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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 12.11.2008
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Versicherungswirtschaft 2008 mit 1,5 Prozent Beitragsplus / Lebensversicherer behaupten sich in schwierigem Umfeld / Geschäft in der Schadenversicherung entspannt sich

Die deutsche Versicherungswirtschaft konnte in 2008 nur wenig an der konjunkturellen Aufwärtsbewegung partizipieren. Auf der anderen Seite blieb auch die sich zuletzt dramatisch verschärfende Finanzkrise ohne Wirkung auf die Prämienentwicklung. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin mitteilt, zeichnet sich für das laufende Jahr ein leicht verbessertes Beitragswachstum ab. So rechnen die 469 Mitgliedsunternehmen – sie repräsentieren zusammengenommen ein Marktvolumen von über 95 Prozent – mit einem Beitragsplus von 1,5 (2007: 0,6) Prozent auf 165,3 Milliarden Euro. Dabei wird das erwartete Wachstum von der Personenversicherung getragen: Während sich für die Lebensversicherung (ohne Pensionskassen und Pensionsfonds) und die private Krankenversicherung ein Beitragswachstum in Höhe von 2 bzw. 2,9 Prozent abzeichnet, ist für die Schaden- und Unfallversicherung ein Beitragsplus von nur 0,2 Prozent zu erwarten. Ungeachtet dessen konnten die Schaden- und Unfallversicherer aber insgesamt ein leicht verbessertes versicherungstechnisches Ergebnis erzielen.

Trend zu Rentenpolicen ungebrochen

In der Lebensversicherung setzt sich der Trend zur Rentenversicherung fort. Dazu trägt das weiterhin hohe Neugeschäft an Riester-Verträgen bei. Zudem wurde in diesem Jahr die letzte Riester-Förderstufe erreicht; dadurch stiegen die Jahresbeiträge in diesem Segment – auch für Bestandsverträge – beträchtlich. Fondsgebundene Versicherungen haben in den ersten drei Quartalen ihren Anteil weiter ausgebaut. Überdies besaßen die Einmalbeiträge ein hohes Gewicht für das Neugeschäft.

Im ersten bis dritten Quartal 2008 wurden im Bereich der Lebensversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds rund 4,8 Millionen Verträge über eine versicherte Summe von 180,5 Milliarden Euro neu abgeschlossen. Die Zahl der Neuverträge ging somit um 9,4 Prozent zurück und die Versicherungssumme stieg bedingt durch die letzte Riester-Förderstufe um 10 Prozent. Für das Gesamtjahr wird mit rund 7 Millionen neu abgeschlossenen Verträgen in der Lebensversicherung im engeren Sinn (i.e.S.) gerechnet (- 7 Prozent); mit Pensionskassen und -fonds wird das Neugeschäft voraussichtlich 7,3 Millionen Verträge betragen.

Für die Lebensversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds zusammengenommen erreichten die gebuchten Brutto-Beiträge im ersten bis dritten Quartal 2008 insgesamt 54,7 Milliarden Euro, davon entfielen 52,6 Milliarden auf die Lebensversicherung i.e.S.. Dies entspricht einer Steigerung gegenüber den Vorjahresquartalen von 2,6 Prozent – sowohl für die Lebensversicherung im engeren als auch im weiteren Sinne. Für das Gesamtjahr 2008 geht der GDV davon aus, dass die Bundesbürger für die Lebensversicherung i.e.S. Beiträge in Höhe von knapp 77 (Vorjahr: 75,4) Milliarden Euro aufbringen könnten; auf Pensionskassen und -fonds könnten weitere 3,4 (Vorjahr: 3,5) Milliarden Euro entfallen.

Wie in den Jahren zuvor liegen die Auszahlungen an die Lebensversicherungskunden auch in 2008 auf hohem Niveau: Die Leistungsauszahlungen aus Lebensversicherungen i.e.S. erreichten im ersten bis dritten Quartal rund 48,9 Milliarden Euro; damit wurden 5,4 Prozent mehr an die Kunden ausgezahlt als im ersten bis dritten Quartal 2007. Im Gesamtjahr 2008 könnten gut 69 Milliarden Euro erreicht werden (+ 5 Prozent).

