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29.03.2012 - dvb-aktuell

Geldanlage für Fleißige

Wie man den optimalen Anlage-Mix ohne professionelle Beratung erreicht, verspricht das Buch „Geldanlage für Fleißige" der Stiftung Warentest. Ein Selbst-Test.

Tausende Finanzprodukte werden von Bankberatern und freien Dienstleistern angeboten. Der Ratgeber „Geldanlage für Fleißige" der Stiftung Warentest erklärt, worauf es bei einem guten Investment ankommt. Das Buch soll quasi einen menschlichen Berater ersetzen. Dieses Anliegen ist allerdings zum Scheitern verurteilt.

Das Buch ist laut Eigenwerbung „ein Wegbereiter für alle, die Lust haben, endlich mehr aus ihrem Geld zu machen, und dafür etwas Zeit aufwenden möchten“. Davon dürfte es nicht so viele geben. Für die meisten gibt es spannendere Beschäftigungen als die eigenen Finanzen. Daher hatte die Stiftung Warentest kürzlich bereits den Ratgeber „Geldanlage für Faule“ herausgebracht (siehe früherer Artikel).

Fleißige Anleger müssen aber nicht mehrmals am Tag ihr Anlageportfolio und die Börsenkurse checken, so die Stiftung. Sie müssten nur am Anfang mehr Zeit investieren, auch „wenn sie bisher eher wenig Ahnung von Geldanlage haben“. Der Leser wird zu einer langfristigen Anlagestrategie ermuntert und erfährt, welche Produkte in Frage kommen.

Das Prinzip: Zuerst werden die wichtigsten Anlagemöglichkeiten erklärt, dann die Kosten beleuchtet, schließlich eine Strategie passend zur Risikoneigung und Lebenssituation entworfen und am Ende Beispielfälle durchgespielt. Danach soll jeder selbst seine optimale Depot-Mischung aufbauen, „unabhängig von Bankberatern und Portfoliomanagern“.

Die einzelnen Strategie-Punkte sind gut erklärt. Dennoch muss der Anspruch scheitern, Geldanlage-Laien mit Hilfe eines Buches zu Profis in eigener Sache zu machen. Zu vielfältig sind die Fallstricke, in denen sich Anleger verheddern können. Und bei Fehlern, die zu Verlusten führen, sieht sich der politische Verbraucherschutz stets unschuldig ­– man haftet nicht für die Ratschläge. Da muss dann im Zweifel ein richtiger Berater Fehler ausbügeln.

Mitunter taugen die Ratschläge gerade für Laien auch nicht besonders gut. Beispiel Indexfonds (ETF): Die seien kostengünstiger und transparenter als aktiv gemanagte Investmentfonds. Das stimmt aber nur bedingt, denn bei jedem Kauf und Verkauf über die Börse gibt es den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Der Spread kann wenige Zehntel Prozent, aber auch deutlich mehr als 1,0 Prozent betragen. Für aktive Anleger wird es mit „normalen“ Fonds auf Dauer kostengünstiger, weil die Tauschgebühren in den Investmentdepots oder bei den Fondsplattformen niedriger sind als die Spreads der ETF. Eingesparte Ausgabeaufschläge sind also eher kein Argument für ETF.

ETF soll man „vor allem bei Direktbanken und Fondsplattformen“ erwerben, rät das Buch. Es koste häufig zwischen 1,5 und 2,5 Prozent der Anlagesumme. Der Anleger muss vorher genau wissen, was er will, also im Zweifel anderswo Rat einholen. Der Preisvorteil von 1,0 Punkten bei Verwaltungskosten ist nicht gleichbedeutend damit, dass der ETF-Anleger auch um 1,0 Prozent pro Jahr besser als mit einem aktiv gemanagten Fonds abschneidet. Professionelle Beratung vor dem Abschluss ist sinnvoll. Bei seiner Hausbank oder freien Fondsvermittlern wird dies jedoch nicht gelingen, weil ETF-Anbieter keinerlei Provisionen zahlen. Zudem geht der Warentest-Tipp bei Fondsplattformen meist ins Leere, weil klassische Fondsplattformen bislang nicht auf die Verwahrung von ETF ausgerichtet sind.

Fazit des Selbst-Tests zu ETF: Ohne professionelle Beratung würde ich keine ETF kaufen. Der Anspruch der Stiftung, den Berater ersetzen zu können, erweist sich als Irrweg. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Ohne Beratung sollte man von den meisten Geldanlagen die Finger lassen. Gute Beratung hat ihren Preis – egal ob das nun Provision oder Honorar ist.

Versicherungen als Geldanlage werden überhaupt nicht behandelt, aber die Höhe der Vergütung gleich zu Beginn des Buches genannt. „Geldanlage für Fleißige“ kostet 16,90 Euro, ist im Handel erhältlich oder kann online bestellt werden. 

Kommentare

Norman Argubi - am 29.03.2012

Es ist schon erstaunlich: Da werden den Beratern ständig die Provisionen vorgeworfen, ohne deren Gegenleistung im Einzelfall auch nur zu würdigen. Gleichzeitig tritt man als "Massenberater" mit solchen Ratgebern auf, um damit genauso Geld zu verdienen.

Aber anders als bei einem Profi erspart man sich die Produktprüfung und die Haftung des Beraters samt VSH-Police von mindestens einer Million Euro. Die meisten Verbaucherzentralen und die Stiftung Warentest haften jedenfalls nicht für Ihre "Empfehlungen". Stattdessen lassen sie sich ihre Beschimpfungen der Branche mit ihmmer neuen Steuergeldern bezahlen. Und stellen sich zum Teil außerhalb der geltenden Gesetze zum Vermittlerrecht.

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