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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 10.02.2009
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Pharmabranche: Es geht nur gemeinsam

Pressebericht über 14. Handelsblatt Jahrestagung "Pharma 2009.", 4. und 5. Februar 2009, Frankfurt * Wirtschaftsstaatssekretär Schauerte: "Angst raus - Vertrauen rein" * Pharmaindustrie: "Eine Innovationsbremse jagt die nächste" * AOK-Rabattverträge: "Apotheken haben keine Sicherheiten" * Kassen-Vertragsmodelle: "Schublade ist voller Ideen"

So unterschiedlich ihre Ansätze auch sind, sie sitzen alle in einem Boot: Pharmahersteller, Apotheken, Krankenkassen und Ärzte unterliegen teils schwer durchschaubaren Regularien, haben mit Wettbewerbsdruck, hoher Kostenverantwortung oder Lieferunsicherheiten zu kämpfen - und wollen doch alle die Versorgung der Patienten gewährleisten. Auf der 14. Handelsblatt Jahrestagung Pharma in Frankfurt sagten im Februar Vertreter dieser Interessensgruppen, wie sie den Herausforderungen begegnen werden und worauf es am meisten ankommt: Miteinander zu arbeiten.

Eine der größten Bremsen in der deutschen Pharmaindustrie ist nach Ansicht des Tagungsvorsitzenden Prof. Dr. Dr. Christian Diercks das Dickicht an Regulierungen und Gesetzen. "Von allen Branchen ist die Gesundheitswirtschaft mit mehr als 100 Gesetzen die am meisten regulierte." Es sei aufgrund der Dynamik der Branche zwar nur folgerichtig, dass der Gesetzgeber mit Regelungen nachrüste, räumte der Rechtsanwalt und Arzt ein. Trotzdem müssten die Gesetze auf den Prüfstand gestellt und abgespeckt werden.

Warum sich die aktuelle Krise von früheren unterscheidet und deshalb andere Maßnahmen erfordert, verdeutlichte Hartmut Schauerte, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. "Frühere Krisen traten ein, wenn Produkte zu teuer waren oder zu wenig innovativ. Die jetzige Krise aber ist eine Angstkrise." Es bringe nichts, den Leuten jetzt zu zurufen, sie müssen sich einfach mehr anstrengen. "Stattdessen muss es heißen: Angst raus, Vertrauen rein." Der Gesundheitswirtschaft komme die Distanz zur Finanzbranche zugute. Sie sei von jeher vergleichsweise konjunkturunabhängig gewesen und werde dies auch bleiben. Zwar seien Staatsregulierungen manchmal eine Fessel, "sie können aber auch eine sichere Bank bedeuten". Der Staat sei bereit zu zuhören, wenn Änderungen an den Regelungen gewünscht seien. Allerdings: "Ich persönlich kann der Gesundheitsministerin nicht vorschreiben, dass sie nicht soviel regulieren soll", so Schauerte. Unter den Pharmafirmen werden diejenigen die Krise stärker spüren, die für ihre neuen Maßnahmen von Finanzierungen abhängig seien. "Die könnte es erwischen." Dennoch sollte sich die Branche nicht zu viele Sorgen machen. "Wem wollen die Banken denn noch Geld leihen, wenn nicht Ihnen?" rief er den Teilnehmern zu.

Behandlung der Demenz besonders wichtig

"Wir sind der Stabilitätsanker in der Krise", betonte Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller e.V. "Unsere Umsätze sind stabil bis leicht wachsend, wir sind subventionsfrei und rufen auch künftig nicht nach dem Rettungsschirm." Auch ohne Subventionen würde die Pharmaindustrie weiter Innovationen in den Markt bringen und 13 Prozent ihres Umsatzes, das seien 4,5 Milliarden Euro, in Forschung und Entwicklung investieren, kündigte Yzer an. Allerdings: "Man muss uns auch machen lassen." Die hohe Reglementierung bremse Innovationen aus. Wenn der deutsche Markt Innovationen gegenüber immer weniger offen sei, sei das volkswirtschaftliche Potenzial gefährdet. "Ich fordere mehr Mut zu Wettbewerb - auch im Gesundheitswesen - und ein Instrumentarium, das Innovationen weiter zulässt." Es müsse bei einem unmittelbaren Marktzugang bleiben. "Der Patient wartet doch darauf." Besonders die Behandlung der Demenz sei bedeutsam: "Wenn wir für diese Erkrankung nicht bald den Schlüssel finden, wird Deutschland nicht in der Lage sein, die älter werdende Gesellschaft mitsamt ihrem Pflegebedarf zu finanzieren."

Barmer: "Kassen stecken im Klimawandel - und geben Druck weiter"

Laut Detlef Böhler, Leiter der Vertragsabteilung bei der Barmer Ersatzkasse, nimmt der Druck auf Krankenkassen weiter zu. Sie würden mit allen Mitteln versuchen müssen, mit den Zuweisungen aus dem Fonds auszukommen, um keinen Zusatzbeitrag erheben zu müssen. Die Barmer zumindest, die Böhler zufolge jährlich 3,12 Milliarden für Arzneimittel ausgibt, plane in diesem Jahr keinen Zusatzbeitrag.

