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nach 28 Jahren immer noch naiv - Gebäudeversicherung

29.10.2016 12:01:00

obwohl es heute nicht mehr Freitag ist ...

Werte Kolleginnen,

möchte Ihnen von der Begegnung mit einem namhaften Pool berichten.

Ein Kunde kernsaniert sein Gebäude von 1954 und ich ging davon aus, dass er danach
eine günstigere Prämie erzielen wird, weil in den nächsten 10-20 Jahren kein Schaden eintreten wird.

So lautete meine Argumentation gegenüber dem Pool:
"Verstehe den Zuschlag wg des Alters des Gebäudes nicht!
Wo bleibt denn da der Anreiz für Kernsanierungen?
Wo gibt es denn da das Risiko des VR (?), wenn nur die Steine drumherum das Alter haben,
aber eben nicht die Elektrik, sämtliche LW-Rohre oder das Dach.
Das sind doch die Gefahrenquellen eines Gebäudes und nicht der gemauerte Ziegelstein!"

Die Antwort - sinngemäß:
Unser Ziel ist es nicht Rabatte für Kernsanierungen anzubieten, sondern Vers-Schutz zu verkaufen.

Obwohl die Branche unter den vielen Schäden leidet - so habe ich dies zumindest vermutet in meiner Naivität - ist es den Versicherern scheiß egal.
Entweder der Kunde zahlt die Preissteigerungen von 10% und mehr jährlich oder er lässt es. Der Pool genießt den hohen Umsatz und bietet einen SB von 500 € an - mehr nicht.

Nun ja, mann lernt auch noch nach 28 Jahren hinzu.

Glück auf

[Name ausgeblendet]

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30.10.2016 12:06:00

Lieber Pe,

Obwohl heute Sonntag ist,

der angesprochene Pool hat die Philosophie, das Bedingungswerk muss möglichst gut sein, der Preis möglichst akzeptabel, es werden keine Ausnahmen gemacht, es gibt keine Abweichungen. Man will eigentlich nur die Tophäuser haben und keine zusätzliche Arbeit. Das Produkt dieses Pools es sicherlich gut.

Wer alle seine Gebäude über diesen Pool einreicht, die in das Konzept dieses Pools passen, der hat das Problem, auch einmal ein schwierigeres Risiko einzudecken. Dann muss man nämlich zu einem anderen Anbieter gehen, und der es sicherlich nicht davon begeistert, dass er nur die schlechten Risiken bekommt. Dieses Problem hat man in anderen Sparten auch. Die Lösung: kenne ich im Moment nicht.

Andere Pools machen es übrigens zum Beispiel so: es gibt einen Kernsanierungsfragebogen. Wenn alles kernsaniert ist im Jahr 2016, dann wird das Gebäude wie ein Neubau behandelt, so wie du das gerne möchtest.

Herzliche Grüße

[Name ausgeblendet]

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30.10.2016 21:14:00

Lieber Hans,

vielleicht sprechen wir vom selben Pool.
Warum hat der Sachbearbeiter nicht so argumentiert?
Klar, bietet ein Pool keine prinzipiellen individuellen Ausnahmen, aber er kann auf die 15% Zuschlag verzichten.

Die Art und Weise seiner Argumentation machte mich stutzig.

1996 saß ich als PKV-Vorstand in unserer e.G. und durfte mit namhaften Vorständen großer KV-Gesellschaften über Beitragsstabilität diskutieren.
Ich machte den Vorschlag, bei Versendung der Police eine GOÄ und GOZ beizulegen und die VN darüber aufzuklären, wie sie Rechnungen verstehen, kontrollieren können. Er schaute mich irritiert an und sagte mir an der Bar: "Wir haben überhaupt keine Interesse. Der Kunde muss zahlen. Basta."

Genau dieser Geist wurde mir auch von dem Pool herüber geschoben. Der Kunde muss zahlen. Basta.
glück auf
pe

[Name ausgeblendet]

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31.10.2016 17:39:01

Hallo Kollegen,

es ist schon manchmal kurios, nach welchen Kriterien tarifiert wird. Leider
gibt es etliche Versicherer, die auch bei Kernsanierung vom Ursprungsbaujahr
ausgehen. Letztendlich ist aber Preis entscheidend, wie auch immer der
zustande kommt. Vorausgesetzt, die Inhalte stimmen.

