Whatsapp mit KI im Maklerbüro: Zwischen Entlastung und Eigenständigkeit

Im Insurance Monday Podcast ist Janik Sauerbier zu Gast, Mitgründer und Geschäftsführer von Insurmagic. Es geht um Messenger-Dienste im Makleralltag, die Tücken der DSGVO und die Frage, wann künstliche Intelligenz den Telefonhörer abnehmen darf. Zwischen den Zeilen geht es um einen Kulturwandel: Warum fast jeder Makler längst per WhatsApp kommuniziert, was ein digitaler Assistent namens Felix damit zu tun hat und weshalb Sauerbier glaubt, dass die nächsten fünf Jahre schneller kommen werden, als viele denken.

Vom Uni-Projekt zur WhatsApp-Spezialsoftware

Die Geschichte von Insurmagic beginnt an der Universität, wo Sauerbier mit einem Forschungsprojekt zu Sprachmodellen in die Versicherungsbranche rutschte. Im Austausch mit Maklern fiel dem Team etwas Unerwartetes auf: Die spannendsten Kommunikationsdaten lagen nicht dort, wo man sie vermutet hätte. "Man würde ja vielleicht erwarten, dass eigentlich alles schön professionell per E-Mail kommuniziert wird. Aber dabei wurde klar, dass auch WhatsApp ein signifikanter Kanal ist."

Aus dieser Erkenntnis entstand eine spezialisierte WhatsApp-Business-Lösung für Versicherungsmakler, die mittlerweile an zahlreiche Maklerverwaltungsprogramme angebunden ist, darunter ProfessionalWorks, Ameise, AMS, Keasy und MeinMVP.

Die unbequeme Wahrheit über den Messenger-Alltag

Wer glaubt, WhatsApp sei im Vertrieb ein Randphänomen, irrt sich. Sauerbier hat mit seinem Team bereits mehrere tausend Makler befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: "Online trauen sich nicht immer alle ja zu sagen, aber vor Ort ist die Quote immer bei fast 100 Prozent." Rund 95 Prozent der Befragten bestätigen, WhatsApp in der Kundenkommunikation einzusetzen.

Der Grund liegt auf der Hand. Maklerbeziehungen leben von Vertrauen und persönlicher Nähe, genau diese Ebene bedient ein Messenger besser als eine formelle E-Mail. Kunden erwarten heute, ihren Makler so zu erreichen, wie sie auch Freunde und Familie kontaktieren.

Datenschutz: Zwischen Tragik und sauberer Lösung

Hier wird es heikel. Sauerbier beschreibt die Situation mit bemerkenswerter Offenheit als "Tragik in einer Branche, in der man immer sofort mit schützenswerten personenbezogenen Daten zu tun hat." Gehaltsdaten, Vermögensdaten, Gesundheitsdaten, all das steht im Versicherungsgeschäft praktisch von der ersten Minute an auf dem Tisch.

Die Lösung von Insurmagic setzt konsequent auf die geschäftliche Variante von WhatsApp, die Meta im Zuge der DSGVO-Debatte entwickelt hat. Dazu kommen ein Auftragsdatenverarbeitungsvertrag, eine saubere Datenschutzerklärung und eine ordentlich erfasste Zustimmung. Ein oft übersehener Punkt: Technisch sind WhatsApp-Chats Ende zu Ende verschlüsselt und damit teilweise sogar sicherer als herkömmliche E-Mails.

Sauerbier bringt es auf den Punkt: "Wir lösen für Makler das Problem, dass sie teilweise chaotische und teilweise nicht rechtskonforme WhatsApp-Kommunikation haben und verwandeln das Ganze in einen sauberen, prozessintegrierten und DSGVO-konformen Kommunikationskanal."

KI als Assistent, nicht als Ersatz

Wenn es um KI geht, wird Sauerbier deutlich. Die persönliche Beziehung zwischen Makler und Kunde soll nicht ersetzt, sondern entlastet werden. Insurmagic bietet einen KI-Schreibassistenten an, der Rechtschreibung korrigiert, Formulierungen optimiert und Antworten auf Basis hinterlegter Datengrundlagen liefert, ohne die persönliche Note zu verlieren.

Seine klare Empfehlung an alle Makler: "Wer noch nicht beim Schreiben von Texten, Korrekturlesen oder generell in der Produktion von Kommunikation hier und da vielleicht mal ChatGPT, unseren KI-Assistenten oder andere Systeme einsetzt, dem kann ich nur dringend zu raten, es auszuprobieren."

Der digitale Bürokollege am Telefon

Das jüngste Produkt zielt auf ein klassisches Makler-Problem: verpasste Anrufe. Die Funktionsweise ist bestechend einfach. Ist der Makler gerade nicht erreichbar, nimmt die KI das Anliegen entgegen, fasst es zusammen, erstellt im besten Fall eine Aufgabe im Maklerverwaltungsprogramm und stößt erste Prozesse an. Sauerbier beschreibt den entscheidenden Qualitätssprung: "Die KI kann ein gewisses Level an Empathie mitbringen, wenn zum Beispiel jetzt vielleicht ein schwieriges Thema angesprochen wird."

Der Nutzen zeigt sich im Alltag. Statt einer unsortierten Liste verpasster Anrufe bekommt der Makler eine klassifizierte Übersicht: Schadenmeldung, Spam-Versuch, PKV-Rückfrage, Kfz-Thema. So lassen sich Prioritäten setzen und Aufgaben gezielt an Innendienstkräfte delegieren.

Die Grenzen der Maschine

So optimistisch Sauerbier die Entwicklung sieht, so realistisch bleibt er bei den Grenzen. Eine vollständige Ende-zu-Ende-Betreuung durch KI hält er für verfrüht. "Da sind wir einfach noch nicht." Die KI kann und soll den Makler entlasten, nicht ersetzen.

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