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15.05.2018 - dvb-aktuell

Netfonds AG steigt bei V-D-V GmbH ein: "Wir wollen der Apple für die Finanz- und Versicherungsberatung werden"

Die Netfonds AG, vielen Marktteilnehmern als zweitgrößter Maklerpool bekannt und mittlerweile als vielseitiger Dienstleister aufgestellt, hat sich die Anteilsmehrheit beim langjährigen IT-Dienstleister V-D-V GmbH gesichert. Damit setzt sich der Trend zu einer Erweiterung der IT-Kapazitäten für die Entwicklung und Umsetzung von Maklertechnologien fort, wie er seit geraumer Zeit bei den großen Playern der Branche zu beobachten ist.

Wir sprachen mit Dr. Manuel Reimer, Geschäftsführer V-D-V GmbH, und Oliver Kieper, Vorstand Netfonds AG, über den Zusammenschluss beider Firmen, zukünftige gemeinsame Aufgaben und die langfristige Strategie.

Herr Kieper, wie kam es zur Beteiligung der Netfonds AG an der V-D-V GmbH?

Oliver KieperDie Netfonds AG hat sich bereits im vergangenen Jahr an der maxpool IT & Dienstleistungsgesellschaft mbH beteiligt und daraus gemeinsam die Finfire Solutions GmbH gegründet. Dieser Schritt hat uns hinsichtlich der Usability im Frontend unserer IT-Plattform und ebenso im Bereich Kundenmanagement-System (CRM) noch mehr gestärkt. Das heißt, unsere Kompetenzen liegen bis dato vor allem darin, Vermittlern eine übersichtliche und einfach zu handhabende Plattform mit allen Arbeitsmitteln für ihren beruflichen Alltag an die Hand zu geben. Durch die Beteiligung an der V-D-V haben wir nun zusätzlich einen renommierten Partner an Bord geholt, der uns durch seine Expertise vor allem im Daten- und Informationstransfer unterstützt. So wird gewährleistet, dass wir alle benötigten Daten für den Beratungsprozess zur Verfügung stellen können. Ein sehr wichtiger Faktor im Rahmen der digitalen Prozessoptimierung. Durch die Beteiligung an der V-D-V sparen wir natürlich auch enorm viel Zeit ein, die wir sonst für die Entwicklung eines solchen Systems benötigt hätten.

Herr Dr. Reimer, bitte erläutern Sie kurz das Geschäftsmodell der V-D-V. Was zeichnet das Unternehmen aus?

Mit unserem Backoffice-System „OfficeBase“ bieten wir mittelgroßen und großen Versicherungsvermittlern ein cloudbasiertes, hoch skalierbares Softwaresystem an. Hier über können unsere Kunden Prozesse wie Vertragsverwaltung, Policierung, Inkasso, Schadenregulierungen und Buchhaltung effizient abwickeln. Zudem optimieren wir die Prozess- und Datenkommunikation zwischen Maklern und Versicherern durch die intensive Nutzung der BiPRO- und GDV-Standards.

Herr Kieper, Netfonds hat den reinen Status eines Maklerpools schon lange verlassen. Wohin entwickelt sich das Geschäftsmodell? Welche Zielgruppen sprechen Sie an?

In erster Linie sind wir eine Finanzplattform und verstehen uns im Wesentlichen als Dienstleister für Vermittler, die technische Prozesse auslagern und professionell betreuen lassen wollen. Im Hinblick auf die Zielgruppen bedienen wir nicht nur mittelständische Makler, sondern stellen uns nun breiter auf und adressieren auch große Vertriebseinheiten und Industriemakler. Hier liegt der Fokus zunehmend auf dem Angebot von Einzeldienstleistungen, die von jedem Vermittler auch ohne Zugehörigkeit zum Pool, abgerufen werden können.

Herr Dr. Reimer, Sie sind Mitbegründer des BiPRO e.V. und arbeiten bereits seit langem im Gremium für Standardisierung des GDV. Warum ist die standardisierte Prozess- und Datenkommunikation aus Ihrer Sicht so wichtig?

Dr. Manuael ReimerWir haben auf der Seite der Produktgeber eine Vielzahl an Partnern, mit denen wir für unsere Makler und deren Kunden kommunizieren müssen. Das ist aufgrund der hohen Anzahl und breiten Marktabdeckung nur in standardisierter Form zu realisieren. Bereits in den 1980er-Jahren waren wir an der Entwicklung des GDV-Standards beteiligt. Neben der Datenversorgung sind aber auch elektronische Prozesse sehr wichtig. Deswegen haben wir den BiPRO e.V. mitinitiiert und gehören zu den Gründungsmitgliedern. Seitdem unterstütze ich BiPRO als ehrenamtlicher stellvertretender Präsident. Die Standards schaffen die Basis für eine automatisierte Prozess- und Datenkommunikation zwischen allen Branchenteilnehmern - Versicherern, Vermittlern, Serviceprovidern und Kunden. Das ist ein sehr wertvoller Benefit.

