Ergo, Hanse Merkur und HUK-Coburg: Der Kampf um Kunden ist längst eröffnet

Wer sich über die Zukunft der Versicherungswirtschaft informieren möchte, kommt an Hamburg nicht vorbei. Dies ist Prof. Dr. Florian Elert zu verdanken. Er hat mit dem „Hamburg Insurance Innovation Day” eine Veranstaltung ins Leben gerufen, bei der Vorstände, Makler, Technologieanbieter und Wissenschaftler zusammenkommen.

Bei der siebten Ausgabe am 15. September 2026 in der Handelskammer zeichneten die Redner ein nüchternes Marktbild. Die Beitragseinnahmen steigen vor allem wegen höherer Preise. Neue Kunden und zusätzliche Risiken gewinnt die Branche hingegen kaum hinzu. Gleichzeitig zeigten zahlreiche Anbieter, wie KI den Arbeitsalltag in Vertrieb und Verwaltung bereits heute verändert.

Kosten steigen schneller als die Inflation

Dr. Oliver Willmes, Vorstandsvorsitzender der Ergo Deutschland AG, stellte klassische Einflussfaktoren in den Vordergrund. So liegen die Leistungsausgaben in der privaten Krankenversicherung nach seinen Angaben bei rund 150 Prozent des Niveaus von 2017, während Ersatzteile und Werkstattlöhne die Schadenregulierung in der Autoversicherung deutlich verteuern. Hinzu kommen die alternde Bevölkerung, Cyberangriffe und Unwetter. Diese Risiken seien laut Willmes zwar weiterhin versicherbar, allerdings nur mit flexibleren Tarifen, mehr Prävention und einer klaren Aufgabenteilung zwischen Versicherern, Kunden und Staat.

Verdrängung im Automarkt

Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher der HUK Coburg, erwartet bis in die 2030er Jahre einen stagnierenden Fahrzeugbestand. Die Unfallhäufigkeit sinkt seit Jahrzehnten, autonomes Fahren könnte diesen Trend verstärken. Die Gruppe versichert derzeit rund 14,5 Millionen Fahrzeuge, mehr als die Hälfte der Verträge wird online abgeschlossen. Um unabhängiger vom klassischen Kfz Geschäft zu werden, baut der Versicherer sein Mobilitätsangebot aus, unter anderem mit der Werkstattkette Pitstop, einer Fahrradversicherung und Telematiktarifen.

Training für den Stammvertrieb

Wie KI die Ausbildung unterstützt, zeigte die ARAG gemeinsam mit dem Münchner Start-up Fioro. Neue Vertriebspartner üben Kundengespräche mit simulierten Kunden und erhalten anschließend Rückmeldungen zu ihrer Gesprächsführung. Die Software ergänzt die Trainer, ersetzt sie aber nicht. Kunden sollen so von Beginn an von gut vorbereiteten Beratern betreut werden.

Das KI-Betriebssystem der Makler - PWX

Jan Cholid von der DEMV stellte die KI-Version von „Professional Works” vor. Makler steuern ihr Verwaltungsprogramm per Chat. Das System prüft Verträge, legt Schäden an, erkennt Abweichungen zwischen Antrag und Vertrag und bereitet Angebote vor. Der Geschäftsvorfall wird erst nach Freigabe durch den Makler verarbeitet. Seit dem Start wurden rund 110.000 Chats geführt und die konkreten Bedarfe der Makler werden von DEMV sehr genau analysiert.

Der Kunde sucht zuerst bei der KI

In der Podiumsdiskussion zum „Vertrieb der Zukunft“ herrschte Einigkeit darüber, dass Kunden ihre Recherche zunehmend in KI-Anwendungen beginnen. Versicherer und Vermittler müssen dort mit strukturierten Inhalten, Bewertungen und Fachmedien präsent sein. Doch was passiert, wenn Check24 sein Angebot in ChatGPT integriert? Gleichzeitig bleibt der Mensch in der Beratung zentral, gerade bei komplexen Themen wie dem geplanten Altersvorsorgedepot.

Folgerungen für die Praxis

Für Makler und Versicherer lassen sich einige Hausaufgaben ableiten. Sie sollten ihre Datenqualität verbessern, weil digitale Assistenten nur mit verlässlichen Informationen arbeiten. Sie sollten in KI gestützten Suchsystemen auffindbar sein. Und sie können Beitragsanpassungen als Anlass nutzen, Verträge gemeinsam mit ihren Kunden zu überprüfen.

Der 8. Hamburg Insurance Innovation Day 2027 findet am 16. September 2027 statt.

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

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