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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 04.08.2015
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Burnout in der Finanz- und Versicherungsbranche - ein beunruhigender Trend

Nach einer Studie der deutschen-versicherungsboerse.de sind 50 % der Angestellten aus der Branche gefährdet an Burnout zu erkranken. Dr. Dirk Schröder, Chefarzt der Dr. Becker Brunnen-Klinik, hat sich auf die Behandlung der Klientel spezialisiert. Eine Fallgeschichte mit anschließendem Interview.

Gier frisst Seele. Burnout in der Finanzbranche - eine Fallgeschichte

Es ist an einem Montagmorgen im September 2014, als bei Matthias P. nichts mehr geht. Wie schon in den Wochen zuvor wacht der 38-Jährige schweißgebadet um 4:00 Uhr morgens auf. Albträume haben ihn gequält; der Tag in der Bank, der vor ihm liegt, scheint ihm unbezwingbar, so erschöpft wie er sich fühlt.

Matthias P. wendet sich an seinen Hausarzt. Dieser erkennt die Schlafstörungen, die Erschöpfung und Antriebslosigkeit als psychische Probleme in Folge von Überarbeitung und empfiehlt eine ambulante Psychotherapie. Der Arzt weiß, dass es bis zu einem dreiviertel Jahr dauern kann, bis Matthias P. einen Therapieplatz bekommt und verordnet zusätzlich Schlafmittel sowie ein stimmungsaufhellendes Medikament.

Matthias P. gelingt es damit zunächst, für einige Wochen seinen Schlafrhythmus zu stabilisieren. Auch die Stimmung und der Antrieb verbessern sich leicht. Als jedoch nach ca. 8 Wochen der sogenannte Gewöhnungseffekt eintritt und die Wirkung der Medikamente nachlässt, geht es dem Bankangestellten schlechter als zuvor.

Es hatte doch alles so gut angefangen

Dabei hatte doch eigentlich alles so gut angefangen: Nach dem Abitur stand fest, dass er, wie sein Vater, eine Banklehre machen würde. Zwar hatte er keinen besonderen Bezug zu Zahlen, aber ihn lockten die 14 Monatsgehälter, die in keiner anderen Branche gezahlt wurden. Auch das soziale Ansehen, dass sein Vater in ihrer Kleinstadt genoss, beeindruckte ihn.

Die ersten Jahre in der Bank laufen gut für Matthias P. Er genießt es, sich seine Zeit frei einteilen zu können und erbringt gute Leistungen. Wegen seines Engagements übernimmt er zunehmend Leitungsfunktionen. Doch als im Sommer 2007 die Finanzkrise beginnt, ändern sich die Arbeitsbedingungen für Matthias P.

Zwar ist seine Filiale nicht von der Schließungswelle betroffen, die jetzt über seine Branche schwappt. Aber seine Arbeit wird schwieriger und unangenehmer. Seine Vorgesetzten wechseln häufig und jedes Mal sind damit neue konzeptionelle Vorgaben verbunden. Das Arbeitspensum nimmt deutlich zu. Mit dem Ziel die Kommunikation „transparenter“ zu machen, werden jetzt immer häufiger Besprechungen angesetzt. Tatsächlich jedoch rauben diese Matthias P. nur die Zeit, die er zur Erledigung seiner Arbeiten benötigt. Der Informationsfluss in der Bank, der am Anfang seiner Tätigkeit tatsächlich recht transparent war, wird immer undurchsichtiger. Wichtiges erfährt P. zum Schluss nur noch durch den "Flurfunk".

Jetzt erst recht

Matthias P. will sich nicht entmutigen lassen. Eine "Jetzt erst recht"-Mentalität steigt in ihm auf. Im Nachhinein wird er sagen, er habe sich an dieser Stelle wohl selbst überschätzt. Denn jetzt wird die Arbeit zum einzigen Lebensinhalt, die ihn all seine Energie kostet. Er arbeitet für zwei, frei nach dem Motto „Je mehr ich mich anstrenge, umso erfolgreicher bin ich". Er überschreitet seine körperlichen und mentalen Grenzen, gibt seine Hobbys auf und vernachlässigt Frau und Kinder, was zu häufigen familiären Streitigkeiten führt.