Die privaten Krankenversicherer rechnen für 2008 mit Beitragseinnahmen von insgesamt 30,3 Milliarden Euro (+ 2,9 Prozent). Davon entfallen auf die Krankenversicherung 28,4 Milliarden Euro (+ 3,0 Prozent) und auf die Pflegeversicherung 1,9 Milliarden Euro (+ 0,9 Prozent). Im ersten Halbjahr 2008 betrugen die Beitragseinnahmen rund 15,2 Milliarden Euro, wovon knapp 11 Milliarden Euro auf die Krankheitsvollversicherung und 950 Millionen Euro auf die private Pflegeversicherung entfielen. In der Krankentagegeldversicherung betrug das Beitragsvolumen 500 Millionen Euro, in den Zusatzversicherungen zum GKV-Schutz (Wahlleistungstarife, ambulante Tarife und Zahntarife) knapp 2 Milliarden Euro.

Die ausgezahlten Versicherungsleistungen (einschließlich Schadenregulierungskosten) dürften bis Ende 2008 eine Höhe von 19,9 Milliarden Euro erreichen, wobei auf die Krankenversicherung 19,3 (+ 5,4 Prozent) und auf die Pflegeversicherung 0,6 Milliarden Euro (+ 3,8 Prozent) entfallen. Im ersten Halbjahr 2008 erhielten die Versicherten fast 10 Milliarden Euro an Versicherungsleistungen, ohne Pflegeversicherung waren es knapp 9,7 Milliarden Euro.

Schaden- und Unfallversicherer 2008 mit verbessertem Ergebnis

Nach der deutlichen Verschlechterung des Ergebnisses im Jahr 2007 hat sich die Geschäftssituation für die Schaden- und Unfallversicherer in 2008 wieder etwas entspannt. Mit rund 2,6 Milliarden Euro ist nach den Zahlen für das erste Halbjahr 2008 davon auszugehen, dass der versicherungstechnische Gewinn um etwa 0,5 Milliarden Euro höher ausfallen wird als in 2007. Die marktdurchschnittliche Combined Ratio (Schaden-Kostenquote nach Abwicklung) würde sich 2008 somit leicht auf 95 (2007: 95,7) Prozent verbessern, nachdem sie sich im Jahr zuvor noch um 4,3 Prozentpunkte verschlechtert hatte. Ursächlich für diese Entwicklung sind nahezu stagnierende Beitragseinnahmen (voraussichtlich + 0,2 Prozent auf 54,6 Milliarden Euro) bei gleichzeitig sinkenden Schadenaufwendungen (- 1,3 Prozent auf rund 41,4 Milliarden Euro). Während das Beitragswachstum maßgeblich durch die sich zuletzt abkühlende konjunkturelle Entwicklung geprägt wurde, resultiert die verbesserte Schadenentwicklung daraus, dass die Schaden- und Unfallversicherer im Gegensatz zu 2007 bisher weitgehend von Sonderbelastungen wie dem Orkan „Kyrill“ verschont geblieben sind.

Die Entwicklung in der Schaden- und Unfallversicherung wird im Wesentlichen durch die Kraftfahrtversicherung beeinflusst, für die im vierten Jahr in Folge ein deutlicher Rückgang der Beitragseinnahmen erwartet wird (2008: - 1,7 Prozent auf 20,4 Milliarden Euro). Auf der Schadenseite wird sich die Situation aller Voraussicht nach weiter verschlechtern. Die Fortschreibung des allgemeinen Schadentrends (Herausrechnung von „Kyrill") führt unter Berücksichtigung der Halbjahreszahlen zu einem Anstieg des Schadenaufwands um 2,0 (2007: + 1,6) Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro. Vor dem Hintergrund fallender Beitragseinnahmen und steigender Schadenaufwendungen wird sich die Combined Ratio in der Kraftfahrtversicherung voraussichtlich auf 102 (2007: 98,1) Prozent verschlechtern.

In der Sachversicherung kann im Gegensatz zur Kraftfahrtversicherung von einer positiven Entwicklung auf der Einnahmenseite ausgegangen werden. Insgesamt dürften die Beitragseinnahmen in 2008 um 3,1 (2007:
- 1,5) Prozent auf 14,4 Milliarden Euro steigen. Das Beitragsplus generiert sich nahezu ausschließlich aus dem bedingungsgemäßen Inflationsausgleich (Summenanpassung). Im Gegensatz zum stark belasteten Vorjahr wird mit einer Normalisierung auf der Schadenseite gerechnet. So hat der Orkan „Emma" Anfang März 2008 deutlich weniger Schäden verursacht als „Kyrill" im Jahr zuvor. Darüber hinaus sind im ersten Halbjahr 2008 keine außergewöhnlichen Großschäden aufgetreten. Folglich könnte sich der Schadenaufwand um 9,6 (2007: + 17,8) Prozent auf 10,3 Milliarden Euro verringern. Insgesamt zeichnet sich für die deutschen Sachversicherer bei einer Combined Ratio von 95 (2007: 105) Prozent im Gegensatz zum Vorjahr ein versicherungstechnischer Gewinn ab.