Der Wettbewerb und der Kostendruck würden sich weiter verschärfen - und von den Kassen an die Leistungserbringer weitergegeben. "Der Klimawandel in der GKV ist jetzt eingetreten und wird zu einem Verdrängungswettbewerb führen - unter den Kassen, aber auch unter den Leistungserbringern."

Rabattverträge seien zwar eine gute Möglichkeit, Kosten einzusparen, aber: "Wir müssen dabei den Patienten im Blick behalten." Auch die Barmer werde nur überleben können, wenn sie den Versicherten eine erstklassige Versorgung garantieren könne. Nach Angaben von Insight Health und Pro Generika bestanden im letzten November 5314 Rabattverträge mit 110 Herstellern und 215 Krankenkassen. Damit sei der generische Markt weitgehend erschlossen, so Böhler. "Hier wird nur noch mit dem Löffel am Fundament gekratzt." Jetzt müssten Kooperationsverträge mit der pharmazeutischen Industrie im Original-Markt ausgebaut werden. Die Barmer prüfe und entwickle dafür bereits Szenarien.

Böhler erwartet künftig mehr Vertragsfreiheit. Die müsse jedoch einheitlich und gemeinsam genutzt werden, eine interdisziplinäre und sektorübergreifende Zusammenarbeit sei nötig. "Ideen gibt es genug, die Schubladen sind voll von Vertragsmodellen." Er mahnte an, schon kurzfristig Wirtschaftlichkeit zu erreichen:

"Wir brauchen dringend bereits in diesem Jahr wirtschaftliche Erfolge."

DAK-Chef Rebscher: Gesundheitsfonds ist eine Katastrophe

Die Kritik am Gesundheitsfonds fiel bei Prof. Dr. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK, gewohnt scharf aus: "Er wird professionell abgewickelt. Das ist aber schon alles." Technisch funktioniere er, ordnungspolitisch jedoch sei er eine Katastrophe. Rebscher betrachtet den Fonds als eine Verstaatlichung der Einnahmeseite der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Er führe dazu, dass Kassen Zusatzbeiträge - Rebscher nennt sie "Zusatzprämien" - vermeiden wie Teufel das Weihwasser. "Eine Kasse, die zum 1. Januar versucht hätte, eine Zusatzprämie zu erheben, hätte zum 1. Februar sicherlich 50 oder 100 Kunden weniger gehabt", so seine Vermutung. Unter den Wechselwilligen befänden sich vor allem solche, die sich im Internet über Konditionen informieren, "die jungen und gesunden Menschen eben". Und diesen solle eine Kasse erst einmal erklären, dass sie "für den Zusatzbeitrag eine tolle geriatrische Behandlung erhalten". Den Kassen dagegen, die die Versorgungslast schulterten, drohe die Unterdeckung. "Und daran ändert auch der Morbi-RSA nichts." Barmer-Vertragsexperte Böhler sieht den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) positiv: "Das neue RSA-System beendet die Jagd nach den Jungen und sorgt für einen gerechteren Ausgleich." Mancher Arzt wisse das ganz besonders zu nutzen, wie Böhler schilderte: Ihm habe ein Arzt aus Süddeutschland geschrieben, solange die Barmer mit ihm keinen Selektivvertrag mache, schreibe er der Kasse gar keine Diagnose mehr auf. DAK-Chef-Rebscher sagte weiter, das wirklich Absurde am Morbi-RSA sei die Festlegung auf 80 Krankheiten und das Fehlen eines Klassifikationsmodells als Grundlage. In diesem Jahr würden noch Buchhalter statt Versorger in den Kassen herrschen. Aber 2010, "wenn dann alle Kassen zehn oder zwanzig Euro erheben müssen", werde es vielleicht Vertragspartnerschaften geben. Bis dahin sei Fairness gefragt. "Wenigstens zwischen uns sollte es Transparenz geben und Verständnis für die Konfliktsituation. Wir stehen in der Verantwortung."

AOK-Manager Hermann: "Apotheken haben keine Sicherheiten"

Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvize der AOK Baden-Württemberg und AOK-Verhandlungsführer, verteidigte auf der Handelsblatt Tagung die Rabattpolitik seiner Kasse. "Unsere Rabattverträge werden immer als Inkarnation des Bösen dargestellt, dabei sind sie transparent und fair." Und stünden damit im Gegensatz zu exklusiven oder semi-exklusiven Rabattverträgen, für die es nie eine Ausschreibung gegeben habe: "Solche Hinterzimmer-Verträge führen zu einer deutlichen Marktkonzentration der Vertragspartner." Und zu Umsatzeinbußen bei den Pharmaherstellern, die außen vor gelassen wurden: "Bei denen gehen die Zahlen für ihr jeweiliges Konkurrenzprodukt in den Keller." Bisher hätten die benachteiligten Pharmaunternehmen jedoch nicht reagiert. Ebenso wenig wie die Aufsichtsbehörden, was Hermann ärgert: "Wir brauchen eine Aufsichtsbehörde, die diesem Namen auch Ehre erweist." Zur Versorgungsqualität seiner Kasse sagte er: "3,8 Millionen Versicherte sind in unserer Kasse. Freiwillig. Und ich glaube nicht, dass die sich schlecht versorgt fühlen."

 



Frau Romy König
Tel.: +49 (0) 69 / 244 327-3391
E-Mail: romy.koenig@euroforum.com

EUROFORUM Deutschland GmbH
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