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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 31.08.2006
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Allianz auf Hurrikansaison vorbereitet

Das Jahr 2005 brachte die bislang teuersten Hurrikans. Raj Singh, Chief Risk Officer der Allianz Group, erklärt im Interview, warum die Allianz auch für 2006 im Nordatlantik heftige Hurrikans erwartet und wie sie sich darauf vorbereitet hat.

Allianz.com News: Mr. Singh, wird die diesjährige Hurrikansaison genauso katastrophal wie 2005?   
   
Singh: 2005 war die kostspieligste Hurricane Saison seit Beginn der Aufzeichnungen 1851. Sieben der zehn teuersten Wirbelstürme in der US-amerikanischen Geschichte fallen in die Zeit zwischen August 2004 und Oktober 2005, ereigneten sich also innerhalb von 14 Monaten.

Bisher war es eine ruhige Saison, aber Wissenschaftler rechnen für 2006 trotzdem mit zwölf bis 15 tropischen Wirbelstürmen und davon könnten bis zu zehn Hurrikanstärke erreichen.

Aber Zahl und Stärke der Hurrikans allein sagen wenig über potenzielle Verluste. 1992 richtete Hurrikan Andrew in einer sonst ruhigen Saison enorme Schäden an, weil er eine sehr verwundbare und sehr reiche Region traf.

Können Sie sich einen Hurrikan vorstellen, der noch zerstörerischer ist als "Katrina"?
   
Singh: Bitte nicht! Die Schadenansprüche aufgrund von Katrina summieren sich auf ungefähr 30 bis 40 Milliarden Euro. Aber auch wenn Katrina der bislang höchste Versicherungsfall ist – es sind weit höhere Versicherungsfälle denkbar.

Ein "perfekter Sturm", der die Karibik und das amerikanische Festland aller Wahrscheinlichkeit nach durchaus ein Mal alle 200 Jahre treffen kann , könnte Schadenansprüche auslösen, die deutlich über 100 Milliarden Euro liegen. Aber das vorausschauende Exposure-Management der Allianz stellt sicher, dass wir selbst diese Dimensionen bewältigen können.

Wie steht es um andere Regionen, Asien etwa oder gar Europa?
   
Singh: In Europa haben Stürme zwar nicht die Intensität von Hurrikans, betreffen aber viel größere Flächen. Verluste könnten sich über mehrere Ländergrenzen hinweg akkumulieren und ähnliche Dimensionen wie in den USA erreichen. Andererseits wird in Europa im Schnitt solider gebaut.

In Asien bestehen erhebliche Risiken durch Erdbeben, Taifune und Überschwemmungen. Aber Versicherungen haben dort längst nicht die Marktdurchdringung wie in den USA und Europa. Deswegen erwarten wir selbst bei extrem großen wirtschaftlichen Schäden keine vergleichbar hohen Schadenansprüche.

Aber natürlich haben wir ein Auge auf die Entwicklung der Deckungsumfänge, denn Asien holt mit Riesenschritten auf.

Geht die ungewöhnliche Häufung auf den Klimawandel zurück?
   
Singh: Ja und nein. Einzelne Ereignisse lassen sich nicht unmittelbar auf einen globalen Erwärmungstrend zurückführen, aber die Häufung in den letzten Jahren spiegelt mit hoher Wahrscheinlichkeit den von Menschen verursachten Treibhauseffekt wider.

Allerdings schwankt die Meerestemperatur in den Tropen in natürlichen Zyklen, und Warmphasen gehen meist mit einer erhöhten Sturmaktivität einher. Für den Nordatlantik wird dieses Phänomen "Atlantic Multidecadal Oscillation" genannt, wobei sich die Zyklen über Jahrzehnte hinziehen. Die jüngste Warmphase begann ungefähr 1995.

Die Wissenschaftler sind sich noch nicht einig, in welchem Ausmaß die verstärkte Hurrikanaktivität auf diese natürlichen Schwankungen zurückgeht und inwieweit auf die Treibhausgase. Aber beide Faktoren zusammen werden bewirken, dass wir in den nächsten zehn bis 20 Jahren und vielleicht noch länger überdurchschnittlich viele Zyklone erleben werden.

Außerdem werden entlang der Küsten immer mehr Werte angehäuft und die technische Infrastruktur wird ständig empfindlicher. Dadurch werden natürlich auch die potenziellen Verluste immer größer.

Was heißt das für die Versicherungsbranche?
   
Singh: Versicherer diversifizieren ihre Risiken sorgfältiger. 1992 mussten mehrere US-amerikanische Versicherer Konkurs anmelden, weil die Branche auf ein Ereignis wie Hurrikan Andrew buchstäblich nicht vorbereitet war. Das wirkte wie ein Katalysator: Die Modellierung und das Management von Katastrophenrisiken wurden erheblich verfeinert.

