KI in der Schadenbearbeitung, aber kein Ersatz für Menschen

Lars Fuchs
Domcura

Im Makler und Vermittler Podcast spricht Lars Fuchs als neuer Vorstandsvorsitzender der Domcura über den radikalen KI-Einsatz in der Schadenbearbeitung, die Zukunft des Assekuradeurmodells und warum der Gebäudemarkt trotz aller Herausforderungen Chancen bietet.

Von der Bank ins Versicherungsgeschäft

Nach über 30 Jahren in der Finanzdienstleistungsbranche hat es Lars Fuchs von der Rhion in Neuss nach Kiel verschlagen. Die Entscheidung für den Wechsel zur Domcura traf er gemeinsam mit seiner Familie, auch wenn dies bedeutet, unter der Woche getrennt von Düsseldorf zu sein. „Wer nicht wagt, der weiß nicht, wie es ist”, erklärt Fuchs.

Damals, als Riester-Rente bei Tchibo verkauft wurde

Im Gespräch erinnert sich Fuchs an eine Zeit, in der Innovation noch schneller ging. "2001 bis 2003 hat man mal viele Dinge probiert", berichtet er über Experimente wie den Verkauf von Riester-Renten bei Tchibo. Damals hatte die Regulatorik noch nicht das heutige Gewicht. Was er heute vermisst? "Dass man gute Ideenansätze einfach mal versucht hat und schneller mit einer Idee draußen war beim Kunden." Heute bremsen nicht nur regulatorische Hürden, sondern auch erfahrene Branchenvertreter, die zu oft sagen: "Das haben wir alles schon mal probiert."

Assekuradeure: Das unterschätzte Geschäftsmodell

Warum hat das Assekuradeurmodell in Deutschland nicht mehr Gewicht, obwohl es in Nachbarländern wie den Niederlanden deutlich stärker verbreitet ist? Fuchs sieht zwei Hauptgründe: "Historisch bedingt haben wir in Deutschland sehr starke Ausschließlichkeitsstrukturen, die andere Länder so nicht kennen." Zudem müsse ein Assekuradeur in der Lage sein, das Geschäft kostengünstiger anzubieten als der Risikoträger selbst, denn er kommt als zusätzlicher Partner hinzu.

Die Vorteile des Modells sind jedoch klar: "Du bist näher am Kundenbedarf und kannst zeitlich schneller Dinge zur Verfügung stellen." Das betrifft sowohl passgenaue Deckungskonzepte als auch technische Lösungen. Der Assekuradeur stellt sich an die Seite des Vermittlers und unterstützt ihn bei der Betreuung spezifischer Zielgruppen.

KI-Revolution bei Domcura: Aus der Not eine Tugend

Die Situation war damals dramatisch: Rückstände in der Schadenbearbeitung, massive Kunden- und Vermittlerbeschwerden, Vertriebskollegen konnten ihre Themen auf Messen nicht mehr platzieren. "Die Vermittler sagten verständlicherweise: Bekommt ihr erst mal eure Schadenbearbeitung in den Griff, dann können wir uns über was anderes unterhalten."

Die Lösung: KI-gestützte Schadenbearbeitung mit dem Namen "Kim". Sie ist mittlerweile in der Lage, Standardschäden bis 3.500 Euro komplett autark zu bearbeiten, von der Prüfung über die Einholung fehlender Unterlagen bis zur Auszahlung. "Für uns war es kurz vor Zwölf, die Prozesse im Betriebs- und Schadenbereich wurden grundlegend neu strukturiert.", beschreibt Fuchs die Ausgangslage.

Das Ergebnis: Zur DKM 2024 hatte Domcura die Rückstandssituation drastisch reduziert und einen marktüblichen Arbeitsvorrat erreicht. Die Treffergenauigkeit der KI sei "sehr, sehr hoch", und sollte doch mal ein Fehler passieren, wird nur zugunsten des Kunden nachreguliert.

Akzeptanz im Haus und beim Vermittler

Die anfängliche Skepsis war spürbar. "Die Kollegen aus dem Betrieb haben am Anfang gesagt: Nein, mit meinem Qualitätsanspruch lasse ich die KI da nicht ran." Doch der Erfolg überzeugte. Bei Vermittlern funktioniert das System ebenfalls: Wer sieht, dass Schäden schnell bearbeitet und abgeschlossen werden, erkennt den Mehrwert. "Es funktioniert gut, und letzten Endes geht es immer darum, Aufwände zu reduzieren."

Die Zukunft des Vermittlers im KI-Zeitalter

Wird die KI den Vermittler überflüssig machen? Fuchs verneint: "Menschen brauchen Menschen. Das Persönliche wird immer die ganz entscheidende Rolle spielen."

Der Vergleich mit einer Arztpraxis macht es deutlich: Nicht alles macht der Arzt selbst, aber in den entscheidenden Momenten ist er da. Genauso wird der Vermittler als Know-how-Träger unersetzbar bleiben, vorausgesetzt, er positioniert sich nicht als "menschliches Vergleichsportal", sondern über Kompetenz und Vertrauen.

Expansion ins Gewerbegeschäft

Domcura will sich im gewerblichen Bereich stärker positionieren. Der Assekuradeur plant den Ausbau in Haftpflicht, Inhalt, Ertragsausfall und gewerblichem Gebäude. "Mittelständische Unternehmen haben einen sehr hohen Beratungsbedarf", erklärt Fuchs die Strategie. Zudem diene dies dem Portfolio-Gleichgewicht, denn derzeit dominiert das Gebäudegeschäft mit 320 von 440 Millionen Euro Gesamtprämie.

Gebäudemarkt: Trotz Turbulenzen weiter mit Vollgas

Während viele Versicherer sich zurückziehen, bleibt Domcura selbstbewusst im Gebäudegeschäft. Die Basis: Langjährige Erfahrung und Kollegen, die das Geschäft "von der Pike auf" betreiben. "Wir sind sehr zuversichtlich und haben den Anspruch, dauerhaft dabei zu sein."

Die Prämienerhöhungen der letzten Jahre sieht Fuchs differenziert: Zwar seien sie teilweise schmerzlich, aber notwendig, um die Absicherung von Immobilien dauerhaft gewährleisten zu können. Domcura will konstant preisleistungsmäßig vorne mitspielen.

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