Brüß kommentiert: Die 25. Woche im Rückspiegel

Meine Damen und Herren,

willkommen zur Wochenschau aus der Welt der Versicherungen. Die 25. Kalenderwoche hatte von der Maklerhaftung bis zur überraschenden Personalie einiges im Gepäck. Schnallen wir uns an.

Umdeckung: Wo die Pflicht weit reicht, ist die Beratung Gold wert

Beginnen wir mit einem Text, der mir naturgemäß ins Auge sprang. Hans-Ludger Sandkühler hat in AssCompact aufgeschrieben, wie weit die Pflichten des Maklers bei Umdeckungen reichen. Der Satz aus dem Sachwalterurteil von 1985 zieht sich seither wie ein Mantra durch die Rechtsprechung: Die Pflichten des Maklers gehen weit. Und bei jedem Wechsel besonders weit. Wer eine BU umdeckt, muss dafür sorgen, dass der alte Vertrag erst fällt, wenn der neue ohne Erschwernisse steht. Wer eine PKV wechselt, muss über den Verlust der Alterungsrückstellungen aufklären. Wer ein Gebäude umdeckt, muss die Versicherungssumme prüfen.

Sie ahnen, warum mir dieses Thema am Herzen liegt. Beratung und Umdeckung sind meine Themenschwerpunkte, und in meiner Rolle bei PolicenTransfer berühren sie sogar mein gewerbliches Angebot. Mehr Werbung soll an dieser Stelle nicht gemacht werden. Festzuhalten bleibt das Eigentliche: Eine gute Beratungsdokumentation schützt nicht vor Haftung, sie belegt nur die gute Beratung. Vor der Haftung schützt allein die kundengerechte Beratung selbst. Wer das verinnerlicht, geht jeden Wechsel ruhiger an.

Branchenmonitor Komposit: Wer rote Zahlen schreibt

Dazu passt eine Nachricht aus dem VersicherungsJournal wie der Deckel auf den Topf. Der Branchenmonitor Komposit zeigt, dass auf Sechsjahressicht neun der fünfzig größten Schaden- und Unfallversicherer in der Verlustzone gelandet sind. Die BA die Bayerische führt mit im Schnitt fast 107 Prozent Combined Ratio, dahinter reihen sich DA Direkt, Garanta, Nürnberger, Helvetia, HDI, Mannheimer, R+V und die Haftpflichtkasse ein.

Wenn wieder von unrentablen Sparten die Rede ist, dann wissen Sie, was zu tun ist: den eigenen Bestand und das Kundeninteresse im Blick behalten. Denn unrentables Geschäft korrigiert sich am Ende über Beiträge und Bedingungen, und beides spürt der Kunde. Wenn ein Vertrag dann nicht mehr passt, wird umgedeckt, inklusive Beratung und Haftungsminderung. So, jetzt ist es raus.

Bürokratieabbau: Diesmal wirklich?

Eine Schlagzeile, die man selten liest und gerne glauben würde: Der Bundestag hat ein Bürokratieentlastungspaket beschlossen, das auch Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler erreicht. Die Genehmigungsfiktion wird auf die Erlaubnisse nach §§ 34d, 34f, 34h und 34i GewO ausgeweitet. Entscheidet die Behörde nicht binnen drei Monaten, gilt die Erlaubnis als erteilt. Insgesamt sollen die Bürokratiekosten der Wirtschaft um 25 Prozent sinken.

Geht es nur mir so, oder hat man jedes Vertrauen in die Politik verloren, etwas wirklich einmal einfacher und nicht komplizierter zu machen? Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Die Richtung stimmt jedenfalls. Ob das Tempo folgt, werden wir sehen.

Werkstattkosten: Die Spirale dreht sich

Das Landgericht Saarbrücken hat entschieden, dass ein Versicherer überhöhte Werkstattkosten zurückfordern darf, wenn der Betrieb sich blind auf ein Schadensgutachten verlässt, statt wirtschaftlich zu kalkulieren. Juristisch ein sauberer Befund. Mich treibt etwas anderes um.

Wer sein Auto in die Werkstatt gibt oder nur einen solchen Artikel liest, kann sich über die inflationäre Kostensteigerung nur noch wundern. Stundensätze jenseits der 200 Euro sind keine Ausnahme mehr. Und man fragt sich, wie die Menschen das auf Dauer stemmen sollen. Denn die Versicherungsbeiträge können sich angesichts solcher Reparaturkosten nur in eine Richtung entwickeln. Auch das gehört ins Beratungsgespräch.

