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16.04.2012 - dvb-aktuell

Miserable Annahmepolitik der BU-Versicherer

Wer finanziell im BU-Fall abgesichert sein will, muss selbst vorsorgen. Doch viele Verbraucher haben keine Chance auf den Vertrag, kritisiert Öko-Test.

Knapp 150.000 Menschen werden jedes Jahr in Deutschland berufsunfähig. Angeblich hat jeder zweite Deutsche bislang eine private Absicherung, ergab kürzlich eine Forsa-Umfrage (siehe früherer Artikel). Die Zeitschrift Öko-Test geht dagegen nur von zehn Prozent Bedarfsdeckung aus, die Branche selbst spricht häufig von 30 Prozent.

Ohne Absicherung folgt für die Betroffenen auf das gesundheitliche Desaster nicht selten auch der finanzielle Absturz. Denn eine Erwerbsminderungsrente vom Staat gibt es längst nicht immer, und wenn doch, dann fällt sie meist kümmerlich aus. Fast jeder zweite Erwerbsminderungsrentner ist armutsgefährdet.

Öko-Test hat im April-Heft 32 BUZ-Policen und 28 SBU-Policen von 26 Versicherern geprüft: auf die Qualität der Bedingungen, Preise für sieben Musterfälle (Azubi, Studentin, Steuerberater, Bürokauffrau und –mann, Ärztin, Krankenschwester) und die Annahmepolitik der Versicherer (anonyme Risikovoranfragen für fünf reale Kunden mit kleinen Zipperlein). Darüber hinaus sollten die Versicherer angeben, ob sie die 24 am häufigsten ausgeübten Berufsgruppen bis 67 versichern.

Ergebnis: Bietet ein Versicherer erstklassige Bedingungen zu bezahlbaren Preisen und sichert obendrein fast alle Berufe wirklich bis zum Rentenalter ab (Barmenia SoloBU; HDI-Gerling BV12), hakt es laut Öko-Test bei der Annahmepolitik. Sind dagegen Annahmepolitik gut, die Bedingungen erstklassig und die Preise zumindest moderat (WWK BSO4 Komfort; Alte Leipziger BV10), scheitert es an der Versicherbarkeit bis zum Rentenbeginn.

Bei den Bedingungen hat die Branche ihre Hausaufgaben gemacht. An diese guten Verträge kommen allerdings die wenigsten Arbeitnehmer heran: Die meisten Anbieter schneiden bei der Annahmepolitik nur ausreichend bis mangelhaft ab. Denn sie picken sich die guten Risiken heraus und weisen Interessenten schon beim kleinsten Zipperlein ab oder schränken den Schutz rigide ein.

Hinzu kommen oft abschreckende Preise: Die sind vor allem für Handwerker oder Arbeitnehmer aus anderen Berufsgruppen mit körperlicher Belastung geradezu unverschämt teuer. Im Test muss die 30-jährige Krankenschwester zum Beispiel bis zu vier Mal so viel bezahlen wie die gleichaltrige Krankenhausärztin.

In den sogenannten Risikoberufen ist der Schutz oft nicht nur unbezahlbar, sondern weist auch noch große Lücken auf: Bestimmte Berufe sind nur bis zum 55. oder 60. Lebensjahr versicherbar. Bis 67 versichern fast alle Berufsgruppen Iduna, Allianz, Barmenia, HanseMerkur und HDI-Gerling. Bei Hannoversche, Generali, Münchener Verein und Europa ist oft schon mit 63 Schluss.

Insgesamt wurden 14 SBU-Angebote in dieser Reihenfolge mit dem 1. Rang bewertet: HDI-Gerling mit BV12, HanseMerkur mit ProfiCare SBU, Alte Leipziger mit BV10, WWK mit BS04 Komfort, Volkswohl Bund mit SBU, Nürnberger mit SBU 2600 (D)C Comfort, LV 1871 mit Golden BU, Allianz mit BU Vorsorge Plus, Barmenia mit SoloBU, Neue BBV mit Super-SBU (12709), Swiss Life mit SBU (Tarif 943), Continentale mit BUV Premium, DBV mit MBV sowie Generali mit SBU 12 (Tarifstufe N).

Je fünf Tarife kamen auf den 2. Rang und 4. Rang. Abgeschlagen auf dem 6. Rang landete der Tarif Classic BU der LV 1871. Weitere Details gibt es im Internet

Kommentare

Eberhard Stopp - am 16.04.2012

Das Ergebnis kann ich bestätigen. Die Ablehnungsquote liegt bei ca. 30 Prozent. Aber den Vorwurf muss man in erster Linie der Politik machen, die es mit dem neuen VVG in der Hand gehabt hätte, die Anbieter nach dem Rückbau des gesetzlichen BU-Schutzes stärker in die Pflicht zu nehmen. So aber erhalten selbst viele junge Kunden gar keine BU, sobald Depression, Rückenleiden (Krankenschwester, Altenpfleger, Bauarbeiter) oder Allergien auftreten. Hinzu kommt noch die vollkommen intransparente Datenspeicherung (HIS) und die Weitergabe der Daten an andere Versicherer, die dem potenziellen Kunden den Abschluss erschwert. In bestimmten Bereichen (Handwerker) sind zudem die Prämien auf Grund des ständig sinkenden Nettoeinkommens unbezahlbar.

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