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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 14.07.2006
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Pandemie: Schaden verhindern durch richtige Vorbereitung

Die Fußballweltmeisterschaft und die Gesundheitsreform haben endgültig die Gedanken an eine Vogelgrippe-Pandemie verdrängt. Dabei ist die Entstehung einer globalen Pandemie keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann“. Im schlimmsten anzunehmenden Fall würden in Deutschland die Betten in den Krankenhäusern knapp. Landesweite Impfungen könnten hingegen die Krankheitsrate reduzieren. Versicherungstechnisch kann eine Pandemie mit Erdbeben und Wirbelstürmen verglichen werden. Dies sind zentrale Ergebnisse eines von Allianz Privater Krankenversicherung und dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI Essen) veröffentlichten Reports zu den weltweiten Folgen möglicher Pandemien.

Der Ausbruch der Vogelgrippe in Deutschland war im Februar 2006 das Thema in den Medien. Nachdem die Bilder toter Vögel vom Bildschirm verschwunden sind, ist das Thema zwar größtenteils aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden, die Gefahr einer Pandemie besteht jedoch unverändert fort. Wissenschaftler sind sich einig: Die Frage ist nicht, ob eine Pandemie kommt, sondern wann sie kommt. „Es geht auch nicht darum, die Seuche abzuwenden, sondern schnell und richtig auf sie reagieren zu können“, sagte Wilfried Johannßen, Mitglied des Vorstandes der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG. „Als Risikomanager ist es unsere Aufgabe, die großen Gefahren und Risiken dieser Welt zu erkennen – und zwar bevor sie über uns hereinbrechen.“ So könnten diese für Kunden und Aktionäre gleichermaßen rechtzeitig abgemildert werden.

Medikamente und Krankenbetten werden knapp

Die therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung einer Pandemie sind begrenzt. Antivirale Medikamente sind derzeit noch die einzigen medizinischen Interventionsmöglichkeiten zu Beginn der Krankheit. Impfen wäre der beste Schutz, wenn denn schnell ein Impfstoff entwickelt werden könnte und ausreichende Kapazitäten kurzfristig zur Verfügung stünden. Derzeit könnten die Pharmaunternehmen jedoch nur Impfstoff für maximal sieben Prozent der Weltbevölkerung kurzfristig bereitstellen.

Nicht nur Medikamente sind knapp, auch Betten für Infizierte in deutschen Krankenhäusern dürften im Katastrophenfall nicht ausreichen. Darüber hinaus fallen durch die Gesundheitsreform aus dem Jahr 2004 in den kommenden Jahren etwa 135 000 Krankenhausbetten bundesweit weg. „In deutschen Krankenhäusern stehen immer weniger Kapazitäten für plötzlich steigenden Versorgungsbedarf zur Verfügung“, sagte Johannßen.

Zu diesem Ergebnis kommen auch die Wissenschaftler des RWI Essen und der Unternehmensberatung ADMED. „Unsere Analyse hat ergeben, dass in Deutschland zwar genügend Krankenhausbetten zur Verfügung stehen, die Versorgung von Intensivpatienten wäre jedoch gerade in Ballungszentren wie Hamburg oder Berlin kaum zu bewältigen“, sagte Christoph Schmidt, Präsident des RWI Essen. „Im Falle einer schweren Pandemie stünde beispielsweise in Berlin nur für jeden vierten Patienten ein Intensivbett zur Verfügung.“ Und bei einer Erkrankungsrate von 30 Prozent wären nur in Sachsen-Anhalt genügend Betten vorhanden.

Impfungen können volkswirtschaftlichen Schaden begrenzen

Der Report enthält darüber hinaus eine Übersicht über die Kostenvorhersagen der vorliegenden namhaften Pandemiestudien. „Die Bandbreite der Vorhersagen lässt so ziemlich jede Schlussfolgerung über die wirtschaftlichen Folgen einer neuen Pandemie zu“, sagte Schmidt. Dennoch zeigen die Pandemie-Studien in der theoretischen Analyse der Ursachen und Auswirkungen auffällige Parallelen.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung hat in Zusammenarbeit mit der ADMED GmbH berechnet, dass das Bruttoinlandsprodukt im Fall einer milden Pandemie um etwa ein Prozent und bei einer schweren Pandemie um 3,6 Prozent geringer wäre als im Fall ohne Pandemie. „Durch den Ausfall an Arbeitsstunden haben die Wissenschaftler im milden Szenario einen Angebotseffekt von -0,7 Prozent, im schweren Szenario von -2,4 Prozent ermittelt“, sagte Schmidt. Hinzu kommt ein Nachfrageausfall von -0,3 Prozent beziehungsweise von -1,2 Prozent.

