Meine Damen und Herren,
willkommen zum Wochenrückblick aus der Welt der Versicherungen. Die 34. Kalenderwoche hatte von der Rauchwolke über der Eifel bis zur Rangliste im Maklermarkt einiges im Gepäck. Und über allem stand für mich diesmal kein politisches Thema, sondern eine sehr praktische Frage: Wissen Sie eigentlich, wie Ihr Bestand aufgestellt ist? Schnallen wir uns an.
Wenn der Wald brennt: Feuer statt Elementar
Beginnen wir mit einem Thema, zu dem ich mich diese Woche an anderer Stelle ausführlich geäußert habe. Monschau, erste Evakuierungen, Rauch über der Grenzregion. Der Deutsche Wetterdienst zählte bis Anfang August rund 22 Tage mit hoher oder sehr hoher Waldbrandgefahr, im langjährigen Mittel waren es zehn. Der GDV hat die Zuständigkeiten sortiert, und die wichtigste Klarstellung widerspricht der verbreiteten Erwartung: Ein Waldbrand ist in Deutschland ein Feuerschaden, kein Elementarereignis. Die Wohngebäudeversicherung leistet über den Feuerbaustein, einschließlich Rauch, Ruß und Löschwasser, auch ohne Elementardeckung.
Wer daraus ableitet, der Elementarbaustein sei entbehrlich, zieht allerdings genau den falschen Schluss. Starkregen, Rückstau, Erdrutsch, Schneedruck: nach wie vor hat rund die Hälfte der Gebäude in Deutschland diesen Schutz nicht. Und das ABER von mir betrifft die Haftung. Sobald ein gesetzlicher Rahmen für Elementarschäden steht, wird die unterlassene Empfehlung rückblickend bewertet. Alte Verträge tragen veraltete Bedingungen, fehlende Deckungen und Summen, die nie nachgeführt wurden.
Die Konsequenz ist nicht die Einzelfallprüfung, sondern der Blick aufs Portfolio: Welche Verträge haben keine Elementardeckung, wo fehlt der Unterversicherungsverzicht, welche Bedingungswerke führen im Schadenfall zur Diskussion? Sie ahnen es, an dieser Stelle komme ich an PolicenTransfer nicht vorbei: Wir schreiben den kompletten Wohngebäudebestand auf einen Schlag aus und spiegeln ihn gegen aktuelle Marktbedingungen. So, jetzt ist es wieder raus.
Wohngebäude und Hausrat: Zwei Ranglisten, zwei Wahrheiten
Passend dazu die Marktstudie von AssCompact. Vergangene Woche stand hier, dass die Domcura zum zwölften Mal in Folge das meiste Wohngebäudegeschäft der Makler erhält. Jetzt kommt der interessantere Teil: Bei der Weiterempfehlungsbereitschaft landet sie an drittletzter Stelle. Vorne stehen die Dema, die Concordia und die GEV, allesamt ohne nennenswerte Kritiker.
Das ist eine der aufschlussreichsten Zahlenkonstellationen des Jahres. Wohin ein Makler sein Geschäft trägt und wen er einem Kollegen empfehlen würde, sind offenbar zwei verschiedene Dinge. Gewohnheit, Bündelung und Prozessvertrautheit schlagen im Alltag die Zufriedenheit. Ich will das gar nicht bewerten, aber es lohnt die ehrliche Selbstprüfung: Liegt der Bestand dort, wo er hingehört, oder dort, wo er immer schon lag?
Im Hausratgeschäft verteidigt derweil die Haftpflichtkasse zum achten Mal in Folge die Spitze, dicht gefolgt von der Ammerländer, die die VHV überholt hat. Auffällig ist auch hier die Bewegung: Die GEV klettert von zwölf auf sechs, die Alte Leipziger rutscht von fünf auf acht. Märkte in Bewegung sind Beratungsanlässe.
Schaden-KI bei der Domcura: Vom Postkorb zum Prompt
Wo wir gerade bei der Domcura sind. Im Digital Insurance Podcast berichtet Christine Raasch, wie das Haus seinen überlaufenden Schadenpostkorb in den Griff bekommen hat. Mehr Personal war keine Option, denn nördlich von Kiel kommt, wie sie trocken anmerkt, nur noch Wasser und Dänemark. Also kam die KI, gestartet ausgerechnet beim Leitungswasser, weil dort der Druck am größten war. Heute prüft das System Deckung und Bedingungswerk, fordert Belege an, holt Wetterabfragen ein. Aus Sachbearbeitern sind Prompt-Ingenieure geworden.
Zwei Dinge nehme ich mit. Erstens: Der Fachbereich saß von Beginn an mit am Tisch, nicht erst nach Fertigstellung. Genau daran scheitern die meisten Digitalisierungsprojekte, ich habe das oft genug erlebt. Zweitens, und das gefällt mir besonders: Die KI interpretiert den Ton der eingehenden Nachricht. Wirkt ein Kunde verärgert, geht der Vorgang an einen Menschen, der nun tatsächlich Zeit zum Telefonieren hat. Das ist keine Verdrängung des Menschen, das ist seine Rückgewinnung für die Fälle, in denen er gebraucht wird.
