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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 03.12.2007
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Pflegeheime: Wirtschaftliche Zukunft steht auf wackligen Beinen

Die wirtschaftliche Situation vieler deutscher Pflegeheime hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, es gibt jedoch große regionale Unterschiede. Wie der „Pflegeheim Rating Report 2007“ von RWI Essen, ADMED GmbH und Institute for Health Care Business GmbH (HCB) zudem zeigt, wird in den nächsten Jahren die Zahl der Pflegefälle weiter zunehmen und die Soziale Pflegeversicherung (SPV) wegen der Beitragssatzerhöhung 2008 einige Jahre lang Überschüsse erwirtschaften. Langfristig hängt die wirtschaftliche Zukunft deutscher Pflegeheime vor allem davon ab, ob und wie sehr sie unter Preisdruck geraten. Die Autoren empfehlen die Freigabe der Preise bei gesetzlichen Mindestnormen und einen Qualitätswettbewerb unter den Heimen.

Die wirtschaftliche Lage vieler Pflegeheime hat sich in den Jahren 2003 bis 2005 verbessert. Trotzdem befinden sich immer noch 13% der Heime, was ihre Finanzlage angeht, im insolvenzgefährdeten „roten“, fast 71% hingegen im „grünen“ Bereich. Damit ist jedes siebte Pflegeheim von der Insolvenz bedroht. Die Heime schneiden allerdings besser ab als Krankenhäuser und Reha-Kliniken. Während sich von den privaten Heimen fast 18% im „roten“ Bereich befinden, trifft dies nur für 8% der Heime in freigemeinnütziger beziehungsweise 9% der Heime in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft zu. Dies sind einige der Ergebnisse des „Pflegeheim Rating Report 2007“, in dem RWI Essen, ADMED GmbH und Institute for Health Care Business GmbH (HCB) zum zweiten Mal die Situation auf dem deutschen Pflegemarkt untersucht haben. Grundlage der Studie sind 270 Jahresabschlüsse von etwa 600 Pflegeheimen sowie Daten von knapp 9.500 stationären Pflegeeinrichtungen.

Die Untersuchung zeigt zudem, dass die wirtschaftliche Lage von Pflegeheimen sich regional unterscheidet. So weisen Heime in Ostdeutschland signifikant schlechtere Werte auf als Heime in Westdeutschland. Nordrhein-Westfalen schneidet von allen untersuchten Regionen am besten ab, gefolgt von norddeutschen Bundesländern. Der Südwesten liegt im Mittelfeld, Bayern relativ weit hinten vor Ostdeutschland. Auch ist das Preisniveau zwischen den Bundesländern sehr unterschiedlich. Zum Teil führt ein höheres Preisniveau zu einer besseren wirtschaftlichen Lage.

Zahl der Pflegefälle wird weiter ansteigen

Auch allgemeine Entwicklungen auf dem Pflegemarkt werden in der Studie regional differenziert beschrieben. Die Berechnungen ergeben, dass die Zahl der Pflegefälle bis zum Jahr 2020 weiter ansteigen wird, je nach Region zwischen unter 20% und über 50%. Zudem zeigt sich, dass die steigende Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2020 voraussichtlich zu einem Mehrbedarf von rund 160.000 Pflegeheimplätzen und einem Investitionsbedarf von etwa 12 Milliarden Euro führen wird. Dabei ist berücksichtigt, dass es derzeit in vielen Regionen noch Überkapazitäten gibt. Die Auslastung lag in den Jahren 1999 bis 2005 nahezu unverändert bei durchschnittlich 88%. Allgemein werden Pflegebedürftige in Deutschland immer seltener von Angehörigen betreut. Der Trend geht zur professionellen Pflege in Heimen oder durch ambulante Dienste zu Hause. Die Anzahl der Heime stieg zwischen 1999 und 2005 um fast 18%, gleichzeitig nahm der Anteil der Pflege durch Angehörige von 51% auf 46% ab. In ländlichen Gebieten und in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit ist der Anteil der Pflege in Heimen signifikant niedriger.

Soziale Pflegeversicherung stabilisiert, ergänzende Kapitaldeckung aber nötig

Die Soziale Pflegeversicherung (SPV) steht angesichts dessen vor großen Herausforderungen, die aktuelle Pflegereform bessert ihre Finanzsituation jedoch spürbar. Der Beitragssatz soll Mitte 2008 um 0,25 Prozentpunkte steigen, dafür werden erstmals Leistungen erhöht. Geplant sind höhere Pflegesätze und ausgeweitete Leistungen für Demente. Die SPV dürfte damit bis zum Jahr 2014 Überschüsse erwirtschaften und die Kapitalreserve fast bis 2018 ausreichen. Danach tut sich jedoch eine gewaltige Finanzierungslücke auf. Ab dem Jahr 2020 erreichen die ersten geburtenstarken Jahrgänge („Babyboomer“) das Pflegealter. Dies dürfte gegen Ende des nächsten Jahrzehnts zu erheblichem Druck auf die Pflegeheime durch die Pflegebedürftigen, die Sozialämter und die Politik führen.  

Die wirtschaftliche Zukunft der Pflegeheime erscheint vor diesem Hintergrund ungewiss. Ohne Preisdruck dürfte sich ihre Ausgangslage verbessern. Kommt es hingegen durch eine verschärfte Lage der SPV und der Sozialämter zum Preisdruck auf Heime, würde sich deren Situation deutlich verschlechtern. Es wird empfohlen – analog zur „Riester-Rente“ neben der gesetzlichen Rentenversicherung – eine zusätzliche private Vorsorge einzuführen. Zudem sollte das Pflegeangebot stärker differenziert werden.

Freigabe der Preise, Mindestnormen und Qualitätswettbewerb gefordert

Aus Sicht der Wissenschaftler könnten die Preise von Pflegeheimen weitgehend freigegeben werden. Es genügte, wenn der Gesetzgeber – ähnlich wie auf dem Mietmarkt – Mindestnormen zur Pflege vorgeben sowie übermäßige Preiserhöhungen nach Abschluss eines Pflegevertrags unterbinden würde. Notwendig ist ferner, die Transparenz über die Pflegequalität deutlich zu erhöhen. Ein Qualitätswettbewerb zwischen Heimen kann derzeit noch nicht stattfinden, weil das Preis-Leistungsverhältnis nicht beurteilt werden kann.

Nach den Ergebnissen der Studie ist darüber hinaus damit zu rechnen, dass sich zukünftig verstärkt Pflegeheimketten bilden werden, die Leistungen zusammen effizienter erbringen können.



Frau Sabine Weiler
Tel.: (0201) 81 49-213

Rheinisch-Westfälisches
Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
Hohenzollernstraße 1-3
45128 Essen
http://www.rwi-essen.de/

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M_39_Pflege2007_Sum_1.pdf (267,33 kb)  Herunterladen
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