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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 27.03.2008
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Versicherungswirtschaft 2007 mit verhaltenem Beitragswachstum

Rentenpolicen dominieren im Neugeschäft der Lebensversicherer/technische Ergebnisse im Kompositgeschäft rückläufig

Im Jahr 2007 hat sich der zunächst anhaltende Konjunkturaufschwung kaum in der Entwicklung der Beitragseinnahmen der deutschen Versicherungswirtschaft widergespiegelt. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin mitteilt, stiegen die Beitragseinnahmen seiner 455 Mitgliedsunternehmen lediglich um 0,8 (2006: 2,5) Prozent auf 163,2 Milliarden Euro. Rückläufige Realeinkommen und eine trotz sinkender Arbeitslosigkeit bei vielen Bürgern verbreitete Unsicherheit begrenzten die Wachstumsspielräume in der Lebensversicherung. Im Kompositbereich wirkten sich der hohe Grad der Marktdurchdringung sowie der intensive Preiswettbewerb negativ auf die Umsatzentwicklung aus. Allein die private Krankenversicherung entwickelte sich mit einem Beitragsplus in Höhe von 3,4 Prozent überdurchschnittlich. Die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds stiegen nur geringfügig um 0,6 Prozent, während in der Schaden- und Unfallversicherung ein leichter Beitragsabrieb zu verzeichnen war (minus 0,4 Prozent).

Riester-Renten und Basisrenten weiter dynamisch  

In der Lebensversicherung setzte sich 2007 der Trend zu langfristig aus-gerichteten Vorsorgeverträgen fort. Vorsorgeverträge mit rentenförmiger Auszahlung hielten mit rund 52 Prozent den größten Anteil am Neugeschäft. Besonders die Riester-Rente konnte mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 2,1 Millionen Neuverträge an ihren Vorjahreserfolg anknüpfen. Der Bestand erhöhte sich um 29 Prozent auf über 8 Millionen Verträge. Bei der Basisrente stieg die Zahl der Neuverträge um über 80 Prozent auf 317.800. Der Bestand erreichte 601.600 Verträge (plus 103 Prozent).  

Insgesamt wurden im Bereich der Lebensversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds in 2007 rund 7,9 Millionen Verträge über eine Beitragssumme (Bewertungssumme) von 161 Milliarden Euro neu abgeschlossen. Dies bedeutet bei den Verträgen ein Minus von 6,4 Prozent und bei der Beitragssumme einen Rückgang von 3,5 Prozent gegenüber den Vorjahreswerten. Auf die Lebensversicherung im engeren Sinn (i. e. S.) entfielen 7,6 Millionen Verträge (minus 5,2 Prozent); die Beitragssumme aus dem Neugeschäft betrug 153 Milliarden Euro (minus 2,2 Prozent).  

Die gebuchten Bruttobeitragseinnahmen der Lebensversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds erreichten 78,9 (2006: 78,5) Milliarden Euro; 75,4 (2006: 74,9) Milliarden entfielen davon auf die Lebensversicherung i. e. S. Das entspricht einer Veränderung gegenüber dem Vorjahr von plus 0,6 bzw. plus 0,7 Prozent. Wie in den Jahren zuvor blieben die Auszahlungen an die Lebensversicherungskunden auch in 2007 auf hohem Niveau. So wurden in der Lebensversicherung (einschließlich Pensionskassen) 66,2 (2006: 66,7) Milliarden Euro an die Kunden ausgezahlt (minus 0,7 Prozent).  