Krankenkassen: Zwei von drei verlieren
Eine Zahl am Rande, die es in sich hat. Nur gut jede dritte Krankenkasse hat im ersten Halbjahr 2026 Versicherte hinzugewonnen. Die Techniker legte um über 190.000 zu, die BKK Firmus wuchs sechsstellig, und beide gehören zu den günstigsten Anbietern. Die Knappschaft verlor über 32.000 Personen.
Der Befund ist eindeutig: Der Beitragssatz steuert die Wanderung. Was in der GKV als Wechselbewegung sichtbar wird, ist in Wahrheit ein Preissignal. Und wer erst einmal anfängt, seine Krankenversicherung nach dem Beitrag zu sortieren, ist auch für die grundsätzliche Frage offen. Das Zeitfenster, das ich hier vor einigen Wochen beschrieben habe, steht weiter offen.
Recht auf Vergessenwerden: Die Praktiker melden sich
Vor zwei Wochen habe ich den SPD-Vorstoß zum Recht auf Vergessenwerden bei überstandenen Krebserkrankungen kommentiert. Jetzt haben spezialisierte Makler geantwortet und ihr Urteil ist einhellig ernüchternd. Die Fünfjahresfrist geht an der Praxis vorbei, weil die Frage nach Untersuchungen und Beratungen der letzten fünf Jahre ohnehin bejaht werden muss. Nachsorge ist Teil des Gefahrenbildes. Und Fälle, die Jahrzehnte zurückliegen und nicht mehr kontrolliert werden, sind heute schon regulär versicherbar.
Bleibt der Fall der Interessentin, die wegen einer Brustkrebserkrankung vor vier Jahren keine Risikolebensversicherung bekam. Solche Gespräche muss der Makler führen, nicht der Gesetzgeber. Ich bleibe bei dem, was ich damals schrieb: Eine Gemeinschaft kann nur tragen, was sie vorher kalkulieren durfte. Wer das ehrlich erklärt, wird verstanden. Ein Gesetz, das die Kalkulation verbietet, verlagert die Kosten nur auf alle anderen.
Pflegeergänzung: Das Thema, das nur scheinbar ruht
Zum Schluss die VEMA-Umfrage zur privaten Pflegeergänzung. Beim Pflegetagegeld liegt die Allianz vorn, vor der Halleschen und der IDEAL, bei der Pflegerente führt die IDEAL vor Swiss Life.
Wichtiger als das Ranking ist die Beobachtung, mit der die Auswertung eingeleitet wird: Um die private Pflegeergänzung ist es gefühlt ruhig geworden. Seit dem Elternunterhalt ab 100.000 Euro Jahreseinkommen scheint das Problem gelöst, das Sozialamt springt ein, alle sind zufrieden. Bis es ans Erbe geht. Die Pflegekosten der Eltern bleiben auf die eine oder andere Weise ein Problem der Kinder.
Ich habe hier seit Wochen geschrieben, dass Pflegezusatz aufs Beratungsprotokoll gehört, lange bevor der Ernstfall eintritt. Ergänzen möchte ich: Es ist ein Gespräch, das mit der ganzen Familie geführt werden sollte. Wer in meinem Alter ist, weiß, wie schnell aus dem Tarifvergleich eine sehr persönliche Frage wird.
Mein Fazit der Woche
Wenn ich diese Woche auf einen Nenner bringe, dann diesen: Kaum ein großes Reformthema, dafür jede Menge Handwerk. Der Waldbrand zwingt zum Bestandscheck, die Ranglisten zeigen, dass Gewohnheit und Zufriedenheit auseinanderlaufen, die KI räumt den Schadenpostkorb, und die Pflege wartet geduldig darauf, dass jemand das Gespräch beginnt. Was bleibt, ist keine Katastrophe, sondern ein Auftrag. Wer zuhört, rechnet und einordnet, wird gebraucht. Heute mehr denn je.
In diesem Sinne: Allen einen guten Start ins Wochenende!
Oliver Brüß war über 25 Jahre in leitenden Funktionen in der Finanzdienstleistungsbranche aktiv. Als Vorstand hat er im Gothaer Konzern und in der Generali Gruppe über insgesamt 17 Jahre wesentliche strategische Ausrichtungen der Unternehmen begleitet und Vertrieb und Marketing verantwortet. Seit 2025 ist Brüß als Investor und Senior Advisor u.a. bei Hypoport InsurTech AG engagiert. Zudem ist er Geschäftsführer und Gesellschafter bei PolicenTransfer, dem digitalen Marktplatz für Versicherungsbestände.



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