Meine Damen und Herren,
die 28. Kalenderwoche hatte von der politischen Kehrtwende bis zum nüchternen Zahlenwerk der Statistiker einiges im Gepäck. Und über allem schwebte in dieser Woche eine Frage, die uns direkt betrifft: Worauf kann sich der Bürger eigentlich noch verlassen? Schnallen wir uns an.
Rente mit 63: Wenn die Zusage zur Verhandlungsmasse wird
Fangen wir mit der Rente mit 63 an, die abgeschafft werden soll. Kaum ist das beschlossen, beginnt das übliche Ringen um die Übergangsfrist. Die SPD bringt bis zu zehn Jahre ins Gespräch, ein Wirtschaftsweiser hält ein bis maximal drei für ausreichend, und Karlsruhe wird am Ende ohnehin mitreden. Sie kennen meine Regel: Es ist nicht Aufgabe des Vermittlers, eine solche Reform politisch zu bewerten.
Aber der Vorgang führt etwas vor Augen, das ich nicht oft genug betonen kann. Wer heute 55 ist und sein Leben auf eine bestehende Regelung ausgerichtet hat, muss erleben, wie ihm diese Regelung nachträglich streitig gemacht wird. Eine Reform ist eben nicht immer eine Verbesserung, sie kann auch schlicht eine Sparmaßnahme sein. Die gesetzlichen Systeme unterliegen der politischen Willkür, und was heute gilt, ist morgen Verhandlungsmasse. Bei der privaten Vorsorge ist das anders. Da wird ein Vertrag geschlossen, der bis zum Ende gilt, mit vereinbarten Bedingungen, auf die sich beide Seiten verlassen können. Genau diesen Unterschied sollte jeder Kunde kennen, um zu entscheiden, was ihm wichtig ist.
GKV-Reform: Nachgebessert bis zur letzten Minute
Wie wenig verlässlich das politische Versprechen ist, zeigt der zweite Fall der Woche. Kurz vor der finalen Abstimmung hat Gesundheitsministerin Warken ihren Entwurf zur GKV-Reform noch in mehreren Punkten geändert, in Milliardenumfang. Die Zusatzbelastung bei der Familienversicherung fällt geringer aus, der Bund zahlt mehr, die Pharmaindustrie wird stärker zur Kasse gebeten. Der politische Gegenwind war offensichtlich zu groß, also wird noch schnell am Paket herumgedoktert.
Ich will das gar nicht im Detail bewerten, im Ergebnis sollen die Beitragssätze bis 2028 stabil bleiben, das ist für die Betroffenen erst einmal eine gute Nachricht. Aber der Blick auf das Verfahren ist entlarvend. Ein Gesetz, das bis zur letzten Minute neu verhandelt wird, ist kein Fundament, auf das man ein Leben baut. Privatversicherte schauen bei alldem entspannt zu. Ihr Beitrag wird nicht im Koalitionsausschuss ausgehandelt, sondern kalkuliert und von einem Treuhänder geprüft. Das eine wird gehofft, das andere gerechnet.
PKV-Rating: Augen auf bei der Tarifauswahl
Womit ich beim ABER bin, denn Verlässlichkeit ist in der PKV kein Selbstläufer. Morgen & Morgen hat das Beitragsstabilitätsrating vorgelegt, und das Bild trübt sich ein. Die durchschnittliche Beitragsanpassung liegt bei 4,88 Prozent, fast doppelt so hoch wie in den Vorjahren, ein Niveau wie vor Einführung der Unisex-Tarife. Die Sterneverteilung rutscht spürbar ins Mittelmaß, rund 43 Prozent der Tarife landen inzwischen im unteren Segment.
Für den Vermittler heißt das: Der Anbieter macht den Unterschied, und zwar über Jahrzehnte. Wer seinen Kunden guten Gewissens in eine Vollversicherung führt, muss genau hinschauen, wer über die Zeit stabil kalkuliert und wer nicht.
Und wenn im Komposit-Bestand noch alte Tarife schlummern, deren Beitragsentwicklung aus dem Ruder läuft, lohnt der prüfende Blick. Sie ahnen es: Wir von PolicenTransfer helfen dabei, solche Verträge auf den neuesten Stand zu heben.
Altersvorsorgedepot: Der Wettbewerb schläft nicht
Passend dazu ein Podcast, der mir gefallen hat. blau direkt COO Stephan Schinnenburg hat sich das Altersvorsorgedepot vorgenommen, das ab 2027 kommt, und geht die Sache erfrischend pragmatisch an. Seine Kernbotschaft: keine Panik, aber auch kein Stillstand. Wenn 45 Millionen Menschen Fragen zu ihrer Altersvorsorge haben, dann gibt es jemanden, der sie beantwortet, und das ist der Vermittler.
