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dvb-Pressespiegel

Pressemitteilung vom 11.12.2009
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RWI korrigiert zum Jahresende Prognose leicht nach oben

Das RWI erhöht seine Prognose für das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in 2010 im Vergleich zu seiner September-Prognose um 0,4 Prozentpunkte auf 1,6%. Der Anstieg resultiert wesentlich aus dem statistischen Überhang, ansonsten bleibt die Erholung moderat. Die Konsumnachfrage wird voraussichtlich stagnieren und auch die Unternehmensinvestitionen kaum wachsen. Getragen wird die Expansion vom Staatsverbrauch, den öffentlichen Investitionen und dem Außenbeitrag. Das gesamtwirtschaftliche Aktivitätsniveau dürfte Ende 2010 noch rund 4% unter dem Höchstwert vor Beginn der Rezession liegen. Während sich der Arbeitsmarkt– unter anderem dank der Kurzarbeit – in der Krise bisher recht robust gezeigt hat, ist damit zu rechnen, dass die Unternehmen im kommenden Jahr Beschäftigung abbauen werden. Die Verbraucherpreise werden voraussichtlich um 0,9% steigen.

Seit dem Frühjahr hat sich die Konjunktur weltweit nach dem drastischen Einbruch im Winterhalbjahr belebt. Die gesamtwirtschaftliche Produktion ist in den meisten Volkswirtschaften seither aufwärts gerichtet. Vor allem die asiatischen Schwellenländer, die besonders stark unter dem Wegbrechen des Welthandels gelitten hatten, erholten sich rasch, auch dank der großen Konjunkturpakete Chinas. In den Industrieländern gaben die Geld- und die Finanzpolitik kräftige Anstöße, so dass sich hier die Binnennachfrage stabilisierte. Allerdings liegt die Produktion nach wie vor deutlich unter dem Niveau vor Ausbruch der Finanzkrise, und die Belebung wird durch mehrere Faktoren belastet. So dürften die Impulse seitens der Wirtschaftspolitik in vielen Ländern geringer werden und die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen schwierig bleiben. Von den Rohstoffmärkten gehen zudem, anders als im Jahr 2009, wohl keine Entlastungen mehr für die Indus­trieländer aus.

Auch in Deutschland zeichnet sich eine konjunkturelle Wende ab. Die Unternehmen erhalten mehr Aufträge, vor allem aus dem Ausland. Zugleich machen sich die Konjunkturprogramme zunehmend bemerkbar. Die öffentlichen Investitionen stiegen zuletzt spürbar, der Staatsverbrauch wurde ausgeweitet, und die Abwrackprämie wirkte stabilisierend auf die Automobilproduktion. Alles in allem nahm das Bruttoinlandsprodukt in den beiden jüngsten Quartalen zu. Allerdings darf man sich von den positiveren Daten nicht täuschen lassen: Die Entwicklung ist fragil. So sanken Auftragseingang und Produktion im Oktober wieder leicht. Auch ist das Produktionsniveau immer noch beträchtlich niedriger als vor dem Ausbruch der Krise, die Kapazitäten sind mithin noch deutlich unterausgelastet. Dies gilt besonders für den Industriesektor, während in einer Reihe von Dienstleistungsbranchen die Rezession bisher wenig zu spüren war.

Letzteres liegt unter anderem daran, dass die Einkommensentwicklung und damit die Konsumnachfrage bisher recht robust blieben. Gründe hierfür sind, dass Löhne und Renten der Konjunktur mit Verzögerung folgen, staatliche Transfers erhöht und die Einkommensteuer gesenkt wurden sowie die Kaufkraft durch das (aufgrund rückläufiger Rohstoffpreise) zeitweise sinkende Verbraucherpreisniveau gestärkt wurde. Zudem hat die Beschäftigung bisher wenig auf den Produktionseinbruch reagiert.

Arbeitsmarkt bisher robust, Beschäftigung dürfte 2010 aber sinken

Die Robustheit des Arbeitsmarktes ist der erstaunlichste Aspekt der jüngsten Rezession; frühere Abschwünge gingen stets mit kräftig steigender Arbeitslosigkeit einher. Eine Ursache sind die angesprochenen sektoralen Unterschiede: In der Industrie wurden bereits zahlreiche Stellen abgebaut, während in einigen Dienstleistungssektoren bis zuletzt sogar noch Arbeitsplätze entstanden. Mehr noch trug aber zur Stabilisierung bei, dass die Arbeitszeit je Arbeitnehmer kräftig zurückgeführt wurde, wiederum vor allem in der Industrie. Einen großen Anteil daran hatte die intensive Nutzung der Kurzarbeit. Zudem ermöglichten flexiblere tarifvertragliche Regelungen wie Arbeitszeitkonten und Möglichkeiten der Reduktion der regulären Wochenarbeitszeit ein Atmen der Arbeitszeit mit der Konjunktur.

