germanBroker.net ordnet Fusion, Plattform und KI-Strategie

germanBroker.net hat mit der M1-Convention ein neues Veranstaltungsformat mit klarem Technologiefokus gestartet. Neben dem Stand der Verschmelzung mit CHARTA standen die Weiterentwicklung der Arbeitsplattform M1-Maschine und der praktische Einsatz künstlicher Intelligenz im Maklerbetrieb im Mittelpunkt. Am Nachmittag gab es ein dicht gefülltes Workshopprogramm.

Ein offenes Format für die ganze Branche

Erstmals lud gBnet neben den eigenen Partnerbetrieben auch externe Gäste ein zur kostenfreien Teilnahme ein. Bewusst eingebunden waren auch die Hersteller der MVP-Systeme Keasy und AMS, die mit eigenen Workshops vertreten waren. Begleitet wurde der Tag von einer Fachausstellung mit Versicherern, Technologieanbietern und Kooperationspartnern, darunter die ALH Gruppe, Allianz, Continentale, die Bayerische, Helvetia, Stuttgarter, MORGEN & MORGEN, Thinksurance und die vfm Gruppe. Bereits am Vorabend hatte gBnet zu einem informellen Treffen eingeladen. Nach den Worten von Vorstand Hartmut Goebel soll die Convention künftig alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Technologieforum in Essen stattfinden.

Fusion vollzogen, Plattform wächst

Die rechtliche Verschmelzung von gBnet und CHARTA wurde am 24. August vollzogen, die Integration soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Das Geschäftsmodell ruht künftig auf Assekuradeur, Pooling und Verbundgeschäft mit über 50 Deckungskonzepten. Ab dem 1. Januar 2027 gelten die Tarife Zero, Full-Size und Premium, Doppelmitgliedschaften entfallen. Neuer IT-Vorstand wird Simon Farr, der spätestens zum 1. April 2027 von der BCA wechselt. Die M1-Maschine erhält Rechtsschutz im Tarifrechner, einen Underwriting-Prozess im System und über AdVision360 eine CRM-Oberfläche, die auch Verträge aus anderen Quellen zusammenführt. Der Deeplink aus dem MVP ist nach BiPRO-Norm offen dokumentiert, der Wechsel zu anderen Systemen bleibt nach Goebels Worten jederzeit möglich.

Das MVP wird zur KI-Plattform

Die Podiumsdiskussion drehte sich um zwei Grundfragen: Braucht das MVP-System künftig noch eine Oberfläche und wo sollen Prozesse und Automatisierung stattfinden?

Henning Plagemann (dvb) berichtete aus Gesprächen mit einem großen Versicherer, der damit rechnet, dass sich das MVP in seiner heutigen Form in etwa vier Jahren erledigt hat. Das System liefere dann vor allem die Daten, während der Makler seine Fragen an die KI richtet. Marc Rindermann (ASSFINET) teilte die Richtung: Wesentliche Prozesse würden künftig über natürliche Sprache gesteuert, nach einer Übergangszeit brauche das MVP kaum noch klassische Masken. Allerdings werde nicht der Chat das Mittel der Wahl sein, sondern Agenten, deren Rückfragen der Makler strukturiert über eine Oberfläche beantwortet. Robert Schmidt (vfm) hielt dagegen, dass bei der Menge an Vorgängen in einem Maklerbüro zu viele KI-Entscheidungen zu prüfen seien, um das im Chatfenster zu erledigen. Dafür brauche es weiterhin Listen und Ansichten zur Kontrolle. Thorben Schlätzer (dreifach.ai) erwartet eine Lösung in der Mitte: Dashboards und Kundenlisten blieben nützlich, weil ein Klick oft schneller sei als eine Spracheingabe.

Bei der Frage nach dem Ort der Prozesse gingen die Meinungen weiter auseinander. Schmidt plädierte dafür, Automatisierung regelbasiert im System abzubilden und die KI nur interpretieren, bedienen und dokumentieren zu lassen. Rindermann versteht ams6 bereits als KI-Plattform und nicht mehr als klassisches MVP, der Wechsel von ams5 sei daher weniger ein Update als eine Neuausrichtung des Geschäftsmodells. Schlätzer sieht die Maklerverwaltungsprogramme bei rund 80 Prozent der Standardaufgaben gut aufgestellt. Für die übrigen 20 Prozent, in denen sich ein Makler vom Wettbewerb abhebe, lohnten sich individuelle Lösungen, die auf dem MVP aufsetzen, etwa ein KI-System für die Schadenbearbeitung, das dreifach.ai für einen Kfz-Flotten-Assekuradeur gebaut hat. Schmidt wies darauf hin, dass derzeit viele Anbieter beanspruchen, die zentrale Plattform zu sein, darunter MVP-Hersteller, die M1-Maschine und das von Plagemann vorgestellte Projektvorhaben easy Makler KI, eine DSGVO-konforme KI-Infrastruktur als Brancheninitiative. Durchsetzen werde sich, wer es am besten mache. Ebenso denkbar ist, dass sich keine einzelne Plattform durchsetzt und mehrere Systeme nebeneinander bestehen, verbunden über offene Schnittstellen, die schon heute den Zugriff untereinander erleichtern.

Am Nachmittag zeigten beide MVP-Anbieter ihren Ansatz in der Praxis. Keasy liest per E-Mail eingehende Schadenmeldungen mit KI aus, legt den Schaden an und bereitet Antworten an Kunde und Versicherer vor, während die eigentlichen Abläufe regelbasiert gesteuert werden. Der Angebots-Agent in ams6 übernimmt das Kfz-Wechselgeschäft von der Versichererliste bis zur E-Mail mit Abschlusslink und soll 2027 allgemein verfügbar sein.

24 Workshops in vier Räumen

Am Nachmittag stellten sich die Teilnehmer aus 24 Workshops ihr eigenes Programm zusammen, bis zu 345 Minuten Weiterbildungszeit waren möglich. Die Themen reichten von Maklertelefonie und KI-Sichtbarkeit über das Altersvorsorgedepot und die digitale Auswertung von Brandschutzberichten bis zu den neuen Konzeptlösungen von gBnet und CHARTA. Ein Makler fasste seinen Eindruck so zusammen: „Hier bekomme ich an einem einzigen Tag mehr geballtes Branchenwissen als auf der DKM, entspannt und ganz ohne Messestress.“

Wie Makler und KI sinnvoll zusammenarbeiten

Ohne saubere Daten liefert auch der beste KI-Agent keine brauchbaren Ergebnisse. Makler sollten ihren Datenhaushalt im MVP ordnen, Prozesse klar definieren und prüfen, wo KI das eigene Geschäftsmodell tatsächlich stärkt. Die Entscheidung über Schwellenwerte, Freigaben und den persönlichen Kundenkontakt bleibt dabei beim Makler. Bei der Auswahl der Werkzeuge zählen Datenschutz, Wechselfähigkeit und die Verlässlichkeit der Anbieter.

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

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