – und das schon nach einem Anstieg von 25 Prozent ein Jahr zuvor. Somit würde Brasilien sogar noch vor China liegen, welches mit 20 Prozent schon einen hohen Wert ausmacht. Sogar das Bruttoinlandsprodukt wird wohl voraussichtlich um 3,5 Prozent in 2016, nach schon 3,8 % Verlust in 2015, sinken. Der Sog verstärkt sich sogar noch aufgrund der ebenso schlechten wirtschaftlichen Lage bei seinem wichtigsten Handelspartner China.

Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe, sieht Brasilien derzeit zwischen Abgrund und Hoffnung. So gäbe es einen Flaschenhals bei der Infrastruktur, fehlende Investitionen, viele Insolvenzen und zudem noch eine hohe Inflation. Das betrifft vor allem die großen Unternehmen, bei denen sich bis März 2016 die Pleiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt haben. Bei kleinen Unternehmen liegt der Insolvenzzuwachs „lediglich“ bei 32 Prozent.

Brasilien ist abhängig von den Rohstoffpreisen. Die Abwertung der heimischen Währung Real trägt zur Unsicherheit bei. Innerhalb der letzten eineinhalb Jahren hat dieser fast die Hälfte des Werts eingebüßt, die Börse ebenso rund 40 Prozent in den Keller gerauscht. Sinkende Beschäftigungszahlen, sinkende Reallöhne und Kaufkraft machen der Binnennachfrage und dem Konsumklima zu schaffen. Es ist ein gefährlicher Cocktail.

Für die heimischen Unternehmen wird dadurch der Zugang zu Krediten immer schwerer und vor allem auch teurer, so Subran. Hier liegt der durchschnittliche Zinssatz schon bei über 20 Prozent. Hohe Steuern und Bürokratie belasten die Unternehmen ebenfalls, erhöhen Produktionskosten und verstärken den Fachkräftemangel in vielen Bereichen. So fiel die Produktion zuletzt um 13 Prozent und die Auslastung liegt auch weit unter dem langfristigen Durchschnitt.

Als Pluspunkte sind die Größe der brasilianischen Wirtschaft, eine noch hohe Binnennachfrage und eine wachsende Mittelschicht zu nennen.

Die Hoffnung ist bei Euler Hermes aber noch hoch, sodass Brasilien wieder in die Spur finden wird und ein attraktiver Wachstumsmarkt wird. Das hängt aber von den weiteren Reformen der Übergangsregierung ab. Der Regierungswechsel im Nachbarland Argentinien hat gezeigt, dass es schnell einen positiven Richtungswechsel geben kann. Für die Investoren ist das Vertrauen in die beiden Länder enorm wichtig und das kann nur durch Reformen gestärkt werden. Eine geringe Auslandsverschuldung, robuste Währungsreserven und eine gut diversifizierte Wirtschaft halten die Investoren aber noch an Bord.

Lediglich eine politische Unsicherheit und soziale Unruhen sind ein Risiko in Brasilien. So kann eine längere politische Hängepartie die Wirtschaft schaden, so Subran. Ein Sparkurs der Regierung könnte eine Welle der Unzufriedenheit auslösen und das ausgerechnet noch als Gastgeber der Olympischen Spiele in Rio.

Quelle: Euler Hermes Deutschland


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