In der privaten Krankenversicherung (Voll- und Zusatzversicherung, private Pflegeversicherung) stiegen die Beitragseinnahmen in 2007 um 3,4 (2006: 4,2) Prozent auf 29,5 Milliarden Euro. Hier wirkte sich vor allem ein im Vorjahresvergleich nochmals rückläufiger Nettozugang in der Vollversicherung dämpfend auf die Beitragsentwicklung aus. Insgesamt belief sich der Nettozuwachs in der Vollversicherung auf 59.900 (2006: 116.100) Personen. Von den Beitragseinnahmen entfielen auf die Voll- und Zusatzversicherung 27,6 Milliarden Euro (plus 3,6 Prozent) und auf die private Pflegeversicherung 1,9 Milliarden Euro (plus 1,1 Prozent). Die ausgezahlten Versicherungsleistungen (einschließlich Schadenregulierungskosten) erreichten eine Höhe von 18,8 Milliarden Euro, wobei auf die Voll- und Zusatzversicherung 18,2 (plus 5,5 Prozent) und auf die private Pflegeversicherung knapp 0,6 Milliarden Euro (plus 1,8 Prozent) entfielen.  

Schadenversicherung: Beitragsabrieb bei stark gestiegenen Leistungen  

In der Schaden- und Unfallversicherung trübte sich der Geschäftsverlauf in 2007 weiter ein. Ursächlich hierfür waren sinkende Beitragseinnahmen (minus 0,4 Prozent auf 54,8 Milliarden Euro) bei einem gleichzeitig kräftigen Anstieg der Leistungen (plus 7 Prozent auf 42,7 Milliarden Euro). Mit einer deutlich von 91,4 auf 97 Prozent gestiegenen Schaden- Kosten-Quote nach Abwicklung (Combined Ratio) verschlechterte sich das versicherungstechnische Ergebnis marktweit um 3,1 Milliarden Euro. Der versicherungstechnische Gewinn schmolz auf rund 1,6 Milliarden Euro ab. Diese Entwicklung ist im Wesentlichen dem Orkan �Kyrill� geschuldet, der mit einer Rekord-Entschädigungssumme von rund 2,4 Milliarden Euro zu Buche schlug. Bei der Bewältigung der Orkanschäden konnten die Schaden- und Unfallversicherer einmal mehr ihre organisatorische und finanzielle Leistungskraft eindrucksvoll unter Beweis stellen.  

Die rückläufige Beitragsentwicklung im Kompositbereich wurde maßgeblich durch die Kraftfahrtversicherung beeinflusst. Im volumenmäßig größten Schadenzweig verringerte sich das Beitragswachstum um 1,8 (2006: minus 3,6) Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Auf der Schadenseite erhöhten sich die Aufwendungen um 2,8 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro. Dabei konnten die Kraftfahrtversicherer in 2007 bei einem Rückgang des versicherungstechnischen Gewinns von rund 1 Milliarde Euro gerade noch ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen.  

Belastet wurde die Umsatzentwicklung in der Schaden- und Unfallversicherung auch durch die Sachversicherung. Hier ergab sich ein leichtes Beitragsminus von 0,3 (2006: plus 0,4) Prozent auf 14,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig sorgte Sturmtief "Kyrill" dafür, dass der Schadenaufwand um rund 23 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro hochschnellte. Allein in der Wohngebäudeversicherung fiel der Schadenaufwand mit 4,7 Milliarden Euro um ganze 50 Prozent höher aus als im Jahr zuvor. Bei einer Combined Ratio von 140 Prozent ergab sich in dieser Sparte ein versicherungs-technischer Verlust von gut 1,6 Milliarden Euro. In den Sachsparten insgesamt legte die Combined Ratio um knapp 16 Punkte auf 108 Prozent zu. In den industriellen Sachversicherungssparten gingen die Prämieneinnahmen bei gleichzeitig steigenden Versicherungssummen um 5,0 (2006: minus 5,3) Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zurück. Nachdem der Schadenaufwand in Industrie-Sach bereits im Jahr 2006 um 14,6 Prozent zugelegt hatte, war in 2007 ein erneuter Anstieg von 1 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zu verkraften.  