Doch er zieht keine Befriedigung mehr aus der Arbeit. In der Bank werden seine eigenen innovativen Ideen nicht gewürdigt und zugunsten immer neuer Konzeptideen der Filialleitung beiseite geschoben. Matthias P. beginnt, vermehrt zu essen und Alkohol zu trinken. Die Familie meldet ihm zurück, dass er sich in sehr ungünstiger Weise verändere. Bei P. entstehen Ängste, die zu Albträumen und häufigem Früherwachen schon um 4:00 Uhr morgens führen. Er leidet unter vermehrter innerer Spannung, Reizbarkeit und Erschöpfung.

P. vollzieht eine "innere Kündigung". Er reduziert die Arbeit auf das Allernotwendigste und ignoriert Änderungen im Arbeitsablauf, auch wenn sie seitens der Vorgesetzten vorgeschrieben werden. Vorgegebene Ziele, die er in der Vergangenheit ohnehin für nicht sinnvoll hielt, unterläuft er. Als es im September 2014 an einem Sonntagabend zu einem handfesten Streit zwischen ihm und seiner Frau kommt, bricht Matthias P. zusammen. „Glücklicherweise war mir zu diesem Zeitpunkt nun endlich klar, dass ich etwas ändern muss und es so nicht weitergehen kann."

Es muss sich was ändern

Es ist der Hausarzt, der ihm schließlich vorschlägt, eine psychosomatische Rehabilitation zu machen. Die verordneten Schlafmittel und Stimmungsaufheller wirken nicht mehr, und es geht P. schlecht. Eine intensive stationäre Therapiemaßnahme, die ihm die Möglichkeit gibt, Abstand zu gewinnen, scheint allen ein plausibler nächster Schritt. Der Hausarzt unterstützt Matthias P. bei der Antragstellung und begründet den Antrag medizinisch.
Der Kostenträger, die Deutsche Rentenversicherung, gibt dem Antrag innerhalb von 34 Tagen statt. Matthias P. kommt in die Dr. Becker Brunnen-Klinik. Die psychosomatische Rehaklinik in Horn-Bad Meinberg hat sich auf die Behandlung von Mitarbeitern aus der Banken- und Versicherungsbranche spezialisiert.

Hier durchläuft Matthias P. ein speziell auf seine Bedürfnisse ausgerichtetes Therapieprogramm. Dreimal pro Woche bespricht er in speziellen gruppentherapeutischen Sitzungen mit anderen Bank- und Versicherungsangestellten die besonderen beruflichen Problemstellungen seiner Branche. Seine persönlichen Fragen bearbeitet er wöchentlich im Einzelgespräch mit einem approbierten psychologischen Psychotherapeuten. Insbesondere seine Eheprobleme kann P. hier thematisieren. Hinzu kommen verschiedene körperzentrierte Psychotherapieverfahren, Entspannungsverfahren wie z. B. Autogenes Training und andere indikative Therapien. In Rollenspielen übt P. „Nein“ zu sagen und sich besser abzugrenzen.

Das Leben wieder gestalten

Als Frau und Kinder Matthias P. nach sechs Wochen aus der Brunnen-Klinik abholen, bemerken sie die Veränderung sofort. P. ist ruhiger und ausgeglichener. Mit den Therapeuten und dem Sozialdienst der Rehaeinrichtung hat er für sich eine berufliche Perspektive entwickelt. P. sieht sich in der Lage, weiter in der Bank zu arbeiten, ohne seine Gesundheit noch einmal zu gefährden. Er will seine Klinikerfahrung umsetzen und sich zukünftig von den übermäßigen Leistungsanforderungen auf der Arbeit distanzieren. Da er in der Klinik gelernt hat, auf Frühwarnzeichen wie Schlafstörung, Konzentrationsschwäche und zunehmende Gereiztheit hinzuhören, achtet Matthias P. jetzt stärker auf seine körperliche und mentale Verfassung. Sollte er die Anzeichen für Überforderung selbst oder durch Rückmeldung seiner Familie bemerken, wird er das Arbeitspensum reduzieren oder Urlaub nehmen. Um nicht in alte Muster zurückzufallen, wird er in den ersten Monaten wohnortnah eine ambulante Psychotherapie in Anspruch nehmen.

