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01.02.2012 - dvb-aktuell

Was die Transaktionssteuer für Vorsorge bedeutet

Frankreich führt zum 1. August im Alleingang eine Finanz-Transaktionssteuer ein. Was das bedeutet und welche Konsequenzen es hätte, wenn Deutschland folgt.

In Frankreich sollen Aktien und Derivate – insbesondere die Absicherungskontrakte Credit Default Swaps (CDS) – mit einem Steuersatz von 0,1 Prozent pro Kauf belegt werden. Die Steuer soll nur Aktien von Unternehmen mit Sitz in Frankreich treffen und nur von den Käufern, aber nicht von den Verkäufern bezahlt werden. Dies würde dann auch den in Paris an der Börse notierten Versicherer Axa betreffen. Frankreich erhofft sich damit bei seinen Einnahmen vollständigen Ersatz für die 2008 abgeschaffte Börsenumsatzsteuer.

Auch deutsche Politiker diskutieren über eine Finanz-Transaktionssteuer, wobei eine einheitliche europäische Lösung favorisiert wird. Einheimische Fondsgesellschaften und Versicherer haben vorsorglich bereits vor den hohen Kosten für ihre Kunden gewarnt, denn: Vor allem die private Altersvorsorge wäre stark betroffen.

Für den typischen Riestersparer könnten Kosten von 14.000 Euro entstehen, hatte die Fondsgesellschaft Union Investment bereits vor einer Woche am Beispiel fondsgebundener Riester-Sparpläne mit dem Aktienfonds Uni Global vorgerechnet. Die Modellrechnung bezog sich auf einen Anleger, der 40 Jahre lang jeweils 100 Euro pro Monat einzahlt und bei jedem Kauf von Aktien 0,1 Prozent und von Derivaten 0,01 Prozent erhoben würden. Voraussetzung: Die Anbieter reichen die Kosten der Transaktionssteuer an den Kunden durch. Angenommen wurde ferner, dass sich das Depot  mit 5 Prozent im Jahr nach Abzug der Kosten verzinst.

Die konkreten Kosten würden von der Anzahl der Umschichtungen im Depot abhängen, da die bei jedem Umschichten anfiele. Das würde den Markt für Altersvorsorge in Deutschland stark treffen, ist auch von DWS Investment zu hören. Die Versicherer haben offenbar noch keine konkreten Berechnungen vorgelegt, aber bereits vor zwei Monaten vor dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestages zusammen mit anderen Verbänden davor gewarnt, eine Steuer auf alle Finanz-Transaktionen einzuführen, weil dies die private Altersvorsorge unattraktiver machen würde.

GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth macht aber nicht so viel Druck wie die Fondsbranche. Kein Wunder: Die Lebensversicherer schichten ihre Portfolios seltener um und halten Papiere oft bis zur Endfälligkeit, weshalb ihre konventionellen Produkte seltener von der Steuer betroffen sein dürften. Zudem könnte  die Transaktionssteuer helfen, die Volatilität am Kapitalmarkt zu verringern. Gleichwohl fordert der GDV, dass Altersvorsorgeprodukte von der Finanz-Transaktionssteuer ausgenommen werden.

Die Fondsbranche unterstützt diese Forderung. Würde die Steuer auch auf der Ebene des Kundendepots erhoben, könne die Branche renditestarke Riester-Produkte mit hohem Aktienanteil und häufigem Umschichtungsbedarf nicht mehr anbieten, erklärt DWS. Das Nachsehen hätten Kleinsparer, also diejenigen, die privaten Zusatzvorsorge fürs Alter am nötigsten haben. Entschieden ist hierzulande in Sachen Zusatzsteuer aber noch nichts. 

Kommentare

Gerhard Jüttner - am 01.02.2012

Union Invest möchte uns wohl alle an der Nase herumführen: 14.000 Euro Steuerbelastung bei einem Steuersatz von 0,1% entspricht einem Aktien-Umsatz von 14 Mio. Euro - und das bei einer Sparleistung von insgesamt 48.000 Euro. Das würde bedeuten, dass in 40 Jahren das Kapital über 291 mal umgesetzt würde! Sollte das wirklich bisher so sein, dann wäre es wirklich allerhöchste Zeit, die Finanztransaktionssteuer eingeführt wird.

Gesetzt den Fall, die 48.000 Euro werden in der Laufzeit 4 mal umgesetzt, ergeben sich ca. 20 Euro Steuerbelastung in 40 Jahren oder ca. 0,5 Euro pro Jahr - wahrlich kein Schreckgespenst für den normalen Riester-Sparer. Letztendlich wird die Kunst der Branche darin bestehen, auch unter den Bedingungen einer solchen Steuer möglichst gute und vor allem nachhaltige Resultate zu erzielen. Und für die Nachhaltigkeit ist die Steuer eher eine Unterstützung denn eine Last.

Andreas Wöhrle - am 03.02.2012

Die in genannte Kostensumme von 14.000 € würde nie erreicht werden, da es wohl keinen Vertrag dieser Art gibt, der eine Rendite nach Kosten von 5 % erreicht. Die von den Anbietern immer wieder genannten Renditen sind bei heutigen Kostenstrukturen in Fondsangeboten utopisch und nie realisierbar. Außerdem werden wegen der Beitragsgarantie auch nicht die kompletten Sparbeiträge im Aktienmarkt investiert, was die möglichen Renditen noch weiter reduziert.

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