Außerdem wurde versucht, den volkswirtschaftlichen Nutzen der wichtigsten Notfallmaßnahmen im Pandemiefall zu berechnen. „Da sich die Auswirkungen der einzelnen Maßnahmen auf die Erkrankungsrate und die Krankheitsdauer nicht zuverlässig erheben lassen, wurde ermittelt, wie effektiv jede dieser Maßnahmen mindestens sein muss, um die Kosten wieder auszugleichen“, sagte Schmidt. „In einem weiteren Schritt haben wir dann untersucht, wie sich die Maßnahmen – etwa die Impfung gegen ein Virus – insgesamt auf das Bruttoinlandsprodukt auswirken“.

Im Rahmen dieser Analyse unterscheiden die Wissenschaftler die folgenden vier Notfallmaßnahmen: die Bereitstellung von Mundschutzen für die Bevölkerung, die Impfung gegen ein Virus, das eine Pandemie auslösen könnte, die Versorgung der Patienten mit antiviralen Medikamenten und eine Aufstockung der Kapazitäten von Intensivbetten. Vor allem durch eine landesweite Impfung würde sich die Erkrankungsrate reduzieren, durch den Einsatz antiviraler Medikamente und eine Aufstockung der Intensivbetten die Krankheitsdauer verringern. Insgesamt hätten diese Maßnahmen also positive Auswirkungen auf das Arbeitsangebot, und damit auch auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.

Im milden Szenario beziffern das RWI Essen und die ADMED den Angebotseffekt einer landesweiten Impfung auf 0,3 Prozent, den Nachfrageeffekt auf 0,1 Prozent. Im Fall einer schweren Pandemie belaufen sich der Angebotseffekt auf ein Prozent und der Nachfrageeffekt auf 0,4 Prozent. Gesamtwirtschaftlich bringt die Notfallplanung je nach Szenario also zwischen 0,4 und 1,4 Prozent. Die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung reduzieren sich dadurch also auf -0,7 Prozent im milden und auf  -2,2 Prozent im schweren Szenario.

Direkte Auswirkung auf Kapitalmarkt und einzelne Branchen

Im Mittelpunkt einer Analyse über die möglichen Auswirkungen einer Pandemie auf den Kapitalmarkt steht die Unterteilung in potenzielle Gewinner und Verlierer. „Falls es zum Ausbruch einer Pandemie kommen sollte, werden die Börsen die Ersten sein, die entscheiden, wer zu welcher Kategorie gehört“, stellt Gunnar Miller, Analyst des Deutschen Investment Trusts (dit), in einem Interview im Rahmen des Reports fest. Insgesamt überwiegen seiner Ansicht nach die Verlierer: Je nach unterstelltem Szenario könnten die Aktienmärkte nach Schätzung der Allianz zwischen 4,3 und 16,7 Prozent verlieren.

„Für die Allianz als weltweit tätiges Finanzdienstleistungsunternehmen haben aktuelle globale Risiken, wie sie beispielsweise Pandemien oder auch der Klimawandel darstellen, eine herausragende geschäftliche Bedeutung“, sagte APKV-Vorstand Johannßen. „Versicherungstechnisch betrachtet ist eine Pandemie jedoch kein außergewöhnliches Ereignis.“

Letztlich reiht sich eine Pandemie in Katastrophen wie Erdbeben und Wirbelstürme ein. „Der wesentliche Unterschied bei einer Pandemie ist jedoch der, dass uns kaum Statistiken bei der Annahme helfen, wann und mit welcher Heftigkeit uns demnächst ein Virus tatsächlich bedroht.“ Um verschiedene Szenarien zu berechnen und mögliche Belastungen für das Unternehmen abzuschätzen, berücksichtigen die Mathematiker der Allianz Daten aus der Zeit der Spanischen (1918-20), Asiatischen (1957) und der Hongkong-Grippe (1968) sowie der Lungenkrankheit SARS (2003) in ihren Risikomodellen. „Die Szenarien zeigen ein beachtliches ökonomisches Risiko, das aber, selbst im schlimmsten anzunehmenden Fall einer weltweiten Pandemie, von der Allianz verkraftet werden kann“, zeigt sich Johannßen überzeugt.

Im Falle einer Pandemie wären neben der Finanzdienstleitungsbranche die Geflügelwirtschaft und die Tourismusindustrie sowie das Transportwesen, der Einzelhandel und die Luxusgüterindustrie besonders betroffen. Profitieren würden Hygienemittelhersteller, Anbieter von Unterhaltungselektronik und Informationstechnologie. Ein Gewinner steht bereits heute fest: Die Pharmaindustrie, vor allem die Hersteller antiviraler Medikamente und Grippe-Impfstoffe.

Für mehr Informationen und der Report zum Herunterladen:

www.allianz.com/pandemie

www.rwi-essen.de



Pressestelle RWI Essen
Frau Sabine Weiler
Tel.: (0201) 81 49-213
E-Mail: weiler@rwi-essen.de

Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
Hohenzollernstraße 1-3
45128 Essen
Deutschland
http://www.rwi-essen.de/

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