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dvb-aktuell vom 20.04.2012

Lebensversicherer suchen neue Anlageformen

Nur durch professionelles Assetmanagement schaffen die Lebensversicherer eine auskömmliche Nettoverzinsung. Wie die Kapitalanlage heute und in Zukunft aussieht.

Nach wie vor leidet die Assekuranz als großer Kapitalanleger unter den künstlich niedrig gehaltenen Zinsen und fordert von der EZB eine Abkehr von der Schwemme billigen Geldes (siehe früherer Artikel). Trotz künstlicher Niedrigzinsen und extrem volatilem Aktienmarkt haben die Lebensversicherer mit ihrem naturgemäß risikoarmen Anlage-Mix 2011 durchschnittlich 4,2 Prozent Nettorendite geschafft und damit den durchschnittlichen Garantiezins von 3,3 Prozent über alle Tarifgenerationen gut darstellen können, berichtete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf einer Fachtagung in Berlin.

Details nannte Dr. Wolfgang Weiler, Vorsitzender des GDV-Kapitalanlagenausschusses. Zunächst verwies er auf die Unterschiede im Assetmanagement von Banken und Versicherern. Während die Assekuranz als Hauptziel die dauerhafte Erfüllbarkeit der oft langfristigen Leistungsverpflichtungen gegenüber ihren Kunden ansieht, gehe es Banken um eine möglichst hohe Marge zwischen Markt- und Kreditzins – siehe Tabelle.

Ende 2011 arbeiteten die Lebensversicherer mit 742,75 Milliarden Euro Kapitalanlagen. Knapp 90 Prozent davon sind in Renten und 10,7 Prozent in sonstigen Anlagen investiert (siehe früherer Artikel). Beides bringe sinkende Erträge; man habe ein Anlageproblem (siehe früherer Artikel). Man sei auf der Suche nach alternativen Anlagemöglichkeiten.

In Krisenzeiten suchen Fluchtgelder sprichwörtlich einen sicheren Hafen. Allerdings machen Staatsanleihen nur 3,7 Prozent der Kapitalanlagen aus. Für die Versicherer stimme zwar das geringe Ausfallrisiko, nicht jedoch die aktuelle Rendite. Weiler hält Bundesanleihen derzeit für völlig überbewertet. Daher werde vor allem in Darlehen (25,6 Prozent), Pfandbriefe (23,8 Prozent) und Rentenfonds (21,1 Prozent) investiert. Die durchschnittliche Restlaufzeit beträgt laut GDV 9,5 Jahre, was zu einer stabilen Nettoverzinsung beiträgt.

Aus Aktien sind die Lebensversicherer dagegen fast komplett ausgestiegen. Derzeit sind nur noch 2,9 Prozent aller Kapitalanlagen Aktien, davon 2,411 Milliarden Euro direkt und 18,829 Milliarden über Fonds. Ähnlich zurückhaltend sind die Anlagechefs bei Immobilien. Dort haben die Lebensversicherer 3,7 Prozent der Mittel investiert.

Bei der Neuanlage strebt die Branche man bei überschaubaren Risiken nach breiter Diversifizierung. „Das A und O ist eine hohe Qualität der Anlagen“, sagte Weiler, der zugleich Vorstandssprecher der HUK-Coburg-Versicherungsgruppe ist. Als „Ankeranlage“ bezeichnete er die mit AAA benoteten Pfandbriefe und im europäischen Raum vergleichbare Covered Bonds. Sie machen bei einem typischen Anlagekorb heute 30 Prozent aus. 25 Prozent sind Bankpapiere, zumeist Schuldscheindarlehen und Namensschuld-Verschreibungen. Weitere 15 Prozent werden in AA-Staaten wie Frankreich, Belgien und Österreich angelegt, je zehn Prozent in Unternehmen, Hypotheken und AAA-Ländern wie Luxemburg, Deutschland und Niederlande.

Eine verstärkte Rückkehr in die Aktie schloss Weiler aus. „Feste Ablaufleistungen und garantierte Rückkaufwerte passen nicht zusammen mit hoher Volatilität.“ Ein neuer Ansatz wäre, langfristig in erneuerbare Energieträger und Infrastrukturprojekte sowie in besicherte Mittelstandsfinanzierung zu investieren. Aber „nicht alles, was modisch ist, ist auch ein gutes Geschäft“. Aktien seien langfristig eben keine sichere Bank. Und Investitionen in erneuerbare Energien und Infrastruktur seien neuartige Risiken, bei denen es noch an langfristig verlässlichen Rahmenbedingungen fehle. Zudem sei eine Anpassung von Solvency II nötig, da derzeit eine Risikoklasse „Grüne Investments“ gar nicht vorgesehen ist. Für die Eigenkapital-Vorschrift sollte allenfalls der Barwert der sicheren Erlöse angesetzt werden, schlug Weiler vor.

Gegen die besicherte Mittelstandsfinanzierung als neue Anlageklasse der Zukunft spricht, dass es derzeit an Erfahrungen und Standards ebenso fehle wie an der Fristenkongruenz, da Mittelständler von Banken kurzfristige Kredite bekämen, Versicherer aber langfristig anlegen. 

Unterschiede in der Kapitalanlage

Lebensversicherer

Banken

Kerngeschäft

Altersvorsorge

Kreditvergabe, Einlagen, Eigenhandel

Finanzierung

regelmäßige Beitragseinnahmen

Refinanzierung am Kapitalmarkt; Einlagen

Hauptziel der Kapitalanlage

Erfüllbarkeit der Verpflichtungen

Marge zwischen Markt- und Kreditzins

Risikoneigung

sicherheitsorientiert

renditeorientiert

Durationen

langfristig

kurzfristig

Quelle: GDV


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