Wie Charta und GermanBroker.net zusammenziehen

Im Podcast "Die Woche" spricht Gastgeberin Karin Schmidt mit Ulrich Neumann, Vorstand der Charta Börse für Versicherungen, über die beschlossene Verschmelzung mit germanBroker.net. Nach Jahren freundschaftlicher Zusammenarbeit haben die Aktionäre auf den Hauptversammlungen der Fusion zugestimmt. Neumann verrät weshalb die Marke Charta verschwindet und warum er im Wettbewerb nicht um Größe kämpfen will.

Wie ein Pärchen, das zusammenzieht

Neumann beschreibt den Schritt als organische Entwicklung, die eigentlich schon Anfang der 2000er begann. Mitausschlaggebend war die strategische Allianz von 2024, bei der es um die Neuordnung von Beständen der Bayerischen Gebäudeversicherung ging. Dabei stellten beide Seiten fest, dass sie nicht nur dieselben Werte teilen, sondern sich fachlich gut ergänzen. Für den Charta-Vorstand ist der Zusammenschluss deshalb naheliegend: "Das ist irgendwie wie so ein Pärchen, das zusammenzieht." Als mittelständisches Unternehmen wolle man eben nicht zwei IT-Welten parallel entwickeln oder vergleichbare Lösungen doppelt bauen.

Wer die Technologie kontrolliert, hat den Kundenzugang

Als zentralen Treiber nennt Neumann die technologische Konkurrenz der großen Player und die Frage, wer künftig Herr der Daten ist. Digitale Unabhängigkeit sei für ihn keine IT-Frage, sondern eine strategische Frage für alle Makler. Zur künstlichen Intelligenz bezieht er klar Position: "KI ersetzt keine Makler, aber KI ersetzt Makler, die keine KI nutzen." Sein Fazit fällt entsprechend zugespitzt aus: "Der Gewinner der nächsten zehn Jahre ist nicht die Maschine, sondern der Makler, der die Maschine besser nutzt als sein Wettbewerber." Ziel sei die administrative Entlastung der Makler, die ohnehin mit Personal, Nachwuchs und ihren Prozessen zu kämpfen hätten.

Kein Wettlauf um Größe

Auf die Frage nach dem Konsolidierungswettlauf im Markt setzt Neumann eine deutliche Grenze. Um reine Größe gehe es ausdrücklich nicht. Man wolle weder möglichst viele Maklerbetriebe einkaufen noch die nächste riesige Abwicklungsplattform sein. Ein Seitenhieb auf die Finanzinvestoren: "Private Equity hat Wachstum finanziert, Unabhängigkeit können Sie eben nicht kaufen." Charta gehöre zu 100 Prozent den Maklern und das solle so bleiben. Man sei nicht verpflichtet, Renditen für Investoren in London, Dubai oder Amerika zu maximieren, sondern den Nutzen für die Makler zu stiften. Sein Wettlauf sei ein anderer: "Wir kämpfen eben nicht um die meisten Makler, sondern wir kämpfen um die beste Zukunft für den unabhängigen Makler."

Standorte und Arbeitsplätze bleiben

Beide Standorte in Düsseldorf und Hagen sollen erhalten bleiben, ebenso alle Arbeitsplätze. Klassisches Fusionssparen lehnt Neumann mit Verweis auf 40 Jahre Konzernerfahrung ab: Die Idee, direkt 20 Prozent Personal und Kosten einzusparen, brauche man nicht. Stattdessen zählt für ihn, dass die Menschen anfangen, gemeinsam zu denken und zu entscheiden. Beim Aufeinandertreffen von 16 Charta-Mitarbeitern und rund 90 bei GermanBroker.net will er die eigene schlanke Struktur einbringen. Sein unmathematischer Anspruch: "Unser Ziel ist: Eins plus eins ist drei."

Aus Raider wurde Twix: die Marke Charta verschwindet

Die gemeinsame Zukunft läuft künftig unter dem Namen GermanBroker.net. Eine komplett neue Marke wäre schlicht zu teuer gewesen, von Homepage über Formulare bis zu den Systemen. Neumann, der nach eigener Aussage keine genetisch verwachsene Identifikation mit dem alten Namen hat, greift zum Werbeklassiker: der Wechsel von Raider zu Twix habe damals auch niemand verstanden. Den Namen Charta will man dennoch nicht ganz aufgeben, sondern für einen passenden Geschäftszweig on hold setzen. Entschieden ist das noch nicht.

Das Beste aus zwei Welten

Den Mehrwert für Partnermakler sieht Neumann vor allem in der Komplementarität: GermanBroker.net ist stark im Assekuradeurgeschäft, Charta im Verbundgeschäft mit hochwertigen Konzepten. Man wolle ausdrücklich keine weitere Abwicklungsplattform sein, die nur an Transaktionen mitverdient. Statt sich über eine Plattform bei 60 Gesellschaften zu verzetteln und im Schadenfall als kleiner Makler in irgendeiner Hotline zu landen, sollten Makler ihr Geschäft auf die Zielversicherer verdichten und von einer Gemeinschaft von rund 1.000 Maklern mit besserem Standing profitieren. Der Anspruch: Man wolle Dienstleister nah am Makler sein und bleiben.

Ein heißer Sommer

Konkret geht es nun Schlag auf Schlag. Nach der Hauptversammlung und einer ersten gemeinsamen Arbeitswoche treffen sich alle Mitarbeiter zum Kick-Off in Hagen. Ein schlankes, schnelles Projekt soll die beiden Welten personell, technisch, in Produkten und im Recht zusammenführen. Das Zielbild: Anfang Oktober soll ein klares Bild für die Ambition 2030 stehen. Man wolle sich nicht in dreijährigen Projekten ergehen, sondern zeitnah liefern. Der Zeitplan sei ambitioniert und lasse wenig Schlaf und Freizeit, ein heißer Sommer eben.

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

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