Überdies nahmen die Unternehmen einen Rückgang der Produktivität hin, so dass die Lohnstückkosten deutlich gestiegen sind. Diese können Unternehmen aber nicht auf Dauer tragen, und sie werden daher das Beschäftigungsniveau wahrscheinlich nach und nach an das gesunkene Produktionsniveau anpassen. Das wird den Aufschwung im kommenden Jahr wohl merklich belasten. Dämpfend auf die Expansion dürfte auch hierzulande wirken, dass die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen schwierig bleiben. Darauf deuten sowohl die durch die Rezession verschlechterte Bonität vieler Unternehmen als auch der nach wie vor hohe Abschreibungsbedarf der Banken hin, zumal letzterer sich durch Kreditausfälle im Unternehmenssektor möglicherweise vergrößert. Hinzu kommt, dass von den Rohstoffmärkten wohl kein dämpfender Einfluss auf das Preisniveau mehr ausgehen wird und dass die Konjunkturprogramme allmählich an Schubkraft verlieren.

Vor diesem Hintergrund erwarten wir für das Jahr 2010 eine nur moderate Erholung. Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im Jahresdurchschnitt um 1,6% zunehmen, wobei ein Gutteil des Anstiegs (0,8%-Punkte) aus dem Überhang resultiert. Aufgrund der dämpfenden Faktoren dürfte die Expansion in der ersten Jahreshälfte 2010 etwas schwächer sein als im laufenden Halbjahr. Dazu trägt insbesondere die stagnierende Konsumnachfrage bei. Die Unternehmensinvestitionen wachsen weiterhin kaum. Expansiv wirken nach wie vor der Staatsverbrauch, die öffentlichen Investitionen und der Außenbeitrag. Im Verlauf des kommenden Jahres dürfte sich die Expansion etwas beschleunigen, auch weil bei allmählich steigender Kapazitätsauslastung wieder vermehrt Ersatzinvestitionen getätigt werden und weil der Schub seitens der Weltwirtschaft etwas zunimmt. Gleichwohl dürfte das gesamtwirtschaftliche Aktivitätsniveau Ende 2010 noch rund 4% unter dem Höchstwert vor Beginn der Rezession liegen.

Defizitquote dürfte 2010 auf über 5% steigen

Die Verbraucherpreise werden 2010 voraussichtlich um 0,9% steigen, wobei sich zwei Effekte überlagern. Einerseits dürften sich die Energiepreise – zeitweise sogar recht kräftig – erhöhen, da inzwischen die Weltmarktpreise für Erdöl und Erdgas deutlich über dem Vorjahreswert liegen. Andererseits dürften die weiterhin unterausgelasteten Kapazitäten einen Druck auf die Preise für Industriewaren ausüben.

Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich zwar nicht in dem Maße verschlechtern, wie dies vor einem Jahr vielfach erwartet worden war. Gleichwohl ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit wahrscheinlich. Für Ende 2010 rechnen wir mit 3,8 Millionen registrierten Arbeitslosen. Angesichts des derzeitigen beträchtlichen Personalüberhangs dürfte für viele Unternehmen in den kommenden Monaten wenig Veranlassung bestehen, frei werdende Arbeitsplätze zu besetzen. Die Zahl der Erwerbslosen wird daher voraussichtlich bis weit in den beginnenden Aufschwung hinein zunehmen.

In den öffentlichen Haushalten wird sich die Rezession erst 2010 in ihrem vollen Umfang bemerkbar machen. In diesem Jahr war die Struktur des Bruttoinlandsprodukts noch recht „abgabenergiebig“, da – wie ausgeführt – die verfügbaren Einkommen und der private Konsum bisher wenig von der Rezession betroffen waren. Daher dürfte die Defizitquote trotz der Haushaltsbelastungen durch die Konjunkturprogramme und die Stützungsmaßnahmen für Banken und Unternehmen in diesem Jahr nur knapp über 3% liegen. Für 2010 erwarten wir einen Anstieg auf 5,1%.




Herr Dr. Roland Döhrn

Tel.: (0201) 81 49-262
Fax:
E-Mail:


Frau Sabine Weiler
Pressestelle
Tel.: (0201) 81 49-213
Fax:
E-Mail:

Rheinisch-Westfälisches
Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
Hohenzollernstraße 1-3
45128 Essen
http://www.rwi-essen.de/

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