Im Digital Insurance Podcast von Gastgeber Jonas Piela geht es um die Frage, wo die KI im praktischen Einsatz von Maklern und Versicherern tatsächlich steht. Zu Gast waren die Versicherungsmakler Melanie Hirsch (Artus) und Nico Streker (Asspick) sowie Simon Röwer, Leiter des Maklervertriebs bei der BarmeniaGothaer.
Die Kernbotschaften: Agenten sortieren Risiken bereits vor, die Hälfte der Maklerarbeit besteht aus Verwaltung und künftig könnten Agenten auf beiden Seiten das Nachfordern von Unterlagen unter sich ausmachen. Der Mensch bleibt trotzdem wichtig, zumindest dort, wo es kompliziert wird.
Warum ausgerechnet jetzt
Simon Röwer bringt es auf den Punkt: „Der Hype ist jetzt da, weil es geht." Die Technik mache monatlich Sprünge, zugleich steige das Ausschreibungsvolumen nach Jahren des harten Marktes deutlich. Dazu kommen Fachkräftemangel und wachsende Komplexität.
Der Agent sortiert vor
Die BarmeniaGothaer baut an einem Agenten, der eingereichte Risiken vorqualifiziert: Betriebsart erkennen, mit den Zeichnungsrichtlinien abgleichen, Brandschutz einschätzen. „Klar muss ich mir das Ganze noch anschauen, aber das ist eine riesen Zeitersparnis", so Röwer. Den grundsätzlichen Wandel fasst er so zusammen: „Wir haben 20 Jahre lang Papier digitalisiert. Jetzt digitalisieren wir Entscheidungen."
Schluss mit dem Pingpong
Bisher gehen vor jeder vertieften Prüfung oft drei bis fünf Mails mit Nachforderungen hin und her. Artus setzt deshalb auf die Plattform Langdock mit sieben bis acht Agenten für Brandschutz und Routineaufgaben. Jede unerwartete Rückfrage wird ins System eingespeist, damit sie beim nächsten Mal gar nicht erst entsteht. Die Regel bleibt klar: „Am Ende guckt der Mensch drüber und entscheidet."
Job Enrichment statt Stellenabbau
Nico Streker schätzt, dass „bestimmt 50 Prozent der Tätigkeit" in seinem Haus auf Verwaltung entfallen. Zeit, die für Beratung und Akquise fehlt. Melanie Hirsch betont: „Es geht nicht ums Sparen, es geht darum, die richtigen Techniken und die Menschen da einzusetzen, wo jeder seinen Mehrwert stiftet."
Agent trifft Agent
Röwer hält es für denkbar, dass Agenten künftig Daten zusammenstellen und auf Vollständigkeit prüfen. Die eigentliche Zeichnung brauche aber weiterhin „Erfahrung, Grips, vielleicht auch mal ein bisschen Bauchgefühl". Streker bleibt zurückhaltend, denn Risikoappetit und Annahmerichtlinien änderten sich ständig. Für Standardrisiken gebe es ohnehin schon eine Lösung, „die nennt sich Vergleichsrechner."
Der Makler bleibt
Auf Pielas Provokation, Kunden könnten mit eigener KI direkt beim Versicherer anfragen, verweist Melanie Hirsch auf die Fehleranfälligkeit von Sprachmodellen: „Wenn die irgendwo falsch abbiegen, dann kommt da richtiger Blödsinn bei raus." Ihr Beispiel einer Photovoltaikanlage, die erst nach intensiver Diskussion über Brandschutzlösungen versicherbar wurde, kommentiert sie klar: „Das kann keine KI."
Prävention und Transparenz
Streker sieht in der Schadenprävention „fast schon so ein Geschäftsmodell". Von den Versicherern wünschen sich die Makler mehr Einblick, etwa in Bestandsanalysen, bevor Verträge reihenweise gekündigt werden. Röwer zeigt sich offen, räumt aber ein: „In dem System steckt aktuell sehr, sehr viel Slack."
Der Blick nach vorn
Für die kommenden drei Jahre erwartet Melanie Hirsch eine Mischform, in der der Nasenfaktor „definitiv bleibt". Simon Röwer rechnet damit, dass manuelle Datenerfassung bald Geschichte ist, und appelliert: „Das Schlechteste, was wir machen können, ist warten."



Verfassen Sie den ersten Kommentar