Über Demografie, Schäden und die Freiheit, langfristig zu denken

In der aktuellen Folge des FONDS-professionell-Podcasts empfängt Gastgeber Joachim Nareike den Vertriebs- und Marketingvorstand der WWK Versicherung. Rainer Gebhart, nach eigener Beschreibung dienstältester Vertriebsvorstand der deutschen Versicherungswirtschaft, gibt Einblicke in die Lage der Branche, in die Strategie eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit und in die Frage, warum sein Fußballherz gleich mehrfach schlägt. 

Vom gelernten Versicherungskaufmann in den Vorstand

Gebharts Werdegang beginnt bodenständig. Vor dem Studium absolvierte er eine Lehre zum Versicherungskaufmann bei der Allianz in München, wechselte anschließend an die Universität und schloss als Diplomkaufmann ab. Der Weg führte ihn danach in die Bankenwelt, konkret zur Bayerischen Vereinsbank, wo er sich mit der Vertriebswegepolitik beschäftigte und früh am Allfinanzgedanken mitwirkte. Genau diese Doppelqualifikation, die Grundlagen der Versicherung und die Bankenorientierung, sei der ideale Einstieg gewesen.

Über die Position des Vorstandsassistenten und die kurzfristig übernommene Leitung der Filialdirektion Nürnberg ging es für ihn rasch weiter. 1995 wurde er in den Vorstand berufen, damals einer der jüngsten der Branche. Den Job des Vorstandsassistenten beschreibt er als anspruchsvolles Sprungbrett: kein Kaffeeholen, sondern inhaltliche Vorbereitung für die Auftritte des Vorstandsvorsitzenden.

Warum der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit ein Vorteil ist

Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, dessen Mitglieder zugleich die Kunden sind, sei die WWK unabhängig von Übernahmen und vom Quartalsdenken börsennotierter Gesellschaften. Gebhart bringt es auf den Punkt: "Wir haben keine Großaktionäre, die sagen: Ihr müsst im nächsten Jahr so und so viele Dividenden erwirtschaften. Diesen Druck haben wir nicht."

Das ermögliche langfristiges Denken, was bei einer Altersvorsorge mit Laufzeiten von 30 Jahren und mehr entscheidend sei. Gleichwohl betont er, dass der Verein wirtschaftlich genauso liefern müsse wie jede Aktiengesellschaft, also Neugeschäft zu vernünftigen Kosten. Den Wettbewerbsdruck schätzt er als hoch und international ein und geht davon aus, dass weitere Versicherer in Fusionen oder Übernahmen gehen müssen. Die WWK sieht er dabei in einer Position der Stärke: ohne stille Lasten in der Bilanz, breit im Vertrieb aufgestellt und damit eigentlich ein attraktives Ziel. Sein Kommentar dazu fällt deutlich aus: "Wir würden sofort verschlungen werden von den ganz Großen. Aber wir wollen uns nicht auffressen lassen."

Schäden, Reparaturkosten und ein Plädoyer für Fairness

Beim Blick auf das Schadengeschäft wird Gebhart konkret. Jahrelang habe man bei der Wohngebäudeversicherung mit dem Wetter und mit alten Leitungswasserschäden zu kämpfen gehabt, was branchenweite Prämienerhöhungen nach sich zog. Auch die Kfz-Sparte sei nicht einfach gewesen. Hier hält er ein nachdrückliches Plädoyer für mehr Verständnis: Die Kosten seien dramatisch gestiegen, bei Personal wie bei Material. Wenn Werkstattlöhne in München bis zu 350 Euro pro Stunde erreichten und die Materialpreise mitzögen, müsse die Prämie zwangsläufig steigen, wolle man dieselbe Leistung abdecken. Für das laufende Jahr sieht er allerdings einen Lichtblick, da das vergangene Schadenjahr nicht von großen witterungsbedingten Ereignissen geprägt war.

Fokus auf Altersvorsorge

Beim Thema gesetzliche Rente wird er grundsätzlich. Der demografische Wandel sei keine Frage der Meinung: "Die lässt sich nicht wegdiskutieren. Das ist nun mal ein Fakt."

Wer heute nicht geboren sei, könne auch keine Beiträge zahlen, das Thema sei damit durch. Der Gesetzgeber müsse sowohl an der ersten Säule arbeiten als auch die private und betriebliche Vorsorge stärken. Mit Blick auf die anstehende Reform der Riester-Förderung sieht Gebhart das Jahr 2027 als entscheidend an. Wichtig sei ihm dabei eine faire Vergütung des Vertriebs, denn ohne auskömmliche Beratung gebe es auch keinen Absatz. Sein Grundsatz für gute Geschäfte gilt aus seiner Sicht über die Branche hinaus: "Ein gutes Geschäft ist immer dann, wenn jeder was davon hat. Dann ist auch niemand neidisch, dass der andere etwas daran verdient."

Drei Vereine im Herzen

Die WWK ist Hauptsponsor des FC Augsburg und namensgebend für die WWK Arena, eine Kombination aus Trikot- und Arenawerbung, die es laut Gebhart so kein zweites Mal gibt. Der Verein passe wegen seiner Bodenständigkeit und Langfristigkeit gut zum Selbstverständnis des Versicherers, und der Name öffne den eigenen Vermittlern beim Kunden Türen. Privat schlägt sein Herz ursprünglich für Bayern München, doch Augsburg ist über die Jahre dazugekommen. Auf die Frage, wem er bei einem direkten Duell die Daumen drückt, antwortet er pragmatisch: dem Team, das die Punkte dringender braucht. 

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

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