Mathematiker und Portfolio-Experte Dr. Andreas Beck spricht über die aktuelle Lage an den Finanzmärkten und liefert eine überraschende Prognose zur Zukunft der Künstlichen Intelligenz. Warum er US-Staatsanleihen komplett verkauft hat, weshalb er Gold nachkauft und warum der geplante Börsengang von OpenAI seiner Meinung nach scheitern wird.
Ruhige Hand am Aktienmarkt
Trotz der Turbulenzen der letzten Monate bleibt Beck bei seiner bewährten Strategie. Sein Portfolio zeigt sich stabil, die Aktienquote liegt im Normalbereich bei etwa 80 Prozent. „Der Aktienmarkt ist ja gerade relativ langweilig, verglichen mit Silber, Gold, Bitcoin, wie da die Post abgeht", stellt er fest.
Die regionale Allokation bleibt breit gestreut mit einer bewusst geringen Gewichtung in Nordamerika, was sich 2025 ausgezahlt hat. Stattdessen setzt Beck auf kleine und mittlere Unternehmen weltweit sowie den asiatisch-pazifischen Raum.
Flucht aus dem Dollar: Schweizer Franken und norwegische Krone
„Die haben wir im April letzten Jahres schon abgestoßen", erklärt Beck seinen Ausstieg aus US-Staatsanleihen. Inzwischen hält er gar keine amerikanischen Treasuries mehr. Als Alternative setzt er auf den Schweizer Franken, der in den letzten Jahren etwa 9 Prozent zum Euro gewonnen hat, sowie auf die norwegische Krone. Beide Währungsräume sind kaum verschuldet und bieten nach Becks Einschätzung mehr Sicherheit als der schwankende US-Dollar.
Gold: Ungern, aber notwendig
Obwohl Beck Gold aus ökologischen Gründen kritisch sieht, hat er die Position auf 2,6 Prozent aufgestockt und plant bei weiteren Einbrüchen sogar auf 3 Prozent zu erhöhen. „Ich mag Gold überhaupt nicht", gesteht er, räumt aber ein, dass angesichts des Vertrauensverlustes in US-Dollar und Treasuries wenig Alternativen bleiben.
Der jüngste Einbruch bei Gold und Silber sei keine strategische Neuausrichtung der Notenbanken gewesen, sondern schlicht „Zockerei": Spekulanten wurden durch erhöhte Margin-Anforderungen aus dem Markt gedrängt.
Bitcoin: Nicht mehr Null, aber auch kein Wertspeicher
Seine frühere Prognose, der Bitcoin falle auf Null, hält Beck nicht mehr für realistisch. „Inzwischen, glaube ich, hat sich das rumgesprochen, dass in der Bitcoin gar nichts steckt", sagt er dennoch. Alle eingezahlten Gelder seien faktisch weg, es existiere nur ein fälschungssicherer Beleg der Einzahlung.
Dass trotz dieser Erkenntnis Menschen bereit sind, 60.000 Dollar für einen Bitcoin zu zahlen, zeigt für ihn, dass der Markt weiterbestehen wird. Eine systemische Krise durch Bitcoin hält er aber für möglich, sollten Unternehmen mit schuldenfinanzierten Bitcoin-Beständen zu Notverkäufen gezwungen werden.
Japan: Keine schlaflosen Nächte
Trotz steigender Zinsen am langen Ende in Japan sieht Beck kein Krisenpotenzial. Die japanische Wirtschaft funktioniere, der Alterungsprozess werde gut bewältigt, die Innovationsquote bleibe hoch. „Auf keinen Fall habe ich schlaflose Nächte wegen Japan".
KI: Revolution ja, aber anders als gedacht
Bei der Einschätzung von KI legt Beck einen anderen Maßstab an als das gängige Marketing. Das Problem sei nicht, dass KI manchmal halluziniert, sondern „dass er eigentlich immer was Falsches sagt, das aber manchmal stimmt". Die Systeme arbeiteten über semantische Wahrscheinlichkeiten, nicht über logisches Denken oder objektbezogene Wahrnehmung.
Anhand eines simplen Beispiels demonstriert er die Grenzen: Bei der Aufgabe, Äpfel und Orangen auf einem Bild zu zählen, liefert ChatGPT sieben Äpfel und zehn Orangen, obwohl es sechs Äpfel und elf Orangen sind. „Ich würde mal sagen, ein dreijähriges Kind wäre in der Lage, das richtig zu zählen", kommentiert Beck.
OpenAI vor dem Scheitern
Besonders kritisch beurteilt Beck die Position von OpenAI. Die Spitzengruppe der KI-Anbieter rücke immer enger zusammen, OpenAI verliere Marktanteile trotz des Marketingerfolgs mit ChatGPT. „Meine Prognose ist, der Börsengang von OpenAI wird scheitern", erklärt er.
Anthropic sei wesentlich effizienter und Google spiele mit Gemini in einer anderen Liga. Die wahre Forschungsstärke liege bei Google, deren Wissenschaftler die grundlegenden Papers verfassten und die zudem die Infrastruktur besitzen, um mit KI Geld zu verdienen.
Blase platzt, aber der Schaden bleibt überschaubar
Das bedeutet jedoch nicht das Ende von KI. Beck unterscheidet zwischen der überzogenen Vision einer allgemeinen generativen KI und spezifischen Anwendungen. „Ich brauche keine allgemeine KI. Es reicht, wenn ich spezifische Agenten für spezifische Probleme baue, die ich mit viel weniger Energie betreiben kann", sagt er.
Die Textproduktion werde inflationiert, der Verwaltungsapparat verändert, aber das erfordere keine hunderte Milliarden an Investitionen. Und die größten Verlierer seien ohnehin nicht börsennotiert, sodass der breite Aktienmarkt keine Krise erlebe.
Sobald Sie das Video starten werden Ihre Daten durch Youtube verarbeitet und entsprechende Cookies von Youtube gesetzt. Weitere Informationen...



Verfassen Sie den ersten Kommentar