Im Video „Rentenversicherung vs. ETF – So verlierst du garantiert!" nimmt Vertriebsoach Stephan Peters das gängige Narrativ auseinander, ein reiner ETF Sparplan sei einer Rentenversicherung grundsätzlich überlegen. Anlass ist ein Beitrag des Finanzformats 50K vom Hessischen Rundfunk, eingebettet in eine breitere Stimmungslage gegen das Provisionsmodell, die zuletzt auch ein Tagesschau Beitrag von Lilli Marie Hiltscher aus der ARD Finanzredaktion bedient hatte. Peters argumentiert nicht gegen ETFs an sich, sondern gegen ihre naive Umsetzung im privaten Depot. Die Pointe vorweg: Im realistischen Szenario landet die fondsgebundene Police trotz 4 Prozent Abschlusskosten und 4,5 Prozent Verwaltungskosten rund 100.000 Euro über dem Depot. Bei der Verrentung wachsen die Unterschiede sogar auf 145.000 Euro Verrentungskapital.
Die Inszenierung der fehlenden 100.000 Euro
Die 50K Redaktion zeichnet ein eindringliches Bild: 40 Jahre Arbeit, jeden Monat brav Geld zur Seite gelegt, am Ende stehen 300.000 statt der erwarteten 400.000 Euro auf dem Konto. Schuld seien versteckte Gebühren, Provisionen und das Geschäftsmodell der Beratung. Peters kontert mit einer scharfen Gegenthese: „Mit den Tipps von 50K verlierst du vielleicht sogar mehr als 50K". Was sich erst nach Verbraucherschutz anhöre, eskaliere schnell zu einer ideologisch gefärbten Kampagne gegen das Provisionsmodell. Der Provisionshass habe seinen Weg ins öffentlich rechtliche Programm gefunden, vergesse dabei aber, dass jede Medaille zwei Seiten habe. Genau diesen Punkt hatte zwei Wochen zuvor bereits der BVK mit Blick auf die Tagesschau gemacht, der dem öffentlich rechtlichen Rundfunk vorwarf, komplexe finanzielle Strukturen auf reißerische Schlagzeilen zu reduzieren.
Selbstentscheider sparen mehr als nur Gebühren
Eine zentrale Beobachtung dreht das Lieblingsargument der Sendung um. Selbstzahler zahlen weniger Gebühren, das stimmt. Sie verzichten dafür aber auch auf Expertise. Peters bemüht eine Reihe alltagsnaher Vergleiche: „Wenn du deine nächste Rechtsproblematik alleine angehst, zahlst du auch weniger Gebühren als dein Nachbar, der sich einen Anwalt nimmt. Er gewinnt dann wahrscheinlich gegen dich, aber du hast dafür keine Gebühren bezahlt." Den Blinddarm könne man sich theoretisch auch selbst herausnehmen, das spare massiv Chirurgenkosten, sei nur blöd, wenn es schief gehe. Profiwissen koste Geld, sein Fehlen koste oft mehr.
Was die Modellrechnung weglässt
Der Kernpunkt der Kritik betrifft die Annahmen der Sendung. 50K rechnet mit einem MSCI World ETF zu 0,2 Prozent TER. Aus Sicht von Peters fehlen darin entscheidende Posten: Vorabpauschale bei einem Basiszins von 3,2 Prozent in 2026, Anlage und Transaktionskosten zwischen 0,1 und 0,3 Prozent, mögliche Depotgebühren, Bankwechsel, Steuerthemen über vier Jahrzehnte.
Die 7 Jahre Falle
Im Schnitt würden Depots etwa alle sieben Jahre umgeschichtet, sei es wegen neuer Trends, panischer Reaktionen in Krisen oder schlicht durch Anbieterwechsel. Jeder dieser Eingriffe löst Steuern und Transaktionskosten aus und schädigt den Zinseszinseffekt erheblich. Innerhalb einer fondsgebundenen Versicherung greift dagegen der sogenannte Inside the Wrapper-Vorteil. Anlageklassen, Aktienfonds, Anleihen und bei manchen Anbietern auch Edelmetalle lassen sich kostenfrei tauschen. Keine Ausgabeaufschläge, keine Abgeltungssteuer beim Wechsel, keine Spreadkosten. Wer 200 Euro monatlich über 40 Jahre einzahlt und 1.500 Euro Konfirmationsgeld initial einbringt, lande am Ende deshalb nicht bei 400.000 Euro, sondern eher zwischen 330.000 und 340.000 Euro im Depot.
Verhaltensökonomie und Langlebigkeit
Zwei weitere Faktoren ziehen die Bilanz des reinen ETF Sparers nach Auffassung von Peters nach unten. Erstens das Langlebigkeitsrisiko: Ein Depot kann leer werden, wenn man zu alt wird. Eine Rentenversicherung zahlt lebenslang. ETF Fans würden die biologische Realität gern ausblenden. Zweitens die Psychologie. In Krisenzeiten halte ein Berater die Hand des Kunden, statt ihn aus Angst verkaufen zu lassen. Wer im Crash panisch aussteige, zerstöre sich seine Altersvorsorge nachhaltig. Die Kosten der Versicherung relativieren sich dann zu einer Art Versicherung gegen die eigene Dummheit. „Frag nach guten Renditen durch aktives Management, Steuervorteile über 40 Jahre und ob die Person dich in Krisenzeiten daran erinnert, nicht schwach zu werden und aus Angst irgendwie was zu verkaufen."
Die Gegenrechnung mit fondsgebundener Police
Im selben Szenario kommt die Rentenversicherung trotz höherer Kostenstruktur auf rund 440.000 Euro Auszahlungsbetrag. Wer das Kapital tatsächlich verrentet, hat etwa 475.000 Euro zur Verfügung, gegenüber rund 330.000 Euro aus dem Depot. „Das sind einfach mal 145.000 Euro mehr Verrentungskapital." Selbst im theoretischen Bestfall des Depotsparers, also bei null Umschichtungen über vier Jahrzehnte, liegt der Auszahlungsbetrag mit 466.000 zu 464.000 Euro nur einen Hauch über der Police. Am Verrentungskapital schlägt die Versicherung das Depot auch in diesem Fall. Hinzu kommen Steuervorteile durch das Halbeinkünfteverfahren, die in der öffentlich rechtlichen Modellrechnung schlicht fehlen.
Provisionsverbot trifft die Falschen
Auf das Argument, England und die Niederlande hätten die Honorarberatung zur Norm gemacht, antwortet Peters mit einer sozialpolitischen Volte. Wer 3.000, 4.000 oder 6.000 Euro Honorar nicht aufbringen könne, verliere durch ein Provisionsverbot den Zugang zu professioneller Altersvorsorge komplett. Gut verdienende Haushalte profitierten dagegen weiter vom Profiwissen, weil sie es sich leisten könnten. Statt einer offenen Debatte über die Sinnhaftigkeit professioneller Beratung werde Beratern, Maklern und Coaches reflexhaft hinterlistiges Verhalten unterstellt.
Die Botschaft
Der Appell zum Schluss fällt klar aus. Statt sich auf die Tipps der Sendung zu verlassen, solle man die eigene Altersvorsorgelösung beim Makler des Vertrauens sauber durchrechnen lassen, etwa über einen Performance Rechner. „Menschen, die sich von Profis beraten lassen und ja, auch Provisionen zahlen, sind am Ende besser gestellt als die, die es alleine versuchen."
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