Warum das Wertpapierdepot zum neuen Machtinstrument der Banken wird

In der aktuellen Folge des Podcasts Sound of Finance von zeb spricht Gastgeberin Clara Cardaun mit ihrem Kollegen George Stylianou, einem der Autoren einer neuen zeb-Studie zum Mobile Investing. Stylianou gibt Einblicke in einen Markt, der gleichzeitig boomt und unter massivem Preisdruck steht. Wer glaubt, Geldanlage sei heute nur noch ein Klick, unterschätzt die Dynamik dahinter gewaltig. 

Vom Aktienmuffel zum Selbstentscheider

Lange galt der Deutsche als notorischer Sparbuchfreund, der sein Geld lieber auf Tages- oder Festgeld parkte als es in Wertpapiere zu stecken. Diese Zeiten sind vorbei. Stylianou beschreibt einen grundlegenden Kulturwandel, der in der Corona-Pandemie seinen Anfang nahm und sich seither verselbstständigt hat. Menschen beschäftigen sich heute aktiv mit Vermögensaufbau und Altersvorsorge und treffen ihre Entscheidungen zunehmend eigenständig über App und Internet.

Einerseits lockten attraktive Tagesgeldkonditionen viele Kunden zu einem Zweitdepot, andererseits kamen echte Neukunden hinzu. Denn Anlegen ist mittlerweile schlicht populär geworden. "Inzwischen ist es wirklich auch vor allem bei jungen Kunden cool geworden, aktiv anzulegen." Aus dem einstigen Nischenpublikum ist eine breite Bewegung geworden.

ETFs als Gewinner des Wandels

Kaum ein Produkt profitiert von dieser Entwicklung so stark wie der ETF. Was früher als Instrument für erfahrene Investoren galt, ist heute das bevorzugte Werkzeug der Einsteiger. Der Grund liegt auf der Hand: ETFs sind günstig, leicht verständlich und genießen in der Finanzpresse ausgezeichnete Publicity.

Stylianou sieht darin keinen Nebeneffekt, sondern einen strukturellen Umbruch. Weil Selbstentscheider ihre Käufe ohne Beratungsgespräch tätigen, greifen sie eher zu passiven Produkten als zu erklärungsbedürftigen aktiven Fonds. Seine Prognose fällt deutlich aus: In den kommenden fünf bis zehn Jahren dürfte der Großteil der Mittelzuflüsse in ETFs fließen.

Was Kunden wirklich wollen: Einfach und günstig

Die Endkundenbefragung der Studie bestätigt, was viele vermutet, aber manche Anbieter offenbar noch nicht verinnerlicht haben. Junge Kunden wollen vor allem zwei Dinge: günstig und einfach investieren. Dazu kommen Sicherheit und eine stabile Plattform, gerade in turbulenten Marktphasen.

Bemerkenswert ist, was eben nicht zählt. Die maximale Produktbreite, auf die manche Anbieter setzen, spielt eine kleinere Rolle als gedacht. Aktien, ETFs und einige Formprodukte genügen der Mehrheit vollkommen. Stylianou leitet daraus seinen ersten Hebel ab: ein schlankes, gut bepreistes Kernangebot, das man selbstbewusst ins Schaufenster stellt. Wer hingegen professionelle Trader ansprechen will, sollte diesen ein separates Angebot mit größerer Tiefe und eigener Preislogik machen, statt es allen recht machen zu wollen.

Neobroker: Stark im Happy Case, schwach im Ernstfall

Der Erfolg der Neobroker ist für Stylianou wenig überraschend. Sie holen den Selbstentscheider punktgenau ab, mit günstigen Preisen, intuitiven Apps und einem einfachen Werteversprechen. Doch das Modell hat eine Schwachstelle. Es ist vor allem auf den Normalfall ausgelegt. "Wenn jemand ein World-ETF kaufen möchte, dann geht das einfach in drei Klicks." Sobald der Kunde jedoch ein exotischeres Produkt sucht, einen anderen Handelsplatz braucht oder in turbulenten Phasen auf Support angewiesen ist, zeigen sich die Grenzen.

Bemerkenswert ist zudem eine Zahl aus der Studie: Trotz der vielen gewonnenen Depots liegt das durchschnittliche Neobroker-Depot bei lediglich zehn bis zwanzig Prozent des Volumens einer etablierten Bank. Und genau hier liegt die Chance der Etablierten. Ihr Ansprechpartner, ihre Servicequalität und ihr Sicherheitsversprechen sind Stärken, die Kunden ausdrücklich schätzen.

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

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