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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 22.04.2008
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Deutscher Stahlmarkt: Abschwächung auf hohem Niveau

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 48,5 Millionen Tonnen Rohstahl produziert, die deutsche Stahlindustrie arbeitete erneut hart an ihrer Kapazitätsgrenze. Das RWI Essen rechnet damit, dass die Stahlproduktion 2008 und 2009 leicht zurückgehen wird, die Auslastung der Stahlwerke aber hoch bleibt. Die Zahl der Beschäftigten in der Eisen- und Stahlindustrie wird voraussichtlich leicht sinken. Die Weltstahlproduktion wird 2008 und 2009 wohl etwas schwächer als bisher um 4,3% beziehungsweise 5,3% zunehmen.

Die deutsche Stahlindustrie hat 2007 im zweiten Jahr in Folge hart an ihrer Kapazitätsgrenze produziert. Die Erzeugung von Rohstahl stieg gegenüber dem Vorjahr nochmals um 2,7% auf 48,5 Millionen Tonnen. Dies reichte jedoch nicht aus, um die weitaus höhere Nachfrage der Stahlverarbeiter zu befriedigen. Sie griffen vermehrt auf ausländische Anbieter zurück, so dass die Stahlimporte um 12,1%zunahmen.

Deutsche Rohstahlproduktion wird zurückgehen

Zwar ist die deutsche Wirtschaft gut in das Jahr 2008 gestartet, allerdings dürfte sich die Expansion im Verlauf des Jahres abschwächen. Entsprechend ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage der Stahlverwender nur um 1,5% in diesem und um 2,0% im kommenden Jahr steigen wird, nach mehr als 8% im Jahr 2007. Auch die deutschen Stahlausfuhren dürften in diesem Jahr nur verhalten um 2,2% zunehmen und sich im kommenden Jahr etwas stärker um 4,7% erhöhen. Die Stahleinfuhren dürften weiter merklich mit 8,2% in diesem und 6,8% im nächsten Jahr wachsen.

Unter diesen Annahmen dürfte die deutsche Rohstahlproduktion in diesem Jahr um 2,1% und im kommenden um 1,5% zurückgehen. Damit würde sich zwar die Kapazitätsauslastung der Stahlwerke leicht verringern, bliebe aber im längerfristigen Vergleich immer noch hoch. Trotz hoher Auslastung der Stahlwerke dürfte die Beschäftigung in der Eisen- und Stahlindustrie in diesem und nächstem Jahr leicht, um 0,4% beziehungsweise 0,5%, zurückgehen, nachdem sie im Jahr 2007 erstmals seit der Wiedervereinigung gestiegen war.

Dieser Prognose liegt zugrunde, dass die aktuellen Turbulenzen auf den Finanzmärkten nur moderate Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben werden. Würde die Weltwirtschaft stärker beeinträchtigt, würde dies die deutsche Stahlindustrie spürbar treffen, da die Nachfrage nach ihren Produkten sehr stark von der Konjunktur abhängt.

Stahlpreise bestimmt durch teurere Rohstoffe und steigende Kapazitäten

Die Weltstahlproduktion stieg im Jahr 2007 erneut um 7,5% und erreichte 1,34 Milliarden Tonnen. Mit einem Zuwachs von 67,7 Millionen Tonnen hatte China wiederum den größten Anteil daran und produziert mittlerweile 36,4% des weltweit erzeugten Stahls. Hohe Zuwächse gab es im vergangenen Jahr auch in Indien, Brasilien und der Türkei,  die auf dem fünften, neunten und elften Rang der Stahl produzierenden Länder liegen. Gestiegene Rohstoffkosten ließen die Stahlpreise auf breiter Front klettern. Je nach Sorte waren sie im März 2008 – gemessen an den EU-Exportpreisen – zwischen 8 und 26% höher als im Dezember 2007.

Für dieses und das nächste Jahr erwartet das RWI Essen, dass die weltweite Stahlproduktion um 4,3% auf 1,40 Milliarden Tonnen (2008) bzw. um 5,3% auf 1,47 Milliarden Tonnen (2009) steigen wird. Die künftigen Stahlpreise werden von gegenläufigen Faktoren bestimmt. Für eine weitere Erhöhung spricht, dass die Rohstoffpreise hoch bleiben dürften und die Konzentration unter den Erzproduzenten zunimmt. Zudem schließt insbesondere China mit vielen Ländern langfristige Lieferverträge ab, so dass ein Teil von dessen Stahlproduktion gar nicht auf den Weltmarkt gelangt. Auf mittlere Sicht dürften die Rohstoffpreise aber dadurch gedämpft werden, dass weltweit in neue Förder- und Verladeanlagen investiert und so das Angebot ausgeweitet wird. Bei der hier erwarteten Produktionsentwicklung bei Stahl dürfte allerdings die Kapazitätsauslastung in vielen Ländern sinken. Dadurch könnten manche Produzenten versuchen, ihre Exporte zu steigern, was zu mehr Wettbewerb auf dem europäischen Stahlmarkt und zu tendenziell sinkenden Preisen führen dürfte.




Frau Sabine Weiler
Pressestelle RWI Essen
Tel.: (0201) 81 49-213
Fax:
E-Mail:


Herr Dr. Döhrn Roland

Tel.: (0201) 81 49-262
Fax:
E-Mail:

Rheinisch-Westfälisches
Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
Hohenzollernstraße 1-3
45128 Essen
http://www.rwi-essen.de/

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