Wissenslücken bei Versicherern: Eine Frage des Herzbluts

AssCompact hat aufgegriffen, was viele Makler beklagen: Die fachliche Kompetenz der Ansprechpartner beim Versicherer habe nachgelassen. Die Gründe sind vielschichtig, gestiegene Komplexität, der demografische Abgang erfahrener Köpfe, Standardisierung und Zentralisierung. Oft sitzt die Fachkompetenz heute in nachgelagerten Einheiten, der erste Ansprechpartner koordiniert nur noch.

Als ehemaliger Vorstand muss ich anmerken, wie hoch die Spezialisierung mancher Makler ausgeprägt ist und wie schwer es fällt, das eigene Personal auf dieses Wissens- und Erfahrungsniveau zu bringen. Man merkt, wenn jemand mit Herzblut bei der Sache ist, sei es im Vertrieb oder im Innendienst. Und ich bin überzeugt, der Kunde spürt das in der Beratung sehr schnell. KI macht Wissen breiter verfügbar, das stimmt. Aber Verfügbarkeit ersetzt keine Urteilskraft. Ein Galvanikbetrieb lässt sich nicht aus allgemeinen Daten beurteilen.

Gerade für die Wissensvermittlung sind starke Partner wie der BDVM unerlässlich. Auf dem Symposium in Köln hat der Verband wieder gezeigt, auf welch hohem Niveau er unterwegs ist, von der demografischen Lücke über die Konsolidierung bis zum nüchternen KI-Realitätscheck. Die schönste Erkenntnis dort stammt von Moritz Heilfort: KI löst kein Zeitproblem, sie ist ein Katalysator, der einen in Lichtgeschwindigkeit zum nächsten Engpass führt. Wer Prozesse nicht zuvor ordnet, implementiert KI in ein Chaos und erntet ein größeres. Dem ist wenig hinzuzufügen.

Abschied bei der IDEAL: Wenn das Leben dazwischenkommt

Zum Schluss eine Personalie, die aufhorchen lässt. Maximilian Beck legt sein Amt als Vorstandsvorsitzender der IDEAL zum 30. Juni nieder und verlässt das Unternehmen, im besten gegenseitigen Einvernehmen, auf eigene Initiative, um eine neue persönliche und berufliche Phase einzuleiten. Erst vor zwei Jahren hatte er planmäßig von Rainer M. Jacobus übernommen.

Hintergründe kann ich Ihnen keine liefern, auch wenn eine so kurzfristige Entscheidung naturgemäß spannende Fragen aufwirft. Lassen Sie es mich aus meinem eigenen Werdegang heraus so formulieren: Es gibt Entwicklungen im Leben, die von einschneidender Bedeutung sind und selbst ein Vorstandsmandat trotz seiner hohen Verantwortung in den Hintergrund drängen. Und Max hat trotz seines noch jungen Alters bereits ein erfolgreiches Berufsleben hinter sich. Er dürfte über die Freiheit verfügen, auch spontane Lebensentscheidungen ohne Zwänge zu treffen. Ich wünsche ihm für das, was als Nächstes kommt, von Herzen alles Gute.

Wenn ich diese Woche auf einen Nenner bringe, dann diesen: Die Pflichten reichen weit, die Kosten steigen, die Systeme ächzen, und manchmal stellt das Leben selbst die größten Weichen. Was bleibt, ist keine Katastrophe, sondern ein Auftrag. Wer zuhört, rechnet und einordnet, wird gebraucht. Heute mehr denn je.

In diesem Sinne: Allen einen guten Start ins Wochenende!

 

Oliver Brüß war über 25 Jahre in leitenden Funktionen in der Finanzdienstleistungsbranche aktiv. Als Vorstand hat er im Gothaer Konzern und in der Generali Gruppe über insgesamt 17 Jahre wesentliche strategische Ausrichtungen der Unternehmen begleitet und Vertrieb und Marketing verantwortet. Seit 2025 ist Brüß als Investor und Senior Advisor u.a. bei Hypoport InsurTech AG engagiert. Zudem ist er Geschäftsführer und Gesellschafter bei PolicenTransfer, dem digitalen Marktplatz für Versicherungsbestände.

 

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

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