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12.09.2016 - dvb-aktuell

SOS in der Schifffahrtsbranche

Die weltweite Schifffahrtsbranche befindet sich auf rauer See. Experten gehen von keiner schnelleren Besserung aus. In den ersten 5 Monaten des Jahres 2016 sind die Insolvenzen zum Vorjahr um 10 Prozent nach oben geschnellt. Besserung ist noch nicht in Sicht.

Die weltweite Schifffahrtsbranche befindet sich auf rauer See. Experten gehen von keiner schnelleren Besserung aus. In den ersten 5 Monaten des Jahres 2016 sind die Insolvenzen zum Vorjahr um 10 Prozent nach oben geschnellt. Besserung ist noch nicht in Sicht.

Die Branche leidet hier unter Überkapazitäten, Fracht- und Charterraten sind auf einem Rekordtief und auch der Welthandel schwächelt. Hinzu kommt ein Dominoeffekt auf finanzierende Fonds und Banken. Derzeit setzen Container-Reeder auf Fusionen und Allianzen. So wächst die Weltwirtschaft in 2016 um lediglich 2,4 Prozent – so langsam wie seit der Weltwirtschaftskrise nicht mehr. Zwar profitieren die Reeder von gesunkenen Ölpreisen, aber die niedrigen Charterraten können damit noch nicht kompensiert werden. Das Risiko von weiteren Insolvenzen bleibt deshalb erhalten.

Per See werden 80 Prozent des weltweiten Handelsvolumens transportiert – per Wert sind es noch 70 Prozent. In den letzten Jahren konnte die Branche noch von der robusten Containersparte profitiert. Nun schwächelt jedoch die Weltwirtschaft und hält nicht mehr Schritt mit den Kapazitäten, sodass Angebot und Nachfrage auseinanderklaffen. Die Kosten für einen Container auf der Asienroute haben sich innerhalb der letzten vier Jahre halbiert. Aufgrund der anhalten Krise der letzten Jahre sind die Puffer meist aufgebraucht.

Ein Problem stellt auch der jahrelange Wettlauf der Reeder um die größten Schiffe dar. So entstanden Überkapazitäten, sodass die Frachterraten im Sinkflug befinden und das bei abschwächender Weltwirtschaft, vor allem in der chinesischen Wirtschaft.

Die großen Reedereien setzen deshalb auf Fusionen und Allianzen, um die eigenen Schiffe besser auszulasten, die Marktmacht zu stärken, Kosten zu senken und die Profitabilität zu stützen. Trotzdem werden noch weiterhin Verluste geschrieben. Um gegen die Überkapazitäten anzukämpfen, liegen viele Schiffe auf. Das spart zwar Bunkerkosten, aber der Unterhalt ist ebenso teuer und die spätere Reaktivierung ist mit hohen Kosten verbunden.

Viele gecharterte Schiffe gehen schon an die Eigner zurück. Das löst eine regelrechte Kettenreaktion aus, dem kleinere Reedereien nicht mehr standhalten. Gerade Charterreedereien mit wenigen Schiffen und ohne eigene Dienste oder Zugang zu Fracht leiden darunter, da bei aktuellen Charterraten die Kosten nicht mehr gedeckt sind. Hier sind die finanziellen Decken schon sehr dünn.

Der Teufelskreis wird auch Banken und Schiffsfonds treffen. Finanzierende Banken bleiben durch ausgefallene Kredite auf den erheblichen Schäden sitzen. Die Schwierige Entwicklung wird auch deutsche Reeder treffen und auch den Standort Hamburg, so die Experten. Durch keine Neubestellung von Schiffen werden die Werften leiden. Bis sich Kapazitäten und Welthandel wieder im Gleichschritt bewegen wird es Konsolidierungen geben und auch weitere Insolvenzen. Die Finanzstärke der Reeder bleibt dabei ein wichtiges Kriterium, um die derzeitigen Verluste zu überbrücken.

Quelle: Euler Hermes Deutschland

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