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19.03.2012 - dvb-aktuell

Ist die Reputation der Branche noch zu retten?

Die Assekuranz leidet unter einem schlechten Image. Die Vorwürfe reichen von Provisionsgier bis zu Exzessen bei Lustreisen. Die dvb schiebt eine Branchendiskussion an.

Provisionsexzesse, Vertriebsorgien sowie Umdeckungsaktionen in der PKV, im Lebensbereich und bei Riester-Policen sorgen für Unruhe und Missstimmung in der Öffentlichkeit. Dies hat den Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Ergebnis: Regulierung der PKV hinsichtlich Provisionshöhe und Stornohaftzeit (siehe früherer Artikel). Eine Ausdehnung auf die anderen Sparten wird derzeit geprüft. Diskussionen um die Förderung der Verbraucherzentralen und weiterer Regulierungen sowie um die Honorarberatung belasten die Branche zusätzlich.

Die Versicherungswirtschaft ist gefordert, eigene Qualitätsrichtlinien zu definieren, um damit Verbrauchern und der Politik zu zeigen, dass man selbst die Probleme lösen wird. Dass dieses möglich ist, zeigt zum Beispiel der durch mehrere Verbände/Verbünde ins Leben gerufene Arbeitskreis Beratungsprozesse, der am vorletzten Freitag auf seinem 2. Forum zur Versicherungs- und Finanzberatung von Dr. Erich Paetz vom  Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für seine Arbeit gelobt wurde (siehe früherer Artikel).

Heute startet die dvb eine Aktion, die regelmäßig im Newsletter zu sehen sein wird: Auf der Pressespiegel-Zwischenseite werden Statements von Branchenbeteiligten zum Thema publiziert. Diese Zwischenseite wird immer dann angezeigt, wenn einer der 26.000 täglichen Leser des dvb-Pressespiegels einen Artikel aufruft, um die Zeit für das Laden des Artikels zu überbrücken.

„Die bei uns eingegangenen Statements zeigen, dass sich einige Marktteilnehmer schon Gedanken über die Situation machen“, meint Friedel Rohde, Geschäftsführer der deutschen-versicherungsboerse.de. „Jedenfalls finde ich es sehr spannend, wenn sich die Versicherer in die Vermittler hineinversetzen, um darüber nachzudenken, wie diese ihre Beratungsqualität erhöhen können“, so Rohde weiter. Manche Statements gehen in die Richtung, dass man gemeinsam daran arbeiten muss oder eine Selbstverpflichtung aller Marktteilnehmer notwendig ist, fasst Rohde einige Ergebnisse zusammen.

Ein schlechtes Image der Branche hat letztlich Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung, aber auch auf die Nachwuchsgewinnung (siehe früherer Artikel). Nach außen dringt aber kaum ein Wort „Dabei haben die Unternehmen längst erkannt, dass sie sich besser positionieren müssen“, ergänzt Rohde.

Den Startschuss liefert heute der HDI-Gerling, bei dem traditionell ein starker Maklervertrieb zu Hause ist. „Nur gemeinsam verbessern Vermittler und Versicherungsunternehmen die Qualität von Service, Produkten und Beratung“, sagt Vertriebsvorstand Markus Drews.

Morgen äußert Ralf Berndt seine Gedanken zur Beratungsqualität. Er ist Vorstand für Marketing und Vertrieb der Stuttgarter Lebensversicherung a.G., die den Vertrieb ausschließlich über freie Vermittler organisiert. „Nur diejenigen Versicherer und Vermittler werden im zukünftigen Markt überleben, die in ihrer Beratung und den Produkten bedingungslos auf Qualität setzen“, erklärt Berndt.

Friedel Rohde fordert die Branche zu einer gemeinsamen Diskussion auf. Hierfür kann beispielsweise das Diskussionsforum der deutschen-versicherungsboerse.de genutzt werden, aber auch der Leserbrief-Link unter diesem Artikel. 

Kommentare

Thomas Oelmann - am 19.03.2012

Schlechter Ruf der Branche? Ich kenne nur Kunden, die ein Loblied auf ihren Makler singen. Ich hatte allerdings auch noch nie das Vergnügen, Lustreisen angeboten zu bekommen - das war wohl eher die "Kumpelschaft" eines Versicherungsvorstandes mit einem Strukturvertrieb. Ich kenne auch keinen Makler, der Riesterverträge aus Provisionsgründen umdeckt. Aber ich kenne Maklerbetreuer von Versicherern, die sowohl Makler als auch Strukturvertriebe betreuen, die zur Umdeckung raten bzw. von ihren Vorständen zu dieser Vorgehensweise getrieben werden. Das trifft auch auf das PKV-Geschäft zu. Die flotten Verkäufer (anhauen, umhauen und abhauen ) und die Gier einiger Vorstände sind es, die den schlechten Ruf produzieren.

Gabriele Fenner - am 19.03.2012

Die verantwortungslose Gier von Produktverkäufern in unserer Branche ist nur ein Spiegel der Gier der Vorstände von Versicherungsgesellschaften. Und dahinter stehen die Aktionäre. Solche sind bekanntermaßen auch Verbaucher, aber eben andere, denn sie suchen vor allem Rendite. Solange Groß- und Strukturvertrieben zusätzliche Anreize förmlich aufgedrängt werden, um die Produktions- und Renditeziele der Vorstände zu befördern, müssen wir uns nicht wundern, wenn die hausgemachten Skandale den Verbraucherzeitschriften zum Verkauf ihrer Blätter dienen und die Politik das für kurzfristigen Aktionismus nutzt. Irgendeinder profitiert halt immer - aber nie der Verbraucher oder der verbraucherorientierte Vermittler.

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