E-Rezepte waren zeitweise nicht einlösbar

Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Nachdem ein Informatiker gemeinsam mit einem Apotheker auf eine gesundheitsgefährdende Fehlerquelle im E-Rezept hingewiesen hatte, kam es zu einem Ausfall der digitalen Gesundheitsversorgung: Für die Dauer von rund 45 Minuten war es den Apothekern bundesweit nicht möglich, elektronische Rezepte einzulösen. Betroffen waren auch einige Arztpraxen, in denen die Ausstellung dieser digitalen Rezepte zeitweise nicht funktionierte. Ursache war eine größere Störung in der IT-Infrastruktur, für die das Berliner Unternehmen Gematik verantwortlich war.

"In einer sehr wichtigen Phase der Digitalisierung."
Prof. Karl Lauterbach am Tag des Systemausfalls
(Screenshot Twitter.com - anklicken zum Vergrößern)

Nach Informationen des IT-Portals golem.de, dem der Vorfall von der Gematik bestätigt wurde, trat die Störung zwischen 10.25 Uhr und 11.10 Uhr auf. Ein Gematik-Sprecher erklärte, es habe eine Störung in der Telematikinfrastruktur gegeben. Nach Behebung der Störung waren alle Systeme ab 12:00 Uhr wieder regulär funktionsfähig. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Ursache der Störung bei einem zentralen Dienst lag, der von Arvato Systems aus dem Bertelsmann-Konzern verantwortet wird. Dies wurde um 17:30 Uhr bekannt gegeben.

Die Bedeutung des elektronischen Rezepts wird besonders im Zusammenhang mit der Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln deutlich. Sebastian Sokolowski, Sprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe in Münster, sagte dem Westfalen-Blatt: "Es geht hier nicht um den Verkauf von T-Shirts, sondern um die Versorgung von Kranken mit Arzneimitteln."

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte zuvor die Alltagstauglichkeit des E-Rezepts gelobt und die einfache Handhabung über die Gesundheitskarte in der Apotheke hervorgehoben. Durch den Verzicht auf die analoge Verschreibung der bisher jährlich 500 Millionen ausgestellten Rezepte könnten theoretisch 90 Prozent Strom, 100 Milliarden Feinstaubpartikel und 610 Tonnen CO2 eingespart werden, so die Berechnungen.

In der realen Praxis produziert das E-Rezept Gesundheitsrisiken durch Verwechslung von Medikamenten sowie die Nichtverfügbarkeit des Systems an sich und erhöht den bürokratischen Aufwand bei Arzt und Apotheker.

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