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dvb-aktuell vom 08.12.2011

Dramatischer Streit um Riester-Rente

Zehn Jahre nach ihrer Einführung kommt die Riester-Rente in eine längst überfällige Rentabilitäts-Diskussion. Kritiker unterstellen ein schlechtes Geschäft für Verbraucher – trotz staatlicher Zulagen, und fordern die Abschaffung. Befürworter errechnen dagegen solide Renditen. Was stimmt tatsächlich?

Die Versicherer haben am Nikolaus-Tag die Riester-Rente gegen die Kritik von Wirtschaftsforschern und Verbraucherschützern verteidigt. Vor allem für Geringverdiener und Familien sei sie rentabel, belegte der Branchenverband GDV anhand von Beispielrechnungen. Die Botschaft: Für die Allermeisten rechnet sich die Riester-Rente so gut wie keine andere Vorsorge.

Der GDV rechnet vor: Eine Alleinerziehende (30) mit einem Kind und 18.000 Euro Jahreseinkommen hat durch die hohe staatliche Förderung von 63 Prozent schon im Alter von 71 Jahren ihre Einzahlung wieder verdient. In den Folgejahren erziele sie eine Rendite aus den Anlagezinsen und der Zulage. Bei einer branchenüblichen Verzinsung des Kapitals komme sie im Alter von 85 Jahren auf eine jährliche Rendite von 5,9 Prozent, mit 90 Jahren auf 6,3 Prozent.

Anders als durch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) suggeriert, müsse ein Riestersparer also nicht „steinalt" werden, damit sich die Vorsorge lohne. Das DIW hatte ein deutlich höheres Alter errechnet und gewarnt: Für viele Riestersparer sei die Rendite nicht höher, als wenn sie ihr Gespartes in den Sparstrumpf gesteckt hätten. Nur wer das Alter von 78 Jahren erreiche, habe am Ende so viel aus der Police ausgezahlt bekommen, wie er eingezahlt hat, untermauerte Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein die Kritik. „Der Renditeunterschied zwischen 2001 und 2011 erklärt sich zu einem größeren Teil aus der Annahme einer höheren Lebenserwartung als durch den gesunkenen Garantiezins“, sagte der Experte, der im Oktober Vorsitzender des Bundes der Versicherten (BdV) wurde.

Dem GDV, der eine „politisch motivierte Anti-Riester-Kampagne“ wittert, hält Kleinlein versicherungsmathematische Fakten entgegen. Mussten Riester-Sparer (35) für die Rest-Rente ab 85 bei Vertragsabschluss 2001 nur knapp 13 Prozent der angesparten Mittel einkalkulieren, so wuchs dieser Anteil bei Abschluss 2011 auf 33 Prozent. „Nach zehn Jahren sind die Produkte deutlich schlechter geworden“, moniert Kleinlein. Das habe nichts mit Ideologie zu tun, sondern zum Teil mit einem niedrigeren Garantiezins, vorwiegend aber mit neuen Sterbetafeln, geschlechtsneutraler Kalkulation (Unisex-Tarife) und nachteiligeren Regelungen zur Überschussbeteiligung.

Die Versicherer rechtfertigten, dass sie für die Lebenserwartung deutlich höhere Werte annehmen als das Statistische Bundesamt. Dazu griff der GDV auf ein Beispiel von 1986 zurück. Damals prognostizierte das Amt, dass 21,7 Prozent der 65 Jahre alten Männer noch 20 Jahre leben würden. Im Jahr 2006 dagegen stellte es aber fest, dass es tatsächlich 31,5 Prozent waren. Hätten sich die Versicherer an die ursprüngliche Prognosen der Statistiker gehalten, hätten sie viel zu geringe Beiträge berechnet, um eine lebenslange Rentenzahlung zu sichern.

BdV-Chef Kleinlein zeigt sich davon erbost. „Der GDV erfindet eine Prognose-Sterbetafel, um die überzogenen Lebenserwartungen zu begründen“. Zudem verbreite der Verband die Falschinformation für Vermittler, dass für die Kalkulation von Riester-Renten Sterbetafeln aufsichtsrechtlich vorgeschrieben seien. Dies sei jedoch falsch, da die Unternehmen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Tafeln auswählen dürfen oder auch neue Tafeln aus anderen ableiten können, so Kleinlein.

Als Konsequenz fordert die Zeitschrift Öko-Test gar die Abschaffung der Riester-Rente, zumal die Vertragskosten teilweise fast die gesamten Zulagen aufzehren. Damit die staatliche Förderung wirklich bei den Vorsorgesparern ankommt, wird ein Altersvorsorgekonto vorgeschlagen. Die Allianz Lebensversicherung sieht lediglich Reform-Bedarf. „Das aufwendige Zulagenverfahren muss optimiert werden“, fordert Vorstandschef Maximilian Zimmerer. Die Dynamisierung des seit 2001 unveränderten Förder-Höchstbeitrages von 2.100 Euro pro Jahr sollte ebenfalls kommen, da die Riester-Rente sonst nicht mit der Einkommensentwicklung Schritt hält. Auch die volle Einbeziehung der Selbstständigen in den förderberechtigten Personenkreis darf kein Tabuthema sein. „Die Riester-Rente wäre für viele Kleinunternehmer passender als die Basisrente", so Zimmerer. Klar scheint aber bislang nur dies: Zum 1. Januar 2013 ist vorgesehen, für Riester- und Basisrenten neue Produkt-Informationsblätter einzuführen.
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