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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 01.12.2008
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Aufwärtstrends im Krankenstand - psychische Krankheiten nehmen weiter zu – Verdopplung der Psychopharmaka-Verordnungen

Nachdem in den letzten Jahren die Krankenstände in deutschen Unternehmen historische Tiefststände erreicht haben, steigen seit 2007 die Fehlzeiten wieder leicht an. Auch in diesem Jahr setzt sich der Aufwärtstrend fort. Von Januar bis Oktober lag der Krankenstand bei 3,8 Prozent, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 3,7 Prozent. Die gravierendsten Steigerungsraten bei den Fehlzeiten weisen nach wie vor psychische Erkrankungen auf.

Im gesamten Jahr 2007 fehlten die Arbeitnehmer krankheitsbedingt an 12,8 Tagen, während 2006 mit 12,4 Tagen die geringsten Krankentage seit 30 Jahren gemeldet wurden. Über das gesamte Jahr 2007 betrug der Krankenstand 3,5 Prozent und lag damit leicht über dem Vorjahreswert (0,1 Prozent). Bereits 2006 zeigt sich ein Abflachen des langjährigen Rückgangs (2006: 12,4 Tage; 2005: 12,6 Tage; 2004: 13 Tage).

Der BKK Bundesverband erfasst und analysiert die gesundheitlichen Befunde von jedem vierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland; im Jahr 2007 waren dies 6,5 von 26,8 Millionen. Diese Analyse bildet damit ein repräsentatives Bild des Krankheitsgeschehens in der Arbeitswelt.

Psychische Erkrankungen: Fast jede zehnte Krankschreibung
Die seit Jahren kontinuierliche Zunahme der psychischen Störungen setzt sich 2007 fort: Sie verursachen 9,3 Prozent aller Krankheitstage der Beschäftigten. Bezieht man die Daten der Arbeitslosen ein, sind es sogar über 10 Prozent. Das ist der bislang höchste Anteil in der über 30-jährigen BKK-Krankheitsberichterstattung. 1976 lag der Anteil der psychischen Krankheiten bei nur zwei Prozent aller Ausfalltage, während inzwischen ein Zehntel des Krankenstandes darauf zurückgeht.

Bei Frauen ist mittlerweile sogar jeder achte Krankentag auf psychische Leiden zurückzuführen. Außerdem sind diese Krankheiten oft sehr langwierig: Dauert ein durchschnittlicher Erkrankungsfall bei den Beschäftigten 12 Kalendertage, liegen die Fallzeiten bei psychischen Erkrankungen bei 31 Tagen. Nur bösartige Tumorerkrankungen weisen noch längere Fehlzeiten (35,5 Tage je Fall) auf.

Frauen: Überwiegend Depressionen, Männer: Suchterkrankungen
Zur Gruppe psychischer Erkrankungen gehören höchst unterschiedliche Krankheitsbilder. Am häufigsten treten neurotische Störungen (wie Angststörungen oder Reaktionen auf schwere Belastungen) auf, gefolgt von affektiven Störungen (meist Depressionen) und Suchterkrankungen.

Bei Frauen sind Depressionen doppelt so häufig auf wie bei Männern. Allerdings weisen die Männer eine dreifach höhere Quote an Suchterkrankungen auf, meist in Verbindung mit Alkohol. Männer werden wegen Alkohol- und anderen Suchtkrankheiten zweieinhalbmal so häufig stationär behandelt, wie Frauen.

Arbeitslose, Telefonistinnen, Krankenpflegerinnen häufig psychisch krank
Arbeitslose weisen die steilsten Steigerungsraten bei psychischen Krankheiten auf: Sie haben im Vergleich zu den Beschäftigten fast viermal so lange Krankheitszeiten durch seelische Leiden; allein in den letzten drei Jahren verdoppelten sich ihre psychisch verursachten Krankheitstage. Bei Beschäftigten sind Telefonistinnen, Krankenpflegerinnen und Sozialarbeiterinnen, bei den Männern Schienenfahrzeugführer und Fahrbetriebsregler wie auch Krankenpfleger besonders betroffen.

Doppelt so viele Psychopharmaka - Verschreibungen
Nicht im gesamten Verlauf ihrer Erkrankung (z.B. bei Depressionen) sind die Betroffenen krankgeschrieben. Auch in den ärztlichen Verordnungen spiegelt sich wider, dass es bei psychischen Leiden eine starke Dynamik gibt: Allein in den letzten drei Jahren haben sich die Verordnungen von Psychopharmaka für Beschäftigten wie Arbeitslose etwa verdoppelt.

Rund neun Prozent der Frauen wurden Psychopharmaka verschrieben – zum größten Teil (70 Prozent) Antidepressiva - doppelt so häufig wie Männern. Allerdings lässt sich bei den Verordnungen nicht immer auf die Art der psychischen Erkrankung schließen. So werden beispielsweise Antidepressiva auch bei Angststörungen, allgemeinen psychosomatischen Beschwerden sowie in der Schmerztherapie eingesetzt.

Arbeitslosen wurden besonders viele Antidepressiva verordnet: 14 Prozent der erwerbslosen Frauen und 9 Prozent der Männer bekamen einoder mehrmals ein Antidepressivum. Die Verordnungsmenge für die Gruppe der Arbeitslosen hat sich in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt. Neben den Antidepressiva gehören Angst lösende sowie beruhigende Mittel (auch für die Behandlung von Schlafstörungen), und Antipsychotika zur Gruppe der Psychopharmaka.

Service für Journalisten
Detailliertes Datenmaterial gibt es im neuen BKK Gesundheitsreport 2008 „Seelische Krankheiten prägen das Krankheitsgeschehen“. Dies ist bereits der 32. Band des seit 1976 veröffentlichten Reports.

Es gibt ihn zum kostenfreien Herunterladen unter www.bkk.de. Wer den Band zugesandt haben möchte: Per Mausklick einfach bestellen unter: gesundheitsstatistik@bkk-bv.de  



Frau Christine Richter
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 030/22312-0
Fax: 030/ 223 12 129
E-Mail: presse@bkk-bv.de

BKK Bundesverband
Kronprinzenstraße 6
45128 Essen
www.bkk.de

Krankenstand:
Prozentualer Anteil der Krankgeschriebenen je Kalendertag, 12,8 Tage: 365 = 3,5 Prozent für 2007
Krankheitsfall/Falldauer:
Krankschreibung wegen einer Krankheit; bis zu 78 Wochen Krankengeldzahlung. 2007 dauerte ein Krankheitsfall durchschnittlich 12,1 Tage.

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