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14.01.2019 - dvb-aktuell

Was unsere Leser im Jahr 2018 besonders interessierte und was überraschenderweise nicht

Das Jahr 2018 ist bereits Geschichte und wir alle sind voller Erwartungen, was wohl 2019 für die Vermittlerschaft bereithält. Trotzdem ist es sinnvoll, noch einmal kurz auf das alte Jahr zurückzuschauen und zu rekapitulieren, was unsere Leser hauptsächlich bewegt hat.

An Hand der Anzahl der Klicks ergibt sich ein deutliches Bild, welches sich einfach zusammenfassen lässt: Am meisten interessierten sich unsere Leser für Beiträge, welche sich mit den Änderungen der Rahmenbedingungen der Tätigkeit der freien Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler befasst haben.

IDD und DSGVO interessierte Viele

Zu nennen wären hier an erster Stelle die neuen Regelungen der IDD, die Einführung der DSGVO, die VersVermV und die FinVermV sowie die Diskussion um einen möglichen Provisionsdeckel. Schließlich müssen wir wissen, auf welcher Grundlage wir unser Gewerbe auch in Zukunft noch rechtssicher und erfolgreich ausüben können.

Auf großes Interesse stießen ferner Artikel, welche sich der Solvabilität der Versicherer widmeten, oder solche, die Änderungen bei einzelnen Produktkategorien und deren Auswirkungen auf die Beratungspraxis aufgriffen.

Digitalisierung interessierte Wenige

Was allerdings aus oben genannter Sicht bisher auf nur wenig Interesse stieß, ist das Thema Digitalisierung. Eigentlich hätte doch der Artikel aus dem Newsletter Versicherungen vom 07.11.2018 „Versicherungen – dem Vertrieb droht das Schicksal der Tante-Emma-Läden“ zu einer lebhaften Diskussion im Forum führen müssen. Der Artikel beschreibt eine Diskussion unter Versicherungsvorständen auf der letztjährigen DKM über die künftige Rolle der persönlichen Beratung im Versicherungsvertrieb. Man war sich einig. Die persönliche Beratung durch einen Vermittler werde vor allem bei komplexeren Produkten weiterhin Bestand haben. Das allerdings klang, angesichts der deutlich wahrnehmbaren Umbrüche in der Versicherungslandschaft, sehr nach Beschwichtigung.

Leider haben sich für den Artikel nur verhältnismäßig wenige Leser interessiert. So entsteht der Eindruck, dass der durch die Versicherer mit Milliardenaufwand betriebene Prozess der Digitalisierung von der freien Vermittlerschaft nur unzureichend wahrgenommen und damit in seinen möglichen Auswirkungen auf die eigene Tätigkeit unterschätzt wird. Oder wollen sich die Vermittler darüber keine Gedanken machen?

90 Prozent der bekannten Berufsbilder werden obsolet

Schon heute ist im Rahmen der Digitalisierung Künstliche Intelligenz (KI) in der Lage, durch TeleClinic an Hand von Krankheitssymptomen medizinische Diagnosen zu stellen und entsprechende Behandlungstherapien vorzuschlagen. Wieso sollte dann KI nicht fähig sein, sowohl bei Privatpersonen als auch bei Unternehmen online individuelle Risiken zu erfassen, zu analysieren und entsprechenden passgenauen Versicherungsschutz vorzuschlagen und auf Klick bereitzustellen? Wenn Zukunftsforscher davon ausgehen, dass durch die Digitalisierung ca. 90 % der heute bekannten Berufsbilder obsolet werden, wieso sollte dann ausgerechnet der Versicherungsvermittler in der heutigen Form zu den überlebenden 10 % gehören?

Für wen stecken die Versicherer das Geld in die Digitalisierung?

Deshalb sollte man sich schon die Frage stellen, für wen und mit welchem Ziel die Versicherer das viele Geld in die Digitalisierung stecken? Ist es denn vorstellbar, dass all dies (auch) dem Nutzen des freien Vermittlers dient? Oder ist es nicht vielmehr so, dass hier knallharte ökonomische Zwänge das Verhalten der Versicherungsgesellschaften bestimmen, u.a. auch in Erwartung möglicher Bedrohungen durch Amazon und anderer globaler Player? Muss sich angesichts dieser Interessenlage der freie Vertrieb nicht dringend neu erfinden, um in Zukunft hier überhaupt noch (s)eine Rolle zu spielen?

Wenn der Arzt an Bedeutung verliert, wird aber immer noch der Therapeut gebraucht. Kann das also eine zukünftige Rolle des Vermittlers sein?

Droht eine Disruption?

Der Begriff „Disruption“ ist im aktuellen Duden überhaupt noch nicht enthalten. Laut GS Lexikon ist Disruption ein Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation abgelöst beziehungsweise „zerschlagen“ wird.

Übertrieben, dieses für die Versicherungs- und Finanzbranche anzunehmen? Oder glauben Sie, es wird auch im Bereich des freien Versicherungs- und Finanzanlagenvertriebs einen Uber- oder Airbnb-Effekt geben?

Diskutieren Sie mit uns in unserem Forum:

Wie sollte, wie muss das Berufsbild des freien Versicherungs- und Finanzanlagenvermittlers in Zukunft aussehen?

Können wir selbst etwas tun oder müssen wir abwarten?

Wer sind unsere Partner in diesem Markt?

 

Roland Eichhorn, Redaktion deutsche-versicherungsboerse.de


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