Im Podcast Rückenwind von blau direkt sprechen Ellen Ludwig und Matthias Brauch von comparit über neue Vergleichsrechner für die PKV und die Sachversicherung. Es geht um automatisierte Datenermittlung, Systemintegration und den praktischen Einsatz von KI im Vergleichsprozess.
Von drei Rechnern zur Branchenlösung
comparit startete einst mit BU und Risikoleben. Inzwischen deckt die Plattform Altersvorsorge, Kfz, PKV (Krankenvoll und Krankenzusatz) sowie Wohngebäude und Hausrat ab. Hinter der Plattform stehen 14 Pools, Großmakler und Vertriebe als Gesellschafter, darunter BCA, FiNet, germanBroker.net, Telis und MLP. Der kumulierte Provisionsumsatz der angeschlossenen Gesellschafter liegt bei geschätzten 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro, die Nutzerbasis bei knapp 40.000 Accounts.
„Wir haben im November über 60.000 Antragsvorgänge gehabt, nur in diesem einen Monat", sagt Matthias Brauch. Für ein Unternehmen, das bei null startete, ist das eine bemerkenswerte Zahl.
Unabhängigkeit als Geschäftsmodell
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die strukturell verankerte Unabhängigkeit von comparit. Die Unabhängigkeit ist nicht nur ein Marketingversprechen, sondern im Gesellschaftsvertrag hinterlegt: Jeder der 14 Gesellschafter hält ein Vorkaufsrecht auf die Anteile der anderen.
„Wenn jemand von außen kommt und die Unabhängigkeit von comparit beerdigen will, hat er mit 16 verschiedenen Investoren zu verhandeln", erklärt Brauch. Das macht eine feindliche Übernahme praktisch ausgeschlossen und gibt auch den Versicherern Planungssicherheit, weil sie wissen, dass sie im Vergleich gleich behandelt werden.
PKV: Beratungstiefe durch Benutzerführung
Ellen Ludwig liegt der PKV-Rechner besonders am Herzen. Der Anspruch hinter dem Vergleich: Auch wer nicht täglich Krankenversicherung berät, soll sicher durch den Prozess geführt werden.
Konkrete Features sind ein integrierter Beihilferechner für Beamte, eine Selbstbehaltsimulation mit steuerlicher Auswirkungsberechnung sowie die automatische Einrechnung des Arbeitgeberanteils.
„Der Vermittler kann dem Kunden simulieren, dass er mit einem Premiumtarif sogar besser dasteht als mit einem einfachen Tarif und das ist ein großer Beratungsvorsprung", so Ludwig.
Das Herzstück ist die sogenannte Baustein-Logik: Statt endloser Tarif-Listen sieht der Makler eine kompakte Ergebnisübersicht, in der einzelne Leistungsbausteine direkt hinzugebucht oder entfernt werden können, inklusive sofortiger Preisauswirkung. Ein Endkundenportal hat den Rechner bereits getestet und seine bisherigen Anbieter abgeschaltet.
„Plötzlich kann der Endkunde in der Beratung dem Makler folgen", fasst Brauch den Effekt zusammen.
Wohngebäude: Versichererspezifische Wertermittlung statt Pauschale
Beim neuen Wohngebäude-Rechner hebt Ludwig ein Feature besonders hervor, das auf den ersten Blick technisch wirkt, in der Beratungspraxis aber erheblichen Unterschied macht: die automatische Wertermittlung.
In anderen Rechnern ist häufig ein pauschaler Wertermittlungsbogen hinterlegt, der für alle Tarife gilt. comparit hat dagegen die versichererspezifischen Wertermittlungslogiken hinterlegt.
„Der Vermittler muss sich darauf verlassen können, dass das, was im Rechner rauskommt, exakt dem entspricht, was er vom Versicherer bekommen würde", betont Ludwig.
Ergänzt wird das durch einen integrierten Bauortklassenrechner: Drei Eingaben, fertig. Auch hier gilt das Prinzip, Komplexität im Hintergrund zu halten und dem Makler eine aufgeräumte Oberfläche zu zeigen.
Integration als Pflichtaufgabe, nicht als Bonus
Brauch macht deutlich, dass ein Vergleichsrechner nur so gut ist wie seine Anbindung an die Vor- und Nachsysteme. Das Ziel von comparit ist es, der bestintegrierte Vergleichsrechner in die CRM und Bestandsverwaltungssysteme der Gesellschafter zu sein.
Ein konkretes Beispiel: Der Antragsprozess ist der einzige Moment, in dem ein Datensatz eindeutig zwischen Makler, Vergleichssystem und Versicherer gemappt werden kann. Gelingt das, lassen sich spätere Beitragsanpassungen, Dynamikanpassungen und BiPRO-Rückspieler sauber verarbeiten.
„Alles, was andere Vergleicher können, wollen wir mindestens genauso können, und besser machen", so Brauch.
Ergänzend dazu verfolgt comparit einen API-First-Ansatz: Alle intern genutzten Schnittstellen werden dokumentiert und externen Consumern zur Verfügung gestellt, zum Beispiel für Neo-Broker oder große Plattformanbieter, die keine eigene Oberfläche benötigen, sondern die Rechenlogik direkt in eigene Prozesse einbinden wollen.
KI im Rechner: Mehrwert statt Marketingstern
Der KI-Assistent von comparit hört auf den Namen CAI, intern liebevoll Kai genannt. Im Kfz-Rechner unterstützt er bereits bei der Neuwertermittlung: Der Makler gibt Fahrzeug und Herstellerschlüssel ein, CAI liefert eine Preisspanne inklusive Ausstattungsvarianten.
Unter der Oberfläche steckt eine MCP-Schnittstelle (Model Context Protocol), ein Protokoll, über das externe Sprachmodelle auf die gepflegte Tarifdatenbank von comparit zugreifen können.
„Wir sehen KI als Angebot an den Markt: Eine Datenbank mit qualitätsgesicherten Tarifdaten, mit der jedes KI-System kommunizieren kann", erklärt Brauch.
Der entscheidende Unterschied zu generischen KI-Anwendungen: Die Daten werden nicht aus Bedingungsdokumenten zusammengesucht, sondern sind von comparit vorqualifiziert. Künftig soll es möglich sein, im eigenen KI-Assistenten direkt auf die comparit-Wissensdatenbank zuzugreifen, um den passenden Tarif für einen Kunden zu ermitteln.
Auch beim kommenden Tierhalterhaftpflicht-Rechner ist CAI mit dabei. Details lässt Brauch bewusst offen, deutet aber an, dass die Interaktion mit dem Kunden über das Tier einen neuen Gesprächsanlass schaffen soll, der über das rein Fachliche hinausgeht.
„Niemand redet so gern über Tiere wie der Besitzer selbst", sagt Brauch, und das klingt weniger nach Produktfeature als nach Beratungspsychologie.
Ausblick: Vollsortimenter bis Ende 2026
Auf der Roadmap stehen Grundfähigkeit (Ende März), PHV und THV im Jahresverlauf, Unfallversicherung zum Jahreswechsel sowie Rechtsschutz Anfang 2026. Damit wäre comparit Vollsortimenter. Dread Disease ist als mögliche Ergänzung noch im gleichen Jahr im Gespräch.



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