Ruhestandsfonds: Stiftung Warentest kritisiert Kosten, Sauren antwortet

In der neuen Folge des Podcasts „For Professional Investors Only“ sprechen Christoph Fröhlich, Chefredakteur von Das Investment, und Malte Dreher, Chefredakteur des private banking magazins, mit Eckhard Sauren von der Sauren Fondsservice GmbH über das Konzept der Ruhestandsfonds. Wie verändert die Nachfrage nach monatlichen Ausschüttungen die Fondswelt? Warum sind Ausschüttungsrenditen von über fünf Prozent für ihn eine rote Linie?

Der Sauren Ruhestandsfonds wurde 2024 aufgelegt und schüttet monatlich 0,3 Prozent des Fondsvermögens aus, was 3,6 Prozent pro Jahr ergibt. Innerhalb eines Jahres sammelte das Produkt rund 50 Millionen Euro ein. Sauren selbst zeigt sich bescheiden: „Wir waren schon davon überzeugt, dass wir hier wirklich eine interessante Möglichkeit in den Markt gebracht haben. Dass das so stark aufgenommen wurde, da waren wir tatsächlich auch ein Stück weit positiv überrascht."

Das Konzept bedient einen strukturellen Megatrend: Babyboomer gehen in Rente, Lebensversicherungen laufen aus, Immobilien werden verkauft. Sauren beschreibt zwei klassische Anwendungsfälle: Wer eine Lebensversicherung ausgezahlt bekommt, will laut ihm in über 80 Prozent der Fälle nicht erneut bei derselben Gesellschaft eine Rentenversicherung abschließen. Und wer eine Immobilie verkauft, hat oft keine Lust mehr auf teure Handwerker und steigenden Verwaltungsaufwand. „Dann sagt man: Nein, ich tue mir den Stress nicht an, verkaufe die Immobilie, packe sie in den Ruhestandsfonds rein, habe damit genau das, was ich brauche."

Wer kauft eigentlich solche Fonds?

Zwei Drittel bis drei Viertel des investierten Kapitals fließen in die monatlich ausschüttende Anteilsklasse, und das von Anlegern, die die Ausschüttung auch wirklich brauchen: Best Ager, Babyboomer, Menschen kurz vor oder im Ruhestand, oft mit größeren Einmalbeträgen. Es gibt aber auch Jüngere, die das moderate Risikoprofil des Fonds mit einer Aktienquote von 25 bis 30 Prozent schätzen und deshalb die thesaurierende Variante wählen.

Der Liberation Day als Stresstest

Wie hält ein Ruhestandsfonds einem Marktschock stand? Im Zuge der Trump-Zollankündigungen brachen die Märkte kurzfristig um 15 bis 20 Prozent ein. Sauren schildert, was das konkret bedeutete: „Dann hatten wir mal in der Beispielrechnung von 100.000 keine 300 ausgeschüttet, sondern waren 200 irgendwas in die 90 hinein." Den Verlust habe man jedoch einen Monat später bereits wieder aufgeholt. Für Sauren ist das ein kalkulierbares Risiko, aber ausdrücklich eines, das er nicht wegdiskutiert.

Die rote Linie bei 5 Prozent

Während Mitbewerber mit Ausschüttungsrenditen von 6 Prozent und mehr werben, zieht Sauren eine klare Grenze. Bei aktienorientierten Strategien mit 5 oder 6 Prozent Ausschüttung entstehe ein strukturelles Problem: Wer bei einem Rückschlag von 30 oder 40 Prozent monatlich weiter ausschüttet, kommt kaum noch auf den alten Stand zurück.

„Da gaukelst du denen eine Stabilität vor, die du in der Praxis auf Sicht der nächsten Jahre nicht halten kannst. Das ist im Grunde genommen ein Disaster waiting to happen auf dem Rücken der Anleger."

Sauren hält solche Konstruktionen weder für anlegerkonform noch für beraterkonform. Deshalb bietet Sauren monatliche Ausschüttungen nur bis zur Balanced-Strategie an, nicht für wachstumsorientierte Fonds.

Die Kostendebatte: Was Stiftung Warentest falsch liegt

Stiftung Warentest bezeichnete den Sauren Ruhestandsfonds als „teuer und langfristig riskant" und rechnete dabei Managementgebühren und Zielfondskosten zur Gesamtkostenquote zusammen. Sauren hält diese Betrachtungsweise für grundlegend falsch: „Die Kostendiskussion ist eine, mit der wir sehr gerne sehr offensiv umgehen. Aber aufgrund der Konstruktion ist sie für Dachfonds mit unserem Ansatz äußerst ungünstig, weil sie immer die Gesamtkosten inklusive der Zielfondsgebühren ausweist."

Die eigentliche Managementgebühr des Dachfonds selbst sei sehr niedrig. Was zähle, sei die Leistung nach Kosten, und die könne er mit einem langjährigen Track Record belegen. Das müsse auch Stiftung Warentest anerkennen, sagt Sauren.

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