Der Podcast „Smartes Geld" hat Dr. Jens Ehrhardt zu Gast, Gründer der DJE Kapital AG und einer der bekanntesten deutschen Vermögensverwalter. Es geht um eine Frage, die wohl alle Anleger derzeit umtreibt: Wie navigiert man durch eine Krise, die sich von allen vorangegangenen fundamental unterscheidet? Ehrhardt gibt dabei Einblicke in seine aktuelle Positionierung, seine Einschätzung zur Öl- und Gaskrise, zur Rolle Trumps als unberechenbarem Hauptakteur und zur Frage, ob Gold jetzt ausgesessen werden sollte.
Warum Ehrhardt im Plus ist
Während viele Fonds in diesem Jahr Verluste schreiben, steht Ehrhardts FMM-Fonds mit rund sechs Prozent im Plus. Seine Erklärung ist schlicht: konsequente Vorsicht und gezielte Positionierung in Ölaktien sowie Gold und Silber, die er nahe der Höchststände verkaufte. Gleichzeitig hielt er das Maximum an Barreserven und war zeitweise sogar short positioniert.
„Es ist nie einfach an der Börse. Aber vielleicht ist es diesmal noch ein bisschen mehr nicht ganz einfach, weil die Variablen eben auch von der geopolitischen Seite kommen."
Die Himmelsrichtung für DAX und andere Weltbörsen sieht er weiterhin nach unten gerichtet, jedenfalls so lange, bis Trump klare Signale setzt.
Die Ölkrise ist viermal so groß wie früher
Das Kernproblem: Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels fließen derzeit nicht mehr durch die Straße von Hormus. In früheren Krisen seien maximal fünf bis sechs Prozent der Ölproduktion ausgefallen, diesmal ist es das Vierfache.
„Wir haben 20 Prozent Lieferstopp praktisch der weltweiten Ölerzeugung. Das ist diesmal gefährlicher, als den meisten bisher klar geworden ist."
Strategische Vorräte können einige Wochen überbrücken; Saudi-Arabien pumpt einen Teil seines Exports durch die Ost-West-Pipeline. Doch das seien Pflaster, keine Lösung. Von einem echten Ende der Versorgungsstörung kann keine Rede sein.
Die unterschätzte Gaskrise
Was Ehrhardt noch mehr beschäftigt als der Ölpreis: die Gaskrise. Diese sei in Wahrheit noch größer als die Ölkrise und werde kaum diskutiert.
„Die Krise im Gasbereich ist eigentlich sogar noch größer, weil beim Öl immerhin ein paar Vorräte aufgelöst werden können."
Beim Gas fehle diese Puffermöglichkeit völlig. Für Deutschland sieht er durch norwegisches Gas und amerikanisches LNG derzeit noch keine akute Gefahr. Doch er warnt: Wenn Asien, das die eigentliche Hauptlast trägt, beginnt, europäischen LNG-Schiffen auf hoher See höhere Preise zu bieten, könnte das Problem nach Europa wandern.
Notenbanken in der Zwickmühle
Die Notenbanken befinden sich nach Ehrhardts Einschätzung in einer besonders unangenehmen Lage: Steigende Inflation durch den Ölpreis spricht eigentlich für höhere Zinsen, eine schwächelnde Konjunktur dagegen für Zinssenkungen.
„Die Notenbanken sind in einer Zwickmühle. Sollen sie wegen sich verschlechternder Konjunktur die Zinsen senken oder wegen ansteigender Inflation die Zinsen anheben?"
Für die USA prognostiziert er, dass die Inflationsrate in wenigen Monaten deutlich über vier Prozent steigen könnte. Gleichzeitig war das amerikanische Wachstum im vierten Quartal zuletzt bei nur 0,7 Prozent, weit entfernt von den ursprünglich erwarteten vier Prozent. Zinssteigerungen hält er in diesem Umfeld für unwahrscheinlich, aber auch für Zinssenkungen fehlt der Spielraum.
Trump: Der unberechenbarste Faktor
Ehrhardt hat in über 50 Börsenjahren viele Krisen erlebt. Die meisten seien durch Notenbankpolitik ausgelöst worden und damit letztlich analysierbar. Diesmal ist es anders.
„Trump ist nach meiner Meinung wesentlich weniger berechenbar als alle amerikanischen Präsidenten, die ich in meinem Berufsleben erlebt habe."
Jemand, der sich heute den Friedensnobelpreis wünsche und morgen aus Kränkung einen größeren Krieg vom Zaun breche, entziehe sich jeder klassischen Kapitalmarktanalyse. Auch die Frage, warum Trump den Krieg überhaupt begonnen hat, sei nicht eindeutig beantwortet. Was es unmöglich mache vorherzusagen, wann er ihn beendet.
Gold: Aussitzen lohnt sich
Den Goldkursrückgang betrachtet Ehrhardt gelassen. Als Privatanleger gelte: durchhalten.
„Ich war in über 50 Jahren Börsenmensch eigentlich immer ein Goldfan und bin es im Grunde meines Herzens auch heute noch."
Goldaktien hält er für fundamental unterbewertet, die Unternehmen hätten deutlich weniger Schulden und eine bessere Kostenstruktur als in früheren Goldpreiszyklen. Der gestiegene Ölpreis belastet zwar die Energiekosten der Goldproduzenten, doch langfristig sieht er den Sektor als attraktiv an.
Abwarten und das Pulver trocken halten
Sein abschließendes Fazit: Das reflexartige „Buy on the dip" sei in diesem Umfeld fehl am Platz. Defensive Positionierung, maximale Barreserven, ein Blick auf Versorger und Telekommunikationsaktien, das sei die Devise, bis mehr Klarheit herrsche.
„Das Pulver trocken halten. Und dieses ‚Buy on the dip', was ja bisher sehr Mode war — da würde ich noch immer warten."
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