Viel schlimmer ist aber, dass es sehr vielen Versicherern tatsächlich egal
ist, wie die Schadensituation aussieht. Es wird halt per Treuhänderklausel
an den Bedarf angepasst. Das ist für sie viel einfacher und vor allem
personalsparend zu handhaben. Da können auch gern mal ein paar Kunden
abspringen. Dies ist billiger als individuell zu kalkulieren und
risikogerecht zu tarifieren. Vernünftiges Schadenmanagement findet nicht
statt.

Ich habe mal einem Vorstand vorgerechnet, dass man die Schadensumme 30%
senken könnte, wenn man nur ganz wenige Selbstverständlichkeiten beachtet.
Die Antwort war: Sie haben ja recht, aber wir haben nicht die Mitarbeiter
dafür!

Solange das so bleibt und nicht endlich mal ein Versicherer ein wirklich
innovatives Tarifwerk auf den Markt bringt, wird sich nichts ändern. Für
Versicherer ist die Preisschraube immer die einfachste Lösung – bis
irgendein Multikonzern es anpackt. Wie [Name ausgeblendet]t es so schön? Wenn die Allianz
hustet, bekommen alle anderen eine Erkältung. Ich warte sehnsüchtig auf eine
Influenza.

Mit Gruß

[Name ausgeblendet]

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31.10.2016 19:13:05

Liebe (Ex-) Kollegen,

die Kommentare bestätigen mich nachträglich in meiner Entscheidung 2006,
meinen Maklerbetrieb zu verkaufen.

Neben Überlastung und gesundheitlichen Gründen befürchtete ich damals,
dass es in unserer ( wichtigen & interessanten ! ) Branche immer
schlimmer kommen würde - und das ist ja in den letzten 10 Jahren wohl
auch so eingetreten...

Anstand & Vernunft sind Begriffe, die ich Anfang der 1990`er Jahre noch
gelegentlich hörte, aber heute würde ich mich bei deren Gebrauch
lächerlich machen ?!

Daß Banken schon lange nicht mehr in Lage / bereit sind, Risiken zu
bewerten, sondern lieber mit "Paketen" handeln, in die sie mangels
qualifizierten Personals / wg. der Kosten dafür nicht einmal
hineingeschaut haben, ist ja weltweit & leidvoll bekannt.

Es erschrickt mich aber tatsächlich noch etwas, dass auch Versicherer
die fundierte Risikobewertung scheuen !

Aber wir leben ja auch in einer Welt, in der 4 Menschen im Kassenbereich
einer Bank über einen 82-Jährigen hinwegsteigen, der mit
Herzproblemen am Boden liegt, ohne zu helfen. Er ist dann gestorben.

Ich bin immer noch nicht in der Lage, diese Dinge emotionslos zur
Kenntnis zu nehmen und im Tagesgeschäft weiterzumachen.

Sollte ich mich dem "Trend der Zeit " anpassen ?!

mit traurigen Grüßen

[Name ausgeblendet]

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02.11.2016 09:46:43

Sehr geehrter Herr [Name ausgeblendet],

eine Kernsanierung ist doch immer etwas Positives für den Gebäudeeigner.
Das Objekt erfährt eine Wertsteigerung und das schlägt sich auch auf Mieten
durch.
Keinesfalls bedeutet es allerdings, dass ein Objekt danach "garantiert" 10
bis 20 Jahre schadensfrei ist.

Wie Versicherer und Deckungskonzept tarifieren ist deren Sache - und das ist
in einer freien Marktwirtschaft gut so.
Gut, weil bezogen auf ihr Beispiel die einen kernsanieren und die anderen
nicht, und so ist für jede Situation etwas dabei.
So können wir alle für die Vielzahl unserer Kunden, deren Risikosituationen
und deren individuellen Ansprüche eine Lösung finden!

Mein Tipp an Sie:
Vergleichsrechner starten und dorthin umdecken, wo Anforderungen, Prämien
und Erwartungshorizont stimmen.
Dafür sind wir doch Makler, oder sehe ich das falsch?

Zu Ihrer Frage "naiv".
Die GDV-normierten Verträge sind im Zuge der "Europäisierung" seit über 20
Jahren durch und seither nimmt die Vielfalt der Vertragsgestaltungen
kontinuierlich zu.
Das sollten Sie als Profi verinnerlicht haben und auch die jeweiligen
Vertragsbedingungen der von Ihnen vermittelten Verträge kennen.
Als naiv würde ich denjenigen bezeichnen, der ohne Kenntnis des Umfeldes und
der konkreten Situation eine "blinde" Erwartungshaltung aufbaut und die nach
dem Motto "der Wunsch ist der Vater des Gedankens" gegenüber seinem Kunden
als existent darstellt.

Mit den besten Grüßen

[Name ausgeblendet]

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