Inzwischen lassen wir bei Neuabschlüssen viel mehr Vorsicht walten und vermeiden übertriebene Häufungen von Risiken. Sowohl die Selbstbehalte als auch die Prämien sind gestiegen. Außerdem setzt die Branche Anreize für Hausbesitzer und Bauunternehmer, Häuser katastrophensicher zu konstruieren.

Wie werden die Risiken berechnet?
   
Singh: Früher hat die Branche deterministische Risikomodelle verwendet, die auf dem wahrscheinlichen Maximalschaden beruhen, dem "Probable Maximum Loss". Basis für diese Kennziffer waren historische Zahlen: "Wie wahrscheinlich ist Schaden x aufgrund bisheriger Erfahrungen?" Bis Ende der 1980er Jahre gingen die US-Versicherer von Schadenhöhen bis maximal eine Milliarde Dollar aus.

1989 kostete Hurrikan Hugo die Branche rund fünf Milliarden Dollar und wurde zur Berechnungsgrundlage für den neuen PML. Aber kaum drei Jahre später war der Wert schon wieder Makulatur, denn Andrew kostete ein Vielfaches dieser Summe und es hätte weit schlimmer kommen können, hätte er die Küste etwas weiter nördlich getroffen.

Inzwischen wissen wir viel mehr und können erheblich differenziertere Katastrophenmodelle nutzen. Für unsere Wahrscheinlichkeitsberechnungen entwickeln wir Tausende realistischer Szenarien mit der so genannten Monte-Carlo-Simulation.

Warum Monte-Carlo-Simulation?
   
Singh: Der Name geht auf das berühmte Kasino in Monaco zurück. Am Roulettetisch rollt der Ball mit derselben Wahrscheinlichkeit auf jede Zahl. Die Monte-Carlo-Simulation beginnt ebenfalls mit gleichmäßig verteilten Zufallszahlen, die dann mit statistischen Verteilungsfunktionen für alle relevanten Parameter abgeleitet von historischen Daten transformiert werden. So lassen sich unterschiedlichste Ereignisse simulieren.

Musste das Modell nach Katrina modifiziert werden?
   
Singh: Modelle sind nie vollkommen. Seit Hurrikan Katrina ist klar, dass die Versicherungsbranche das Risiko von Sturmfluten für die USA unterschätzt hat. Außerdem spielen bei Katastrophen dieser Größenordnung noch ganz andere Faktoren als Windgeschwindigkeiten und Wasserstände eine Rolle und vergrößern die Schäden erheblich.

Durch die Evakuierung der Stadt wurden zum Beispiel Gebäude, die nur leicht beschädigt waren, nicht schnell genug repariert und der Schimmel konnte sich darin ausbreiten. Die Arbeits- und Materialkosten explodierten und zudem wurden viele unbeaufsichtigte Häuser und Geschäfte geplündert.

Das alles lässt sich nur schwer modellieren und wird nicht im Detail erfasst. Modelle müssen von Fachleuten angewendet werden, die auch deren Grenzen genau kennen.

Für das Risikomanagement ist darüber hinaus der Zeithorizont wichtig. Sollen wir den Kapitalbedarf anhand der langfristigen historischen Häufigkeit berechnen oder lieber auf die aktuelle Situation mit ihrem höheren Aktivitätsniveau abheben? Wie gesagt: Die Wissenschaftler gehen mindestens für das nächste Jahrzehnt von einer erhöhten Aktivität aus. Das wird jetzt in den aktualisierten Modellen berücksichtigt.

Uns ist außerdem klar geworden, dass die Politik die Auswirkungen von Naturkatastrophen weit stärker beeinflusst, als man meinen sollte. Konstruktion und Wartung von Hochwasserschutzanlagen oder Gebäuden bleiben nicht ohne Folgen für die Schadenquote. Deswegen befürwortet die Versicherungsbranche strenge Vorschriften, deren Einhaltung genauestens kontrolliert werden muss.
              
Arbeiten Sie mit Risikomanagern von anderen Versicherern zusammen oder zieht jede Gesellschaft ihr Ding durch?
   
Singh: Die Risikoverantwortlichen arbeiten sehr eng zusammen. Wir haben uns innerhalb der Branche vernetzt und das Chief Risk Officer Forum gegründet. 14 Versicherungsgesellschaften sind dort Mitglied, und das Forum liefert uns den Rahmen, in dem wir alle anstehenden Sachfragen diskutieren können. Aus diesem Kreis heraus entstand unter anderem 2005 die Emerging-Risk-Initiative, die mehr Bewusstsein für neu entstehende Risiken schaffen soll. 2006 haben wir gemeinsam einen Bericht über den Klimawandel und die Auswirkungen der Hurrikans auf die USA veröffentlicht. Er steht auf unserer Internetseite zum Download bereit.



Gesellschaftliche Kommunikation: Sprecher
Herr Michael Anthony
Tel.: +49.89.3800-18401
Fax: +49.89.3800-2840
E-Mail: michael.anthony@allianz.com

Allianz Group
Königinstraße 28
80802 München
Deutschland
www.allianz.com/aktuell

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