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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 03.06.2011
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Delcredere Länderblickpunkt: Stichwahl in Peru birgt Risiko für wirtschaftliche Stabilität

"Das Wirtschaftswachstum Perus in den Jahren 2000 bis 2010 war beeindruckend. Es lag bei durchschnittlich 5,5 % pro Jahr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in US-Dollar verdoppelte sich sogar in diesem Zeitraum, und die Armutsrate ging stark zurück. Die Gründe dafür sind hohe Investitionen, solide Währungs- und Wirtschaftspolitik sowie diversifizierte Rohstoffexporte. Allerdings ist die Bevölkerung unzufrieden, da es den traditionellen Parteien nicht gelungen ist, den Wohlstand umzuverteilen. Ein politischer Machtwechsel könnte daher nun Einfluss auf die wirtschaftliche Stabilität Perus haben. Am 5. Juni 2011 treffen die rechtspopulistische Politikerin Keiko Fujimori und der links-nationalistische Vertreter Ollanta Humala in einer Stichwahl aufeinander. Dann sind zwei Szenarien denkbar: eine unverändert marktfreundliche Politik oder stärkere staatliche Kontrolle der Märkte. Da das Land mit einem Importüberhang ein Leistungsbilanzdefizit aufweist, wird der nächste Präsident als wichtigste Aufgabe haben, ausländische Investoren zu beruhigen."

Christoph Witte, Direktor Deutschland, Delcredere NV

 

Der links-nationalistische Präsidentschaftskandidat Ollanta Humala sowie die rechtspopulistische Kandidatin Keiko Fujimori haben am 10. April die erste Runde der Präsidentschaftswahlen gewonnen. Das Wahlergebnis spiegelt die Enttäuschung der Bevölkerung über die traditionellen Parteien wider. Obwohl die Armut drastisch verringert werden konnte (von 55 % im Jahr 2001 auf 35 % in 2009), ist die Bevölkerung besonders unzufrieden über die Unfähigkeit, nach Jahren wirtschaftlichen Aufschwungs den Wohlstand umzuverteilen.

In der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen am 5. Juni wird mit einem sehr knappen Ergebnis gerechnet. Beide Kandidaten versuchen nun, politische Bündnisse zu schließen und sich die Unterstützung einer breiteren Wählerschaft zu sichern, um die Stichwahl zu gewinnen. Da keine Partei die Mehrheit im Kongress gewinnen konnte, wird der Wahlsieger eine parlamentarische Koalition bilden müssen, um effektiv zu regieren und eine Blockade der Regierung zu vermeiden.

Die politischen Kontrahenten

Der ehemalige Offizier Ollanta Humala hatte sich bereits im Jahr 2006 zur Präsidentschaftswahl gestellt. Er wurde aber von Alan García besiegt, nachdem sich alle politischen Kräfte gegen ihn zusammengeschlossen hatten. Es bestand die Angst, dass er ähnlich wie Hugo Chávez regieren und Maßnahmen ergreifen würde, die dem geschäftsfreundlichen und rohstoffbasierten Wirtschaftsmodell Perus ein Ende bereiten. Seitdem hat Humala seinen Ton gemäßigt und sich von Hugo Chávez distanziert. Er versprach, die wirtschaftliche Stabilität zu fördern, die Haushaltsdisziplin aufrechtzuerhalten und die Eigentumsrechte der Investoren zu respektieren. Trotzdem will er die Verfassung ändern und Freihandelsabkommen überarbeiten. Er hat weiterhin zugesichert, dass er die Rolle des Staates in der Wirtschaft stärken und den Reichtum zugunsten der Armen umverteilen wird.

Keiko Fujimori ist die Tochter des ehemaligen autoritären Präsidenten Alberto Fujimori, der von 1990 bis 2000 in Peru an der Macht war. Seit 2007 ist er wegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen inhaftiert. Seine Tochter Keiko wird heute von Wählern unterstützt, die ihren Vater immer noch bewundern. Sie betont seine Erfolge: Alberto Fujimori brachte die Hyperinflation unter Kontrolle, legte das Fundament für den derzeitigen Wirtschaftsboom und besiegte die maoistische Guerillagruppe "Leuchtender Pfad". Nach ihrem Sieg in der ersten Wahlrunde warb Keiko Fujimori dafür, ihrem Vater keine Amnestie zu gewähren, um diejenigen Wähler für sich zu gewinnen, die ihrem Vater negativ gegenüber stehen.

Wirtschaftspolitische Szenarien

Abhängig vom Ausgang der Stichwahl sind unterschiedliche Auswirkungen auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung Perus zu erwarten. Wird Humala zum Präsidenten gewählt, ist eine Zunahme der staatlichen Kontrolle der Wirtschaft wahrscheinlich. Er hatte bereits bekanntgegeben, dass er eine freiwillige Neuverhandlung einiger Bergbau- und Erdgasförderungsverträge anstrebe und die Steuern erhöhen wolle. Das ist eine Abkehr von der bisherigen Politik, deren Ziel es war, private Investitionen zu erleichtern.