Der Wunsch nach Standardisierung erfährt eine neue Energie. Wie entwickelt sich der Markt?

Die Digitalisierung unserer Brache kann sich ohne Standards nicht entwickeln, und genauso treibt die Standardisierung den Prozess der Digitalisierung stark voran. Zum einen erreichen wir hierdurch eine Automatisierung, durch die Prozesse kosteneffizienter und schneller verarbeitet werden. Zum anderen stärkt die Standardisierung auch die Kommunikation zum Endkunden - und zwar über alle Kanäle.

Früher hatte dabei die Branche das Ziel vor Augen, dass jeder kleine Makler in der Lage sein soll, mit jedem noch so großen Versicherer direkt zu kommunizieren. So einfach ist es aber nicht, denn Prozesse müssen intensiv abgestimmt und synchronisiert werden. Daher benötigt der Markt für eine umfassende Digitalisierung nicht nur Branchenstandards sondern auch Serviceprovider, um die Anbindung aller Vermittler mit allen Versicherern über eine zentrale Plattform zu optimieren.

Herr Kieper, was kann Netfonds besonders gut, und welchen Mehrwert bietet nun die V-D-V?

Ganz klar, die Stärken von Netfonds liegen bisher in der Frontend-Kommunikation, das heißt in der Erstellung eines rechtssicheren und „einfachen“ Beratungsprozesses. Man könnte sagen, Netfonds ist von Beginn bis zum Schluss am Beratungsprozess beteiligt. Durch die V-D-V haben wir nun einen Partner gewonnen, der genauso stark ist - allerdings in der Abwicklung im Backend. Mit diesem Know-how haben wir jetzt gemeinsam die Kompetenz, um Dienstleistungen auf Industriemaklerniveau anbieten zu können.

Herr Dr. Reimer, wird die V-D-V weiterhin eigenständig als Dienstleister agieren?

Ja, die V-D-V wird weiter unter der eigenen Marke agieren und ihre Produkte als zentrale Serviceplattform für die Finanz- und Versicherungsbranche ausbauen.

Herr Kieper, welche gemeinsamen Zielsetzungen haben Netfonds und V-D-V?

Grundsätzlich ist unser Ziel der „Apple“ der Finanz- und Versicherungsbranche zu werden. Darunter verstehen wir, dass Datenverarbeitung und Kundenkommunikation einfach, einheitlich und komfortabel wird. Wir möchten Vermittlern zu jeder Zeit und auf jedem Endgerät sowohl als Datenlieferant als auch in der Kundenansprache mit einer attraktiven Softwarelösung zur Verfügung stehen - und zwar allen Vermittlern, unabhängig davon, ob sie unserem Pool angehören oder nicht.

Durch die Vernetzung der Netfonds Systeme mit denen der V-D-V, werden in einem ersten Schritt 60 Versicherer integriert und über drei Millionen bestehende Verträge aktualisiert. Die Standardisierung der Datenformate werden wir konsequent fortführen. Diese sind die Grundlage für uneingeschränkten Datentransfer und serviceorientierte Kundenkommunikation.

Wir danken Ihnen für das Interview und freuen uns darauf, Sie beide auf unserem dvb-Workshop am 20./21. Juni begrüßen zu dürfen: Dort werden wir in einer „Elefantenrunde“ mit den Protagonisten aus dem Bereich Portal- und Pool-Systeme des MVP-Marktes diskutieren.

Henning Plagemann

Kommentare

Hermann Schlünzen - am 15.05.2018

Es ist ein Oligopol für Makler-IT entstanden, in dem sich nur noch einige wenige und dafür große Anbieter tümmeln. Was bedeutet das für den kleinen Makler? "Muss" man jetzt umsatteln? Was kostet das an Geld und Organisationsaufwand, wie soll das aus sinkenden Margen bezahlt werden? Und was passiert, wenn der neue Anbieter dann auch wieder aufgekauft wird und die MVP-Software zum Auslaufmodell wird, wie es mit InfoAgent passiert ist? Erneut umsatteln?
Oder ist das der großangelegte Versuch, das kleine Maklerunternehmen mit Gewalt den Pools auszuliefern, weil es schlicht und ergreifend keine bezahlbare / funktionsfähige / zukunftsfähige Technik mehr gibt?

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