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09.11.2016 - dvb-aktuell

Gastkommentar Jörg Oehmig: Was bedeutet eine Präsidentschaft von Donald Trump für die Geldanlagen?

Donald Trump ist ein unbeschriebenes Blatt - das gilt nicht für seine Person an sich - aber in Bezug auf seine politischen Erfahrungen und seine angekündigte Agenda.

Diese Situaion führt zu großer Unsicherheit für die Wirtschaft und damit auch für Kapitalmärkte. Und letztere mögen keine Unsicherheiten.

Ein Präsident Trump kann ein geringeres Wirtschaftswachstum bedeuten.

Die mehr grob umrissenen Wirtschaftspläne des wahrscheinlich neuen US-Präsidenten kann man in zwei Bereiche teilen:

  1. Eine geringere Einwanderung und höhere Zölle z.B. für wichtige Importländer, wie Mexiko oder China.
  2. Niedrigere Steuern für Reiche, keine Anpassung der US Sozialgesetzgebung (Social Security & Medicare) und eine vermutlich steigende Staatsverschuldung der USA.

Folgende Auswirkungen auf die Wirtschaft kann man daraus ableiten:

Die US-Wirtschaft wird weniger global und das führt zu:

  • einer Verschlechterung und Einschränkung der internationalen Handelsbeziehungen und Kapitalflüsse und damit zu
  • einem verlangsamten US-amerikanischen aber auch weltwirtschaftlichen Wachstum, insbesonders in den genannten Schwellenländern und anderen Exportnationen (Japan, Deutschland).

Das sind die kurzfristigen Konsequenzen für den Kapitalmarkt:

  • Unmittelbare Verluste an Aktienmärkten, die erhöhte Unsicherheit und niedrigere Wachstumserwartungen wiederspiegeln.
  • Ein vermutlich über (noch) längere Zeit niedriges Zinsumfeld, zumindest in Europa, wegen der geringeren Wachstumsaussichten.
  • Eine mögliche Flucht in sicher erscheinende Anleihen / Währungen und entsprechende Kursgewinne in diesen Werten.

Das sind die langfristigen Konsequenzen für den Kapitalmarkt:

  • Legt man die Daten seit 1926 zu Grunde, hat keine Präsidentschaft eines Kandidaten - egal ob Republikaner oder Demokrat - die Börsenentwicklung wesentlich beeinflusst.
  • Langfristig sollte der Aktionsradius eines neuen Präsidenten nicht überschätzt werden, da er die Zustimmung des Kongresses (und entsprechenden Interessengruppen) bei der Umsetzung benötigt.
  • Hinzu kommt die Tatsache, dass viele amerikanische Unternehmen weltweit vernetzt sind und von internationalen Austausch abhängig sind.

Mein Fazit: In den kommenden Tagen dürften die Kapitalmärkte heftig auf Ergebnisse, Ankündigungen und Gerüchte reagieren und stark schwanken. Risiken und schlechte Nachrichten spiegeln sich bereits wieder. Effektiv könnte ein Präsident Trump (rein wirtschaftlich gesehen) aber langfristig weniger Schaden anrichten als befürchtet.

 

Jörg Oehmig ist Diplom-Volkswirt und Finanzplaner mit Schwerpunkt Geldanlage. www.oehmig-investment.de"

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