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dvb-aktuell vom 13.05.2016

Bolzplatz: Ein mal pro Woche darf man danebenschießen

Bolzplätze in Wohngebieten werden durch viele Bewohner als lästig empfunden und sorgen sogar für Rechtsstreitigkeiten. In Sachsen-Anhalt wurde ein Sportverein dazu verpflichtet im Jahresdurchschnitt nicht mehr als ein Fußball pro Woche über den Zaun auf das Nachbargrundstück zu befördern.

Diese Entscheidung hat nach Informationen der D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH (D.A.S. Leistungsservice) das Oberlandesgericht Naumburg getroffen (OLG Naumburg, Az. 12 U 184/14).

Die Streitigkeiten um Bolzplätze entstehen oft wegen Lärm, ab und zu aber auch wegen der Bälle, die über den Zaun fliegen und im Garten eines Nachbarn landen. Selbst bei toleranten Nachbarn können durch häufige Ballattacken auf den heimischen Garten irgendwann die Geduld ausschöpfen. In Sachsen-Anhalt ging ein Prozess in solchem Fall durch mehrere Gerichtsinstanzen.

Ein Sportverein betreibt einen Bolzplatz, der sich neben einem Privatgrundstück befindet. Immer wieder flogen nun Bälle über den Zaun. Den Hauseigentümer stören nicht nur die Bälle an sich, sondern auch die jugendliche Spieler, die auf der Suche nach dem Ball immer wieder auf sein Grundstück kommen und dabei nicht unbedingt höflich sind. Allein im Jahr 2014 hatte er nach eigenen Angaben 134 Bälle zurückgegeben – die von den Spielern selbst eingesammelten wurden dabei überhaupt nicht berücksichtigt. Der Verein räumt zwar „Ballüberflüge“ ein, sieht den Umfang jedoch nicht so dramatisch.

Nach Mitteilung des D.A.S. Leistungsservice kam das Oberlandesgericht Naumburg zu dem Schluss, dass die Häufigkeit der „Ballüberflüge“ eindeutig zu hoch ist. Ein Überflug von mehr als einem Ball pro Woche im Jahresdurchschnitt sei eine Beeinträchtigung seines Grundstücks, die der Kläger nicht dulden müsse. Als Ursache sieht das Gericht der allzu niedrige Ballfangzaun. Die Höhe von vier Metern sei nicht ausreichend und bei der vom Verein zugegebenen intensiven Nutzung des Platzes sei es sehr wahrscheinlich, dass die Angaben des Klägers stimmten. Der Verein soll nun den Ballfangzaun auf die übliche Höhe von sechs Metern erhöhen, zumal auf der anderen Seite des Platzes – zu einem Wald hin – ein sechs Meter hoher Zaun installiert sei. Für jeden Fall der schuldhaften Zuwiderhandlung drohte das Gericht ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro an. Es bleibt zu hoffen, dass diese Androhung die jugendlichen Spieler zu größerer Zielgenauigkeit motiviert – und vielleicht so bei einem oder anderem richtige Fußball-Karriere beginnt.

Quelle: D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH


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