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dvb-aktuell vom 12.12.2011

Zinsanleger zahlen Zeche der Schuldenkrise

Der anhaltende Niedrigzins belastet Lebensversicherer und andere auf Sicherheit bedachte Vorsorgesparer. Die Kapitalerträge sind so niedrig wie nie zuvor und machen mitunter nicht einmal die Inflationsrate wett.

Die Politik des billigen Geldes müssen insbesondere die Lebensversicherer ausbaden: Sie verringern die laufende Gesamtverzinsung der Kunden 2012 von 4,07 Prozent auf branchenweit wohl knapp unter 4,0 Prozent. Dabei zeigen sich durchaus Differenzierungen: Marktführer Allianz senkt um 0,1 Prozentpunkte auf  4,0 Prozent ab. Auch Alte Leipziger, AXA, DBV, Europa und Provinzial Hannover müssen die Ausschüttung kürzen, während Ideal, Inter und Interrisk ihre Werte von 2011 beibehalten. Derzeit zeichnet sich 2012 mit 4,35 Prozent bei Europa ein Spitzenwert ab, während Inter weiter bei 3,75 Prozent verharrt.

Die laufende Gesamtverzinsung, bestehend aus Garantiezins und Jahres-Überschussbeteiligung, ist aber nicht der ganze Ertrag. Kunden erhalten zudem die nicht garantierten Überschuss-Elemente Schlussüberschuss und einen Sockelbetrag für die Beteiligung an den Bewertungsreserven. Dies erhöht zum Beispiel bei der Allianz das Ergebnis für 2012 theoretisch auf 4,5 Prozent (2011: 4,7 Prozent). Praktisch werden Schlussüberschüsse und Bewertungsreserven jedoch erst bei Vertrags-Ende gutgeschrieben.

Für die Allianz ist die Anpassung „unvermeidlich“ gewesen, weil die Kapitalanlagewelt sich verschlechtert habe. Dennoch könne man den Kunden 2012 „weiterhin eine Verzinsung bieten, die deutlich über dem Niveau der Kapitalmarktzinsen liegt“, so Allianz Leben-Chef Maximilian Zimmerer. Diese Aussage kann man nur dick unterstreichen, zumal ja neben der Verzinsung auch noch Versicherungsschutz für biometrische Risiken geboten wird.

Reine Geldanlagen dagegen haben sich nicht als Alternativen angeboten. Im Gegenteil: Aktien-Portfolios haben in den letzten zehn Jahren praktisch keinerlei Rendite gebracht und wurden vom schnöden Sparbuch geschlagen. Investmentfonds schwanken ebenfalls mehr oder weniger stark und sind in der letzten Dekade von wenigen Ausnahmen abgesehen keine Rendite-Renner gewesen. Und Festverzinsliche sind ebenfalls keine Alternative: Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen ist zuletzt auf unter 2,0 Prozent gefallen.  

Zur Erinnerung: Durch ihre langfristigen Garantien müssen die Versicherer ihren Kunden im Durchschnitt mindestens 3,3 Prozent auf ihre Sparanteile gutschreiben – also den Teil des Beitrags, der nicht für Kosten und Biometrie verwendet wird. Weil risikoarme Anlage-Formen derzeit kaum attraktiv sind, fordert GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen völlig zu recht: „Wir brauchen ein Signal, dass es nicht dauerhaft Geld zum Nulltarif geben darf“. Der Ruf blieb vorerst ungehört. Zum Wochenende senkte die EZB den Leitzins von 1,25 auf 1,0 Prozent, nachdem sie ihn erst im November um 0,25 Prozentpunkte gedrückt hatte. Damit ist Geld in Europa wieder so billig wie zum Höhepunkt der Krise Anfang 2009.

Die neue Aufforderung zur Verschuldung schadet allen Vorsorgesparern direkt und massiv. Denn die Verzinsung jeder Form von Altersvorsorge wird tendenziell immer schlechter. Derzeit kommen 44 Prozent weniger Zinsgewinne beim Kunden an als noch vor zehn Jahren, hat der Marktbeobachter map-report anhand von Beispielrechnungen für Policen mit 30 Jahren Laufzeit errechnet. Inzwischen dürfte die Niedrigzinspolitik deutsche Vorsorgesparer mehrere Milliarden gekostet haben, zumal die Versicherer den Festverzinslichen nicht ausweichen können. Einziger Ausweg: die dramatische Staatverschuldung stoppen. Doch bislang wurden in Deutschland noch in keinem Jahr Schulden netto getilgt.


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