Von der Allgemeinen Haftpflichtversicherung gingen kaum Wachstumsimpulse aus. Wie im Jahr zuvor blieb auch in 2007 die Beitragseinnahme mit einer Zuwachsrate von lediglich 1,0 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro unverändert schwach. Der Schadenaufwand stieg um 2,0 (2006: 0,8) Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Bei einer Combined Ratio von 86 Prozent ergab sich ein versicherungstechnischer Gewinn von rund 970 Millionen Euro. In der Allgemeinen Unfallversicherung stiegen die Beitragseinnahmen geringfügig um 1,0 (2006: 3,4) Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Der Aufwand für Geschäftsjahresschäden minderte sich leicht um 1,0 (2006: plus 5) Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Bei einer Combined Ratio von 85 (2006: 86,1) Prozent betrug der versicherungstechnische Gewinn rund 740 Millionen Euro.  

In der Rechtsschutzversicherung stiegen die Beitragseinnahmen in 2007 um 2,5 (2006: 1,7) Prozent auf rund 3,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig minderten sich die Schadenaufwendungen um 0,5 (2006: minus 0,6) Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Die Combined Ratio verbesserte sich leicht von 99,1 auf 97 Prozent, womit sich ein versicherungstechnischer Gewinn von knapp 100 Millionen Euro ergab. Die Transportversicherer verbuchten in 2007 trotz deutlich angestiegenem Transportvolumen nur ein leichtes Beitragsplus von 1,0 (2006: 0,8) Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Der Aufwand für Geschäftsjahresschäden erhöhte sich um 4,5 (2006: 2,6) Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Die Combined Ratio stieg um knapp 2 Punkte auf 91 Prozent, woraus sich ein versicherungstechnischer Gewinn in Höhe von rund 170 Millionen Euro errechnet.  

In der Kredit-, Kautions- und Vertrauensschadenversicherung stagnierten Beitragswachstum und Schadenaufwand bei 1,4 bzw. 0,7 Milliarden Euro. Bei im Vergleich zu 2006 nahezu unveränderten Werten für Schadenquote (51 Prozent) und Combined Ratio (60 Prozent) setzte sich in 2007 die positive Entwicklung bei den versicherungstechnischen Ergebnissen im fünften Jahr in Folge fort.  

Im laufenden Jahr leichte Erholungstendenzen bei den Einnahmen  

Von der verbesserten Einkommensentwicklung bei den privaten Haushalten werden auf die Lebensversicherung insgesamt leicht wachstumsfördernde Impulse ausgehen. Die Lebensversicherer rechnen für das Jahr 2008 mit einem Beitragswachstum in Höhe von 2 Prozent. Für die Entwicklung in der privaten Krankenversicherung (PKV) sind die Beitragseffekte der jüngsten Gesundheitsreform nach wie vor nur schwer einzuschätzen. Es muss aber erneut mit einem relativ niedrigen Nettozugang an vollversicherten Personen gerechnet werden. Ein Beitragsplus im Bereich von 3 Prozent erscheint realistisch.  

Im Bereich der Schaden- und Unfallversicherung sind erneut keine größeren Mengeneffekte für die Beitragsentwicklung zu erwarten. Auch könnten hier der hohe Grad der Marktdurchdringung und der scharfe Preiswettbewerb die Wachstumsspielräume einengen. Vor diesem Hintergrund ist für die Schaden- und Unfallversicherung für 2008 von einem stabilen Beitragsvolumen auszugehen. Aufgrund der Vorausschätzungen für die Hauptsparten ergibt sich als Prognose für die Versicherungswirtschaft insgesamt für 2008 ein verhaltenes Beitragswachstum in Höhe von 1,5 Prozent.



Herr Hans Geldmacher
Tel.: 030 / 20 20 - 51 17 / 18
E-Mail: presse@gdv.de

Gesamtverband der Deutschen
Versicherungswirtschaft e.V
Friedrichstr. 191
10117 Berlin
http://www.gdv.de

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