34 Jahre AfW: Feier in Berlin und fachlicher Austausch

Der AfW hat sein 34-jähriges Bestehen gefeiert. Das Kultkino Colosseum in Berlin-Prenzlauer Berg bot bei bestem Sommerwetter den passenden Rahmen für Kongress, Netzwerkabend und Abendveranstaltung. 34 Jahre und Paragraf 34 der Gewerbeordnung: Der AfW beherrscht das Marketing. Mit der Initiative #DIE34ER hat der Verband den Wert der unabhängigen Beratung in den Vordergrund gerückt. Unter dem Motto „Wir feiern das Heute. Und gestalten das Morgen" stand natürlich auch die Altersvorsorgereform auf der Agenda.

Altersvorsorgereform: Marktchance oder Beratungsfalle?

Die Vermittlerverbände begrüßen die kapitalmarktorientierte Neuausrichtung, warnen aber vor unterschätzten Umsetzungsrisiken. Die zentrale Streitfrage: Markiert das neue Altersvorsorgedepot den Beginn einer Vorsorgekultur ohne flächendeckende Beratung?

Für AfW-Vorstand Norman Wirth ist die Reform grundsätzlich zu begrüßen, viele der beschlossenen Elemente wurden seit Jahren gefordert. Auch Votum-Vorstand Martin Klein begrüßte Bestandteile wie die stärkere Kapitalmarktorientierung, ein einfacheres Fördersystem sowie die Einbindung Selbstständiger.

Zweifel an der Kostenrechnung

Die Skepsis richtet sich vor allem auf die tatsächlichen Kosten. Kai Schulze, Leiter des Berliner Büros des Fondsverbands BVI, sieht hier eine Fehleinschätzung mancher Marktteilnehmer. Bei der Politik sei angekommen, dass die günstigsten Kosten jene eines ETF-Sparplans seien. Geschaffen worden sei jedoch ein Produkt, das kein reiner ETF ist. Verwaltung, Fördermechanismen, Dokumentationspflichten und regulatorische Anforderungen verursachten Kosten, die bislang vielfach unterschätzt würden. Schulzes Einschätzung: Mancher Neobroker werde sich daran verheben.

Streit um den Stellenwert der Beratung

Im Mittelpunkt der von AfW-Vorstand Frank Rottenbacher geleiteten Diskussionsrunde stand die Frage, ob die Politik die Bedeutung persönlicher Beratung unterschätzt. Rottenbacher verwies darauf, dass auch in Brüssel Finanzberatung vorrangig als Kostenfaktor wahrgenommen werde. Vermittler unterlägen seit Jahren strengeren Beratungs-, Dokumentations- und Transparenzpflichten, während nun Produkte eingeführt würden, die ausdrücklich ohne Beratung funktionieren sollen.

Julie Schellack, Vizepräsidentin des BDVM, widersprach der These, dass einfachere Produkte weniger Beratung erforderten. Zugleich kritisierte sie das Bild vom provisionsgetriebenen Berater: Die tatsächliche Kundenzufriedenheit falle deutlich positiver aus als in politischen Debatten dargestellt.

Feiern auf dem Prenzlauer Berg

Für gute Stimmung war dank des Ambientes mitten in Berlin gesorgt. Bei sommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein genossen die Gäste leckere Snacks, kühle Getränke und handgemachte Live-Musik. Das Colosseum bietet die perfekte Kulisse, um Fachinhalte und Feierlichkeit zu verbinden.

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

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