Fonds: Warum Regulatorik ein Qualitätsmerkmal ist

Im FONDS professionell Podcast spricht Dr. Jörg Stotz, Geschäftsführer der HansaInvest, über einen Teil der Fondsindustrie, der für Anleger weitgehend unsichtbar bleibt und doch so entscheidend ist. Wer kontrolliert eigentlich den Portfolio Manager? Wie entsteht täglich ein Fondspreis aus Tausenden von Einzelwerten? Und warum bezeichnet Stotz Regulatorik mehrfach und mit echtem Nachdruck als "sexy"?

Drei Gewerke, eine Wertschöpfungskette

Stotz erklärt zu Beginn, wie die Fondsindustrie funktioniert. Es gibt drei zentrale Funktionen: Portfolio Management, Vertrieb und Administration. In der Realität müssen diese nicht mehr unter einem Dach vereint sein. Das war bis zum 6. Dezember 2001 anders, dem sogenannten Nikolausschreiben des damaligen Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen, das erstmals die Auslagerung des Portfolio Managements erlaubte. "Jeder macht das, was er am besten kann.", sagt Stotz.

Die HansaInvest hat sich auf die Administration spezialisiert. Wer als Portfolio Manager einen Fonds auflegen möchte, aber das regulatorische und buchhalterische Drumherum nicht abbilden kann, kommt zu ihr. "Sie stellen uns Ihre Anlagestrategie vor, Ihre Ideen, wie Sie den Fonds managen wollen. Und wir bauen Ihnen praktisch einen Fonds herum."

Der stille Aufpasser: Kontrolle im Tagesgeschäft

Eine der Kernaufgaben der Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) ist die laufende Überwachung, ob Portfolio Manager sich an Anlagerichtlinien und gesetzliche Grenzen halten. Die HansaInvest fungiert dabei als Treuhänder der Anleger und ist gegenüber der BaFin rechenschaftspflichtig.

Stotz unterscheidet dabei zwischen aktiven und passiven Anlagegrenzverletzungen: Aktiv bedeutet, dass ein Portfolio Manager bewusst oder fahrlässig etwas tut, was er nicht darf. Passiv meint, dass Kursbewegungen die Grenzen reißen, ohne dass jemand aktiv gehandelt hat. "Bei den aktiven Anlagegrenzverletzungen passiert das vielleicht 20, 30 Mal im Jahr", sagt Stotz, und relativiert sofort: In den meisten Fällen handelt es sich um technische Überschneidungen oder Unklarheiten in Reports, nicht um bewusste Verstöße. Einen wirklichen Eskalationsfall im Sinne eines "dritten Mals" habe es in den vergangenen Jahren kaum gegeben.

Regulatorik als Qualitätsmerkmal

Immer wieder kommt Stotz auf den Kern seiner Überzeugung zurück. Das Gesetz schreibt es wörtlich vor: Die KVG muss "im ausschließlichen Interesse des Anlegers handeln". Nicht im Interesse der Gesellschaft, nicht im Interesse des Konzerns, nicht im eigenen. Stotz hält diesen Grundsatz für das eigentliche Fundament des Vertrauens in die Fondsbranche und erklärt damit auch, warum es im deutschen und europäischen Fondsgeschäft kaum nennenswerte Skandale gibt.

Regulatorik sei zwar nicht das erste Wort, das man mit Unterhaltung verbinde, aber: "Regulatorik ist wirklich sexy, zum Schutz der Anleger." Und am Ende des Gesprächs schließt sich auch der Moderator dieser Sichtweise an.

68 Milliarden Euro, 580 Fonds, 12.000 Vermögensgegenstände

Die HansaInvest administriert per Ende 2025 rund 68 Milliarden Euro in etwa 580 Fonds. Davon entfallen rund 60 Prozent auf Wertpapiere, 40 Prozent auf Immobilien und alternative Investments wie Windparks oder Solaranlagen. Über alle Portfolios hinweg werden täglich knapp 12.000 einzelne Vermögensgegenstände bewertet. Der resultierende NAV (Net Asset Value) entsteht schlicht aus der Division des Portfoliowertes durch die umlaufenden Anteile, aber dahinter steckt ein hochgradig automatisierter Prozess, den rund 400 Mitarbeiter in Hamburg, Frankfurt und Luxemburg betreiben: "Das sieht man immer nicht so richtig. Man sieht am Ende des Tages immer nur den NAV."

KI ohne Angst: Der Hansa Pilot kommt

Auf die Frage nach Künstlicher Intelligenz antwortet Stotz differenziert. Die HansaInvest ist ein datengetriebenes Haus und sieht KI als Hebel für zwei konkrete Ziele: Effizienzgewinne in Routineprozessen und die Digitalisierung von institutionellem Wissen. Ein interner Use Case habe gezeigt, dass in einer Einheit mit fünf Personen rechnerisch zwei Stellen durch KI ersetzt werden könnten. Stotz beobachtete dabei etwas Bemerkenswertes: "Die Menschen haben sich begeistert damit auseinandergesetzt, dass es ihre Arbeitserleichterung ist, und dass man damit vielleicht die Ressourcen ganz anderweitig nutzen kann." Die Mitarbeiter fragten nicht, ob der Hansa Pilot kommt, sondern wann.

Und wie legt der Chef selbst an?

Am Ende des Gesprächs wird Stotz auch zur persönlichen Geldanlage befragt. Er ist überzeugter Fondsinvestor, nicht nur aus Überzeugung von der Idee des Fonds als Instrument der Altersvorsorge, sondern auch aus praktischen Gründen: "Wir kennen ja die ganze Strategie, wir kennen die Erfolge. Warum soll ich dann jemand anders das Geld geben?" Den kleinen Rest legt er direkt in Aktien an, für Spaß und Selbstbestätigung.

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

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