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dvb-aktuell vom 23.03.2010

Ein krankenhausreifes System

Die Kosten für die Versorgung in einem USA-Krankenhaus sind auf einem Niveau angelangt, die den US-Bürger auf Shoppingtour für Krankenhäuser gehen lässt. Der durchschnittliche Preis für eine Blinddarm-Operation beträgt im JFK Medical Center in Atlantis rund 65.000 USD.

Eine Knieoperation kann im gleichen Krankenhaus bis zu knapp 70.000 USD kosten. Dieses berichtete die US-Zeitung Sun Sentinel in ihrer letzten Sonntagsausgabe, in der sie die Krankenhauskosten in den USA anprangerte. Billiger gibt es die gleiche Behandlung im West Boca Medical Center. Patienten dieses Krankenhauses können sich glücklich schätzen, für diese Behandlung nur eine Rechnung über 27.500 USD zu erhalten.

Eine im Florida Medical Center in Lauderdale Lakes behandelte Lungenentzündung kostet 41.200 USD. Erheblich billiger ist es dagegen in der Cleveland Klink in Weston. Hier beträgt der Rechnungsbetrag für die Erkrankung nur 15.325 USD.

Die Preise sind völlig aus dem Ruder geraten. Dieses musste auch Paul Schulze (Name von der Redaktion geändert) aus Deutschland erfahren, der während seines USA-Aufenthalts Probleme mit den Herzkranzgefäßen hatte, worauf ihm ein Stent eingesetzt wurde. In Deutschland werden für diese Behandlung rund 27.000 EUR verlangt (25.000 USD bei vergleichbarem Kurs zum Zeitpunkt der Behandlung). Vier Wochen, nachdem er das Krankenhaus verließ, das Krankenhaus wollte seinen Patienten wahrscheinlich bei früherer Rechnungsstellung nicht durch Herzinfarkt verlieren, bekam er eine Rechnung über 65.000 USD zugeschickt. Sicherlich spielte bei der Rechnungsstellung auch eine Rolle, dass er nach seiner Krankenhaus-Entlassung leichte Schmerzen in der Brust verspürte und wieder ins Krankenhaus ging, um den Arzt um Rat zu fragen. Dieser legte ihn kurzerhand wieder auf den OP-Tisch und schaute mittels Herzkatheter nach, ob denn alles in Ordnung sei - es war. Eine nicht besonders günstige Behandlung, um eine postoperative Magenverstimmung festzustellen.

Paul Schulze rief im Krankenhaus an, um seine Meinung kund zu tun. Ohne überhaupt die Krankenakte zu ziehen, wurde ihm angeboten, von der Rechnung pauschal 15 % abzuziehen.

Ähnlich erging es Michael Krämer (Name ebenfalls von der Redaktion geändert), der während seines Florida-Urlaubs wegen einer Gallenkolik für 3 Stunden ein Krankenhaus aufsuchte. Fast ein Jahr später erhielt er eine Rechnung über 9.000 USD.

Deutsche Versicherungsunternehmen bedienen sich oft ausländischer Dienstleister, um die dort durchgeführten Behandlungen zu regulieren. Dazu Pressesprecher Andreas Bernhardt von der Hallesche Krankenversicherung: „Im Rahmen unseres angebotenen Cost Containments kooperieren wir auch mit ausländischen Dienstleistern. Diese betreuen und beraten unter anderem die erkrankten Personen, prüfen Kostenvoranschläge und Rechnungen auf Angemessenheit und handeln Rabattmöglichkeiten aus. Nach Prüfung der Rechnungen erfolgt im Rahmen des Cost Controllings ein direkter Ausgleich der Rechnungen an die Krankenhäuser“.

Laut Sun Sentinel sind diese Preise mittlerweile in den USA alltägliche Realität. Es gibt kein Preissystem und Patienten werden unterschiedliche Kosten für die gleiche Behandlung in Rechnung gestellt. Manche Institutionen stellen mehr als doppelte Preise - oder noch mehr - in Rechnung. Grundsätzlich konstatierte die Sun Sentinel, dass privatwirtschaftlich geführte Krankenhäuser erheblich mehr in Rechnung stellen als öffentliche gemeinnützige Einrichtungen.

Bedingt durch die schachernden Versicherungsunternehmen und die Discount-Programme für die Nicht-Versicherten bezahlt aber kaum einer den vollen Preis. Es lohnt sich also, auf Krankenhaus-Shoppingtour zu gehen.

Unterm Strich landen laut Sun Sentinel bei den Krankenhäusern nur 20-30 % der in Rechnung gestellten Beträge.

Folglich erhöhen die Krankenhäuser jährlich ihre Preise, in der Hoffnung, steigende Einnahmen von den Versicherungsunternehmen als Ausgleich für die Ausfälle der Patienten zu erhalten, die nichts bezahlen oder für die Patienten, die über die staatlichen Programme Medicare and Medicaid behandelt werden.

Grundlage der Sun Sentinel Recherche ist eine Datenbank der US-Gesundheitsbehörde, die unter http://www.healthfinder.gov zu finden ist.

Für USA-Reisende sollte demnach eine Reise-Krankenversicherung obligatorisch sein, die für vergleichbar wenig Geld bei den deutschen Versicherungsunternehmen zu erhalten ist.

Friedel Rohde


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