In der Allgemeinen Haftpflichtversicherung deuten die für 2008 vorliegenden Geschäftsdaten auf eine Stagnation der Beitragseinnahmen bei einem Volumen von 6,8 Milliarden Euro hin. Der Schadenaufwand dürfte sich leicht um 0,5 (2007: - 1,1) Prozent auf 4,4 Milliarden Euro erhöhen. Nach einem Anstieg der Combined Ratio in 2007 auf 89,3 Prozent wird für 2008 ein zufriedenstellender Wert von 86 Prozent erwartet. Für die Allgemeine Unfallversicherung zeichnet sich für 2008 nur ein leichter Anstieg der Beitragseinnahmen in Höhe von 0,5 (2007: + 1,2) Prozent auf rund 6,3 Milliarden Euro ab. Das Schadenvolumen dürfte mit 2,8 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau liegen. Die Unfallversicherer rechnen mit einer Normalisierung der Combined Ratio (83 Prozent nach 79,2 Prozent im Jahr zuvor).

In der Rechtsschutzversicherung zeichnet sich ein abgeschwächtes Beitragswachstum ab, hier dürften die Einnahmen um 1,5 (2007: 3) Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro zunehmen. Die Schadenaufwendungen steigen voraussichtlich um 1,5 (2007: 0,3) Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Da die hochgerechneten Beitragseinnahmen im Gleichschritt mit den Schadenaufwendungen zunehmen, dürfte die  Schaden-Kostenquote nahezu unverändert bei 97 Prozent bleiben.

Die Transportversicherer rechnen nach stagnierenden Beitragseinnahmen im Vorjahr für 2008 mit einem Prämienrückgang um 2 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Auf der Schadenseite zeichnet sich ein noch auskömmliches Ergebnis ab. So dürften sich die Schadenaufwendungen um 2,0 (2007: + 3) Prozent auf 1,2 Milliarden Euro vermindern. Die Parallelentwicklung bei Beiträgen und Aufwendungen lassen für 2008 eine Combined Ratio auf Vorjahresniveau erwarten (91 Prozent).

In der Kredit-, Kautions- und Vertrauensschadenversicherung wird das Beitragsvolumen aller Voraussicht nach bei 1,4 Milliarden Euro verharren. Ursächlich hierfür dürften unter anderem Beitragsabsenkungen im Zuge von Kundenbindungsmaßnahmen sein. Der Schadenverlauf der Sparte ist großschadenbedingt typischerweise sehr volatil. So wird nach einem mäßigen Anstieg der Schadenaufwendungen in 2007 um 3,4 Prozent in diesem Jahr mit einem deutlichen Plus in Höhe von 10 Prozent auf rund 0,8 Milliarden Euro gerechnet. Die Combined Ratio dürfte sich um fünf Prozentpunkte auf 77 Prozent verschlechtern, was aber wie in den Jahren zuvor ein auskömmliches Ergebnis darstellt.

Assekuranz 2009 mit gleichbleibendem Prämienvolumen

Für 2009 rechnen die Versicherer über alle Sparten hinweg mit einem gleichbleibenden Beitragsvolumen. In Anbetracht des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds ist die Branchenkonjunktur damit aber noch immer als robust zu bezeichnen. Im Einzelnen ist für die Lebensversicherung i.e.S. ein leichter Rückgang der Beitragseinnahmen um 1,5 Prozent zu erwarten. Ursache hierfür ist vor allem das immer größere Gewicht der regulären Abläufe von in früheren Jahren und Jahrzehnten abgeschlossenen Policen. In der privaten Krankenversicherung erscheint dagegen ein Beitragszuwachs von 3 Prozent realistisch, während in der Schaden- und Unfallversicherung das Prämienvolumen auf dem Stand des Vorjahres verharren dürfte.

Weitere Informationen sind unter www.gdv.de abrufbar.



Herr Hans Geldmacher
Pressereferent
Tel.: 030-2020 5114
E-Mail: h.geldmacher@gdv.de

Gesamtverband der Deutschen
Versicherungswirtschaft e.V
Wilhelmstraße 43 / 43G
10117 Berlin
http://www.gdv.de

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