In der Dr. Becker Brunnen-Klinik hat Matthias P. die Zuversicht entwickelt, die er für seinen Lebensweg braucht: „Mir ist klar geworden, dass ich mein Leben selbst gestalten kann. Ich bin nicht der Spielball meiner Umstände“. Vor allem die Paargespräche mit seiner Frau haben ihm dabei geholfen, seine Präferenzen neu zu ordnen. „Das Leben ist mehr als nur Arbeit. Die richtige Work-Life-Balance ist ein großer Schritt in Richtung Lebenszufriedenheit“, davon ist Matthias P. überzeugt.

 

Interview mit Dr. Schröder, Chefarzt Dr. Becker Brunnen-Klinik

Herr Dr. Schröder, wenn man sich die Fallgeschichte Matthias P. ansieht, ist sie typisch für Mitarbeiter aus der Banken- und Versicherungsbranche?

Ja, das kann man so sagen. Wir behandeln im Jahr rund 120 Patienten aus der Finanzbranche. Die häufigste Diagnose, die sich bei diesem Patientenklientel findet, ist Burnout. Matthias P. hat die typischen Stadien dieser Erkrankung durchlaufen. Nach dem Motto „Nur wer einmal gebrannt hat, kann auch ausbrennen“, ist die erste Phase durch Enthusiasmus gekennzeichnet. Obwohl das Arbeitspensum und der Leistungsdruck Matthias P. psychisch und körperlich überfordern, ist er überzeugt, die Aufgaben durch einen noch höheren Energieeinsatz und eine Überidentifikation mit der Arbeit erledigen zu können. In der zweiten Phase, der Stagnation, muss er noch mehr Energie aufwenden, um die Ziele zu erreichen. Gleichzeitig zweifelt er daran, ob das überhaupt machbar ist. Als Reaktion stellen sich Ängste, Spannung, Reizbarkeit und Erschöpfung ein, die Kraft für Hobbies und Familie schwindet. In der dritten Phase, der Frustration, reagiert Mathias P., wie es recht typisch ist, mit krankhaftem Konsumverhalten wie übermäßigem Essen und Alkoholgenuss. In der vierten Phase findet bei ihm eine innere Kündigung statt und er überlegt, wie er seine Aufgaben unterlaufen kann, anstatt sie zu erledigen. Kurz danach erfolgt bei den meisten ein Zusammenbruch, begleitet entweder von starken psychosomatischen Symptomen wie Tinnitus oder Hörsturz. Manche Patienten kommen einfach nicht mehr aus dem Bett, andere können nicht mehr aufhören zu weinen.

Sind Mitarbeiter aus der Banken- und Versicherungsbranche gefährdeter als andere an Burnout zu erkranken?

Es gibt aus meiner Sicht einige strukturelle Faktoren, die dazu führen, dass gerade in diesen Sektoren viele Mitarbeiter krank werden. Das belegen auch Studien, zum Beispiel von der deutschen-versicherungsboerse.de. Demnach sind 50% der Angestellten an Burnout erkrankt oder akut gefährdet. Als Ursachen werden die gefühlte Arbeitslast, fehlende Wertschätzung und Ohnmachtsgefühle angegeben. Ich glaube außerdem, dass der Imageverlust der Finanzbranche, wie er zum Beispiel durch die Bankenkrise 2007 hervorgerufen wurde, den Mitarbeitern zu schaffen macht und am Selbstwertgefühl nagt. Bei uns in der Klinik höre ich immer wieder haarsträubende Geschichten von Patienten, die ihren Kunden ‚Mogelpackungen’, also Produkte, die für sie unsinnig waren, verkaufen mussten, nur damit sie ihre Zielvorgaben erreichen. Solche ethischen Konflikte können auf die Dauer natürlich auch krank machen.

Warum werden dann nicht alle krank, die in der Finanzbranche arbeiten?