Falls Keiko Fujimori gewinnt, wird die derzeitige marktfreundliche Politik wahrscheinlich unverändert fortgeführt werden. Staatliche Institutionen könnten aber geschwächt werden, wenn Fujimori den autoritären Stil ihres Vaters übernimmt. Darüber hinaus bleibt abzuwarten, ob sie tatsächlich das Versprechen einhält, ihren Vater nicht frei zu lassen.

Aufgrund der relativen politischen Stabilität Perus seit den 1990er Jahren und der Tatsache, dass keine Partei die Mehrheit im Kongress gewonnen hat, sollte das Risiko eines politischen Kurswechsels allerdings nicht überschätzt werden. Wenn Humala gewählt wird, wird die Besorgnis unter den Investoren wachsen. Dies wird weitere Auswirkungen auf die Währung haben, die bereits nach der Bekanntmachung der Ergebnisse der ersten Wahlrunde Verluste einstecken musste. Andererseits waren Anleger auch nach dem ersten Wahlsieg des damaligen brasilianischen Präsidenten Lula im Jahr 2003 sehr beunruhigt. Und doch ließen die Vorbehalte nach, als deutlich wurde, dass Lula mit seiner Politik Brasiliens Wirtschaftsmodell nicht grundsätzlich verändern würde.

Angesichts der derzeitigen politischen Unsicherheiten könnten die politischen und wirtschaftlichen Risiken nach oben korrigiert werden. Doch auch dann dürfte das kurz- und mittelfristige politische Risiko gering bleiben, da die Wirtschaft viel stabiler ist als zu Beginn des Jahrzehnts. So sind die Devisenreserven stark angestiegen, während Auslandsverschuldung und Schuldendienstverpflichtungen zurückgingen.

Private Investitionen sind wichtigste Wachstumstreiber

Dank hoher Investitionen, solider Währungs- und Finanzpolitik und diversifizierter Rohstoff-Exporte war das Wirtschaftswachstum Perus von 2000 bis 2010 mit einem Durchschnittswert von 5,5 % beeindruckend. Das BIP in US-Dollar verdoppelte sich in dieser Zeit. Die Wachstumsaussichten bleiben gut, sie könnten sich allerdings verschlechtern, wenn Humala gewählt wird und sich für einen nationalistischen und nicht für einen pragmatischen Kurs entscheiden sollte. In diesem Fall werden die privaten Investitionen, die einer der wichtigsten Wachstumsmotoren sind, voraussichtlich nachlassen.

Die Leistungsbilanz von Peru verzeichnete 2010 ein Defizit, da der Export nicht mit dem starken Importwachstum, das durch die starke Inlandsnachfrage angetrieben wird, Schritt halten konnte. Die Exporte Perus sind breit gefächert, es werden Mineralien (Gold, Kupfer und Zink), landwirtschaftliche und fischereiwirtschaftliche Produkte sowie, in geringerem Umfang, Industrieprodukte exportiert. Zurzeit stellt das Leistungsbilanzdefizit keine Gefahr dar, da es zum Teil durch ausländische Direktinvestitionen finanziert wird. Daher bleibt es eine wichtige Aufgabe des nächsten Präsidenten, die ausländischen Investoren zu beruhigen.



Herr Christoph Witte
Tel.: 0611 / 50405-202
E-Mail: c.witte@delcredere.eu

Herr Jorge Person
Tel.: +49-69-4272616-839
E-Mail: jpe@fischerappelt-advisors.de

Delcredere NV
Luisenstraße 21
65185 Wiesbaden
http://www.ducroiredelcredere.de/

Über Delcredere NV:

Der belgische Kreditversicherer Delcredere NV wurde 2004 als eigenständiges Tochterunternehmen des staatlichen Kreditversicherers ONDD gegründet. Delcredere NV hat sich zur Aufgabe gemacht, seine Kunden vor Risiken zu schützen, die bei nationalen und internationalen Geschäften entstehen und die Finanzierung dieser Geschäfte zu erleichtern. Delcredere NV versichert und rückversichert die kurzfristigen politischen und wirtschaftlichen Risiken gängiger Handelsgeschäfte. Vor allem bei der Absicherung von Risiken in Schwellen- und Entwicklungsländern weist Delcredere NV eine hohe Kompetenz auf. Die individuell zugeschnittenen Versicherungslösungen, die durch den direkten Kontakt zwischen Kunde, Kreditprüfer und Account Manager entwickelt werden, komplettieren das Service-Angebot des Kreditversicherers. Zu den Kunden im europäischen Wirtschaftsraum zählen sowohl Groß- als auch mittelständische Unternehmen. Delcredere NV verfügt über Standorte in Belgien, Großbritannien, Frankreich sowie Deutschland und bietet seine Dienstleistungen europaweit an. Das versicherte Volumen betrug im Jahr 2010 15 Mrd. Euro, und der Umsatz lag bei 85,2 Mio. Euro. Das Eigenkapital lag Ende Dezember 2010 bei 141 Mio. Euro. Außerdem hält Delcredere NV eine Beteiligung von 66 Prozent an Komercni úverová pojiit'ovna EGAP (KUPEG).

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