Im Kurzformat-Podcast 300 Sekunden von Cash.Medien spricht Norman Wirth, Vorstand des Bundesverbands Finanzdienstleistung AfW, über das geplante staatliche Altersvorsorge-Depot. Wirth gibt Einblicke, warum er das Vorhaben als Systembruch bewertet, warum er dem versprochenen fairen Wettbewerb nicht glaubt und warum er das Modell ohne funktionierenden Vertrieb schlicht scheitern sieht.
Überraschung über die Geschwindigkeit
Inhaltlich kam der Vorstoß für Wirth nicht aus dem Nichts. Die Forderung nach einem staatlichen Angebot war aus Verbraucherschutzkreisen und der SPD schon länger zu hören. Was ihn aber kalt erwischte, war das Tempo: „Hier wird so ein wirklich zentrales Reformprojekt im Eiltempo durch den Bundestag gebracht. Für eine saubere parlamentarische Auseinandersetzung bleibt da faktisch keine Zeit."
Sein Vergleich fällt deutlich aus: Das sei kein Notfall wie in der Coronapandemie, bei dem schnelles Handeln zwingend geboten wäre.
Staat als Wettbewerber und Schiedsrichter zugleich
Der Kernkritikpunkt von Wirth: Der Staat setzt die Regeln und tritt gleichzeitig als Anbieter auf. „Das ist kein fairer Wettbewerb, das ist ein Systembruch."
Das oft bemühte Vorbild Schweden lässt er nicht gelten: Dort ist die staatliche Vorsorge Teil der ersten Säule und verpflichtend. Das deutsche Vorhaben bewege sich jedoch im Bereich der freiwilligen, geförderten Zusatzvorsorge, ein grundlegend anderer Kontext.
Sein Ausblick ist bemerkenswert nüchtern: Wenn die erhoffte Marktdurchdringung ausbleibt, dürfte als nächster Schritt eine Pflicht kommen. „Kapitalanlage braucht Marktdisziplin und nicht politische Zielsetzung."
Kein Level Playing Field
Aus der Union war zu hören, man werde darauf achten, den staatlichen Anbieter nicht besser zu stellen als private. Wirth hält das für Wunschdenken: Ein staatlicher Anbieter mit Kostendeckel, regulatorischem Einfluss und dem Vertrauensvorschuss des Staatssiegels werde „immer strukturelle Vorteile haben und im Zweifel auch finanzielle".
Dazu kämen Einschränkungen bei den Vergütungsmodellen privater Anbieter. Von einem fairen Wettbewerb könne keine Rede sein.
Ohne Vertrieb kein Erfolg
Wirth sieht die Branche gezwungen, sich mit der neuen Realität zu arrangieren. Die Vermittler würden weiter beraten und für ihre Kunden das Beste herausholen. Gerade wer in der Vergangenheit Riester-Verträge vermittelt hat, müsse jetzt besonders sorgfältig prüfen, was er seinen Kunden empfiehlt.
Sein zentrales Argument bleibt aber der Vertrieb: „Wenn wirtschaftlich tragfähiger Vertrieb faktisch unmöglich gemacht wird, erreicht auch das beste Produkt die Menschen nicht." Diesen Fehler habe man bereits bei Riester und beim europäischen PEPP gemacht. „Ohne Vertrieb wird das Modell jedenfalls so erstmal scheitern."
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