KI bei SI: Schadenbearbeitung neu geordnet

Im Digital Insurance Podcast spricht Gastgeber Jonas Pieler mit Thomas Jacobi, Bereichsleiter Schaden Komposit bei der Signal Iduna Gruppe, über die Zukunft der Schadenbearbeitung. Es geht um die Frage, wer künftig die Spielregeln im Schadenmanagement bestimmt: Die Versicherer selbst oder ihre Dienstleister. Jacobi macht klar, dass ganze Geschäftsfelder der Dienstleister durch KI verschwinden werden, während andere Bereiche unverzichtbar bleiben. Außerdem gibt er Einblicke in die strategische Partnerschaft der Signal Iduna mit Google und erklärt, warum er trotz aller Automatisierung an die Zukunft der Dienstleister glaubt, nur eben nicht an alle.

Was Schadenmanagement wirklich bedeutet

Jacobi erklärt zunächst den Rahmen: Schadenmanagement umfasst alle Aktivitäten von der Schadensituation bis zur vollständigen Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands. Dabei unterscheidet er zwei große Gruppen von Dienstleistern: Prüfer, die Rechnungen und Kostenvoranschläge kontrollieren, sowie Sanierer und Reparateure, die vor Ort tätig werden.

Die Belegprüfung verschwindet beim Dienstleister

Besonders deutlich wird Jacobi bei der Zukunft der Prüfdienstleister. Die Signal Iduna arbeitet bereits an einer eigenen KI-Lösung für die Rechnungsprüfung. "Warum soll ich eine Rechnung, die ich bekomme, die ich natürlich prüfen möchte, warum soll ich das wieder rausgeben an einen externen Dienstleister? Das kann ich selber machen." Seine Prognose für das gesamte Geschäftsfeld Prüfung ist eindeutig: "Das ist meine Hypothese, weil ich glaube, dass die Versicherer das übernehmen werden."

Handwerk bleibt, Bildschirmarbeit fällt weg

Nicht alles lässt sich automatisieren. Bei Sanierern und Handwerkern vor Ort sieht Jacobi keine Gefahr durch KI. "Die Sanierer und Reparateure wird es immer geben. Also sozusagen die Wiederherstellung einer nassen Wand oder eines abgebrannten Raumes kann eine KI nicht ersetzen." Anders sieht es bei allem aus, was mit Bildschirmarbeit und Dateneingabe zu tun hat, dort erwartet er eine deutliche Automatisierung durch KI und Workflow-Engines.

Eigene KI-Agenten in unter einer Stunde

Auch kleinere Versicherer müssen sich nach Jacobis Einschätzung nicht zwangsläufig auf Dienstleister verlassen, weil der Bau eigener KI-Agenten immer einfacher wird. "Das wird sozusagen wie Lesen und Schreiben in den nächsten Jahren einfach dazugehören." Sein eigenes Beispiel: Für einen KI-Agenten zu einer kleinen Schadenfrage brauchte er "weniger als 60 Minuten."

Marktkonzentration bei den Dienstleistern

Jacobi beobachtet eine klare Entwicklung im Dienstleistermarkt: Kleinere Anbieter können die notwendigen Investitionen in Technik und KI oft nicht allein stemmen. "Im Dienstleistermarkt setzt eine zunehmende Konzentration ein." Kleine Anbieter verschwinden vom Markt oder werden aufgekauft, während der Einfluss großer IT-Unternehmen wächst.

Make or Buy: Beides gleichzeitig

Beim strategischen Grundsatzthema Eigenentwicklung versus Zukauf vertritt Jacobi eine differenzierte Position. Bei Betrugserkennung sieht er trotz eigener Betrugserkennung-KI im Haus weiterhin gute Argumente für externe Spezialisten. Bei klassischer Schadensteuerungssoftware erwartet er dagegen eine stärkere Verlagerung Richtung Eigenentwicklung. "Wahrscheinlich wird es eine Koexistenz von Make und Buy immer geben." Möglich wird die schnelle Eigenentwicklung bei der Signal Iduna auch durch die strategische Partnerschaft mit Google, mit der gemeinsam KI-Agenten für den Schadenbereich entwickelt werden.

Kein Big Bang, sondern schrittweise Veränderung

Zum Tempo der Veränderung gefragt spricht Jacobi bewusst nicht von Instabilität, sondern von zunehmender Dynamik. "Dienstleister wird es immer geben, aber es wird nicht mehr alle geben."

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

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