Schinnenburg ist durch und durch vertrieblich aufgestellt, und genau deshalb trifft er den Punkt, den ich hier seit Wochen mache: Wir verändern die Politik nicht, unsere Aufgabe ist die Beratung. Zwei Dinge nehme ich aus dem Gespräch mit. Erstens: Die Konkurrenz ist längst dabei. Trade Republic und andere haben die Riester-Bestände im Blick, und Schinnenburg ist überzeugt, dass die Kunden bereits Anschreiben in der Post haben. Wer den Dialog jetzt den anderen überlässt, verschenkt seine Bestände. Zweitens: Die Sorge, die neuen Produkte kämen ohne Provision aus, ist unbegründet. Es wird sie geben, für Neuabschluss und für die Umdeckung, selbst beim Standarddepot. Wer also auf einen Startschuss wartet: Der Startschuss ist der Kundenkontakt, und der ist jederzeit möglich.
Zweifel an der Rente, ein längeres Leben: Der Bedarf ist da
Dass der Bedarf real ist, belegen gleich zwei Nachrichten. Der DGB meldet, dass vier von zehn Beschäftigten nicht glauben, ihren Job bis zur Rente durchhalten zu können, in Pflege, Handwerk und Bau ist es die Hälfte. Das ist ein bitterer Befund, und er zeigt, wie brüchig das Vertrauen in die eigene Altersabsicherung geworden ist. Die Altersvorsorge ist für den normalen Bürger längst kaum noch zu durchschauen, ein Dickicht aus Reformen, Depots, Zulagen und Garantien. Der Mensch braucht jemanden, der das einordnet.
Und die Aufgabe wird nicht kleiner, im Gegenteil. Destatis meldet die höchste Lebenserwartung aller Zeiten: 83,6 Jahre für Frauen, 79,1 für Männer, und eine 65-jährige Frau darf statistisch mit knapp 86 rechnen. Ein längeres Leben ist ein Geschenk, aber es will finanziert sein. Wer 20 oder mehr Jahre Ruhestand vor sich hat, muss früher und konsequenter vorsorgen als jede Generation vor ihm. Das ist keine Drohung, das ist eine Einladung zum Gespräch.
Handelsblatt-Rating: Der Markt macht nicht an Check24 halt
Zum Abschluss ein Blick ins Gewerbegeschäft. Das Handelsblatt hat mit Franke und Bornberg die besten gewerblichen Haftpflichtversicherungen für zwei Musterbetriebe durchgerechnet, ein Restaurant und einen Elektroinstallateur, mit Markel und der Württembergischen unter den Spitzenreitern beider Ranglisten.
Für mich steckt darin eine unterschätzte Botschaft. Solche Vergleichsergebnisse erreichen den Kunden nicht mehr nur über die einschlägigen Portale, sie stehen heute in der Wirtschaftspresse. Der Kunde ist informiert, oder hält sich zumindest dafür. Für den Vermittler heißt das: den Markt im Blick behalten, und zwar nicht nur beim Neuabschluss, sondern nachträglich für den gesamten Bestand. Ein Rating ist ein guter Anlass, den eigenen Bestand gegen den Markt zu spiegeln. Die Services von PolicenTransfer für die Umdeckung habe ich weiter oben schon erwähnt.
Fazit der Woche
Wenn ich diese Woche auf einen Nenner bringe, dann diesen: Die Rente mit 63 wird zur Verhandlungsmasse, die GKV-Reform bis zur letzten Minute umgeschrieben, die PKV-Beiträge steigen und der Wettbewerb um die Altersvorsorge wird härter. Über allem steht der Unterschied zwischen einem politischen Versprechen und einem privaten Vertrag. Das eine wird gehofft, das andere gerechnet. Was bleibt, ist keine Katastrophe, sondern ein Auftrag. Wer zuhört, rechnet und einordnet, wird gebraucht. Heute mehr denn je.
In diesem Sinne: Allen einen guten Start ins Wochenende!
Oliver Brüß war über 25 Jahre in leitenden Funktionen in der Finanzdienstleistungsbranche aktiv. Als Vorstand hat er im Gothaer Konzern und in der Generali Gruppe über insgesamt 17 Jahre wesentliche strategische Ausrichtungen der Unternehmen begleitet und Vertrieb und Marketing verantwortet. Seit 2025 ist Brüß als Investor und Senior Advisor u.a. bei Hypoport InsurTech AG engagiert. Zudem ist er Geschäftsführer und Gesellschafter bei PolicenTransfer, dem digitalen Marktplatz für Versicherungsbestände.



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