MVP-System Salia wird eingestellt

Mit Salia verabschiedet sich nun der professionelle Anbieter SQL Projekt AG vom MVP-Markt. Professionell deshalb, weil dieser nicht nur jahrelang ein fachlich umfangreiches System zur Verfügung gestellt hat, sondern offensichtlich auch den betriebswirtschaftlichen Blick darauf hatte: Langfristig scheint sich das Konstrukt der Softwareerstellung für den Maklermarkt in dieser Form nicht mehr zu rentieren. Deshalb suchte der Hersteller einen Partner, um mit einem veränderten Geschäftsmodell die Einnahmebasis zu verbreitern. Die Pools haben dies jahrelang vorgemacht, indem sie die IT-Entwicklungskosten aus ihren Provisionseinnahmen finanzierten. Je größer der Pool, desto höher die IT-Investitionen. Das Ergebnis waren bessere Maklerservices auf den Plattformen und eine höhere Attraktivität für die Makler.

Die Suche nach einem Partner war erfolgreich. Doch wenige Tage, nachdem Salia beim Deutschen Maklerverbund (DEMV) eine neue Heimat gefunden hatte, stieg die Fonds Finanz beim DEMV ein. Korrekterweise müsste es heißen: Der britische Investor HG Capital beteiligte sich am DEMV, nachdem er bereits bei der Fonds Finanz eingestiegen war. Das proklamierte Ziel kann nicht oft genug wiederholt werden, denn hier zeigt sich die Brutalität der Marktmacht: Es soll die führende Maklerplattform in Deutschland entstehen.

Brutal für die betroffenen Makler als Salia-Nutzer, deren eigenständiges MVP-System nun auf Eis gelegt wird. Der Anbieter verhält sich weiterhin professionell, da das MVP uneingeschränkt weiter genutzt werden kann. Auch kritische Fehler sollen in Zukunft behoben werden, eine Weiterentwicklung der Anwendung findet jedoch nicht mehr statt. Das Entwicklungsteam von Salia wurde übrigens komplett von DEMV übernommen. Zudem erhalten die Anwender ein kostenloses Migrationsangebot auf die Professional Works von DEMV, was allerdings eine Mitgliedschaft im Maklerverbund voraussetzt.

Und die Unabhängigkeit des Maklers?

Ich solle das nicht so negativ sehen, hörte ich als Reaktion auf meinen letzten Kommentar. Wie gesagt, ich schätze den unabhängigen Makler aus verschiedenen Gründen. Daher sollten alle Makler, die ihre Unabhängigkeit durch ein MVP-System bewahren wollen, alarmiert sein. Der Ausstieg von Salia kam überraschend, und am Ende steht der Makler vor einem neuen System mit dem Zwang, sich einem Verbund anzuschließen. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, die DEMV und ihr MVP-System haben auch in diesem Jahr wieder viel Lob in unserer Maklerumfrage erhalten. Fakt ist aber, dass alle Salia-Anwender unfreiwillig eine Entscheidung treffen müssen und eine Migration immer mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Und sie hatten sich bereits in der Vergangenheit entschieden, nämlich für Salia, ein unabhängiges System mit eigener Datenhaltung.

Vorteile der Poolsysteme…

Und sie waren bereit, einen gewissen Aufwand in die Datenpflege zu investieren. Denn die Pflege der einzelnen Anwendungen ist technisch aufwendig, während auf den Plattformen zusätzliche Services angeboten werden. Beispiel GDV-Daten: Beim Import in das Einzelsystem ärgert sich der Makler über Fehler und muss sie korrigieren. Auf einer Plattform kümmern sich am Ende Administratoren darum, dass alle Daten korrekt und fehlerfrei zur Verfügung stehen. Und man profitiert von der Schwarmintelligenz, denn ein Pool importiert naturgemäß mehr GDV-Datensätze als ein einzelner Makler.

…und deren Nachteile

Es gibt jedoch ein Problem mit Poolsystemen. Der technische Funktionsumfang ist deutlich geringer. Systeme wie Salia sind über Jahre gewachsen und die Entwickler haben Funktionen für die absolute Individualisierung des Systems bereitgestellt. Ein Assekuradeur, Konzeptmakler oder Zielgruppenspezialist wird Funktionen auf einer Plattform vermissen, da diese neue Systemgeneration naturgemäß auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Anwender abzielt.

Wie es für den Makler weitergehen kann

Ein betroffener Makler gibt sich im Gespräch pragmatisch. Sein System läuft noch, er will jetzt nichts überstürzen. Das Einlesen der BiPRO-Dokumente ist ihm schon zu aufwendig geworden, weil in seinem Kerngeschäft zu viele Dokumente übertragen werden, die pro Stück abgerechnet werden. Da lohnt es sich, eine Aushilfe einzustellen, die die Dokumente manuell den Verträgen zuordnet. Eine Migration ist aufwändig, sie muss auch zeitlich sorgfältig geplant werden. Und dann ist da noch die Qual der Wahl - auf welches System soll er migrieren? Schließlich hat er sich schon einmal für einen unabhängigen und technisch gut aufgestellten Anbieter entschieden.

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Der Markt ist und bleibt spannend. Auch für Makler.

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