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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 31.07.2008
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Postbank: Stagflation unwahrscheinlich

Die hohen Ölpreise, die steigenden Lebenshaltungskosten und die sich zusehends eintrübenden Konjunkturaussichten rufen Erinnerungen an die siebziger und achtziger Jahre wach, als Deutschland zweimal in eine Phase der "Stagflation" geriet, jenen schmerzhaften Zustand der Volkswirtschaft, der durch wirtschaftliche Stagnation bei gleichzeitiger hoher Inflation und Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist. Trotz Ähnlichkeiten mit der Situation der siebziger und achtziger Jahre glauben die Volkswirte der Deutschen Postbank AG jedoch nicht an eine Rückkehr des Stagflations-Gespenstes. "Von einer dauerhaften inflationären Entwicklung kann derzeit noch keine Rede sein", sagt Marco Bargel, der Chefvolkswirt der Bonner Bank. "Zwar ist die Jahresteuerung in Deutschland seit September 2006 von einem Prozent auf 3,3 Prozent im Juli 2008 gestiegen. Grund hierfür sind aber vor allem die deutlich gestiegenen Rohstoffpreise. Ein Überschwappen der gestiegenen Energie- und Nahrungsmittelpreise auf andere Komponenten der Verbraucherpreise hat im Gegensatz zu den siebziger und achtziger Jahren bislang nur in begrenztem Maße stattgefunden". So entwickelten sich die Kernverbraucherpreise ohne Energie- und Nahrungsmittelkomponenten in den letzten Monaten relativ stabil und betrugen in der EWU zuletzt 1,8 Prozent. In Deutschland lagen sie zuletzt bei zwei Proeznt.

Aus strukturellen Gründen dürften die Energiepreise zwar auch in Zukunft erhöht bleiben. Die aufstrebenden Volkswirtschaften vor allem in Asien werden auch künftig im konjunkturellen Aufholprozess verstärkt Rohöl sowie andere Rohstoffe nachfragen. Allerdings geht die Postbank davon aus, dass der Ölpreis im Zuge einer globalen Konjunkturabkühlung allmählich sinken wird. Auf Jahressicht erwartet sie einen Rückgang des Preises für Brentöl in Richtung auf knapp 100 Dollar pro Fass. Die Teuerungsrate in Deutschland und der EWU dürfte damit seitens des Ölpreises perspektivisch deutlich vermindert werden. Darüber hinaus hat sich die Inflation in Deutschland und im Euroraum in den letzten Jahren im historischen Vergleich sehr moderat entwickelt. Das hat die Inflationserwartungen der Wirtschaftsteilnehmer nachhaltig geprägt. Auch die Lohnentwicklung ist bei weitem nicht mit der von Anfang der siebziger und achtziger Jahre zu vergleichen. Sie war in den letzten Jahren äußerst moderat und hat damit einen wesentlichen Beitrag zum weiterhin anhaltenden Beschäftigungs-anstieg in Deutschland geleistet. Die Postbank erwartet zwar eine Verlangsamung der Konjunktur in den kommenden Quartalen. Das Risiko einer Stagnation oder gar Rezession schätzt sie jedoch für Deutschland und den gesamten Euro-Raum als gering ein. Insgesamt dürfte es damit nicht zu einer Stagflation kommen.

Deutschland machte erstmals Anfang der siebziger Jahre im Umfeld des ersten Ölpreisschubs Bekanntschaft mit Stagflation. Die Konjunktur schwächte sich bereits im Frühjahr 1973 spürbar ab. In diesem Umfeld wirkte der kräftige Ölpreisschub Ende 1973, bei dem sich der Preis für Brentöl mehr als verdreifachte, wie ein Katalysator. Wegen der hohen Rohölabhängigkeit am Gesamtenergieverbrauch schwächte sich die Konjunktur weiter ab und glitt Anfang 1974 in die Rezession, die bis zum Frühjahr 1975 anhielt. Weltweit sah es nicht besser aus. Betrug das Weltwirtschaftswachstum 1973 noch 6,5 Prozent, verlangsamte es sich 1974 auf 1,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg massiv an. Von 0,8 Prozent Anfang 1973 kletterte sie bis September 1975 auf 4,4 Prozent. Die Inflation blieb jedoch trotz der konjunkturellen Verlangsamung auf hohem Niveau.

Eine weitere ausgeprägte Stagflationsphase erlebte Deutschland Ende der siebziger Jahre im Umfeld des zweiten Ölpreisschubs. Sie dauerte rund drei Jahre. Die Merkmale waren die gleichen wie bei der ersten Stagflationsphase. Hohe Löhne belasteten das Preisklima bereits im Vorfeld des Ölpreisschubs. Mit dem deutlich gestiegenen Ölpreis schwächte sich die Konjunktur deutlich ab. Die Arbeitslosigkeit nahm zu, während die Inflation aber auf hohem Niveau verharrte.

Die vollständige Studie "Postbank Perspektiven" für den August und zurückliegende Monate finden Sie auch im Internet unter www.postbank.de/research.



Herr Hartmut Schlegel
Tel.: +49 228 920 12103
E-Mail: hartmut.schlegel@postbank.de

Deutsche Postbank AG
Friedrich-Ebert-Allee 114 - 126
53113 Bonn
http://www.postbank.de/

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