Burnout ist eine Form der Depression und wird durch äußere und innere Faktoren bedingt. Das heißt, ich muss eine bestimmte Disposition mitbringen, um an einem Burnout zu erkranken. Menschen, die schlecht Nein sagen können, ein schwaches Selbstwertgefühl haben und überkritisch sind, laufen eher Gefahr zu erkranken als andere. Auch der Lebenswandel spielt eine Rolle. Stabile soziale Beziehungen, Hobbies und eine ausgewogene Ernährung tragen dazu bei, dass ich gesund bleibe und nicht „ausbrenne“.

Dr. Schröder, Sie bieten in Ihrer Klinik ein spezielles Programm für Patienten aus der Banken- und Versicherungsbranche? Was ist das genau?

Wir erkennen seit Jahren eindeutig steigende Fallzahlen und einen erhöhten Bedarf an Burnout-Therapie für diese Klientel. Darauf haben wir mit einem speziellen Therapieprogramm reagiert. Wir arbeiten mit den Patienten in homogenen Gruppen, in denen sie auf Mitpatienten aus ihrer eigenen Branche treffen. Das hat den Vorteil, dass der Austausch über Probleme und mögliche Lösungsstrategien sehr viel effektiver ist als in anderen Einrichtungen. Ein wesentlicher Aspekt unseres Therapiekonzepts ist es, in Einzel- und Gruppengesprächen eine realistische eigene Einschätzung der Leistungsgrenzen durchzuführen. Das ist nötig, weil diese im Rahmen eines Burnouts, meistens über eine lange Zeit hinweg, weit überschritten wurden. Mit Hilfe ergänzender Therapieverfahren, insbesondere aus dem Bereich der körperzentrierte Verfahren, lernen die Patienten, psychosomatische Symptome zu erkennen. Die Hinweise des Körpers auf eine psychische Überlastung werden oft ignoriert oder aber, wie im vorangegangenen Fallbeispiel, durch Ersatzmechanismen wie Essen oder Alkoholtrinken kompensiert. Bei uns lernen die Patienten, die Signale ernst zu nehmen und die richtigen  Konsequenzen aus ihnen zu ziehen. Hinzu kommt eine Vielfalt komplementärer Therapieverfahren, etwa aus dem Bereich der Entspannungsverfahren, die sehr hilfreich sind, die tägliche Hektik und innere Unruhe zu behandeln.

Wie geht es für die Patienten nach dem Klinikaufenthalt weiter?

Wenn der Patient mit therapeutischer Unterstützung seine individuellen Leistungsgrenzen definiert hat, erfolgt ein Abgleich, ob er seine bisherige Tätigkeit weiterführen möchte. Wir beraten die Patienten unter individueller Abstimmung auf ihre Arbeitsplatzsituation und unser Sozialdienst ist bei der Umsetzung geplanter Maßnahmen behilflich. Einen Arbeitswechsel verfolgen etwa 1 bis 2 % der Betroffenen. Die meisten haben gegen Ende der Therapie einen Weg gefunden, ihre Arbeit mit einer besseren Work-Life-Balance fortzuführen. Insgesamt dreiviertel unserer Patienten sind nach der Behandlung wieder arbeitsfähig, für die anderen erfolgt eine stufenweise Wiedereingliederung ins Arbeitsleben. Außerdem unterstützen wir die Patienten bei der Suche nach einer ambulanten psychotherapeutischen Weiterbehandlung, die berufsbegleitend in den meisten Fällen dringend empfehlenswert ist.

Die Adresse der Dr. Becker Brunnen-Klinik plus Ansprechpartner:

Dr. Dirk Schröder
Dr. Becker Brunnen-Klinik
Blomberger Straße 9
32805 Horn-Bad Meinberg
Telefon: (0 52 34) 9 06 -1 15
E-Mail: dschroeder@dbkg.de

http://www.dbkg.de/kliniken/brunnen_klinik


Dr. Becker Brunnen-Klinik

Behandlungsschwerpunkte sind insbesondere Depressionen, Angsterkrankungen, psychosomatische Beschwerden und Krankheitsbewältigung bei körperlichen Erkrankungen wie z.B. Tinnitus. Für Patienten aus der Finanz- und Versicherungsbranche bietet die Klinik ein spezielles Therapieprogramm im Rahmen indikativer Gruppen an.





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