Im Podcast „ungeskriptet“ empfängt Gastgeber Ben Berndt einen Gast, an dem sich die Geister scheiden: Dr. Markus Krall. Der frühere Partner bei McKinsey und Roland Berger, zeichnet ein düsteres Bild. Es geht um Zombieunternehmen, Inflation als heimliche Steuer und Kriege als Währungskonflikte. Als früherer Risikochef eines Rückversicherers liest Krall auch die Schadenstatistik auf seine Weise.
Vom Risikomanager zum Systemkritiker
Krall war auf Kreditrisikomanagement spezialisiert und arbeitete nach eigener Aussage in 40 Ländern für Banken, Versicherungen, Aufsichtsbehörden und Regierungen. In Deutschland arbeiteten rund 80 Prozent der Banken mit Systemen, die er als Berater eingeführt habe. Sein Leitsatz aus dieser Zeit: „Ohne Daten bist du nur eine weitere Person mit irgendeiner Meinung.“
Um 2010 fiel ihm auf, dass die Zahl der Firmenpleiten seit dem Jahr 2000 nur noch sank. Normal seien ein bis zwei Prozent pro Jahr, 2021 seien es nur noch 0,1 Prozent gewesen. Seine Erklärung ist die Nullzinspolitik, die wie eine Subvention für schwache Firmen gewirkt habe. „Und die habe ich Zombies genannt, weil die eigentlich tot sein müssten, aber noch rumlaufen.“ Seit 2021 stiegen die Insolvenzen wieder.
Sein Buch „Der Draghi Crash“ von 2016 löste in der EZB wenig Begeisterung aus, in der Finanzbranche dagegen Interesse. Der Chef einer großen europäischen Bank habe ihn gefragt, wie er die Zombies im eigenen Portfolio finde. Krall riet, auf Firmen mit auffällig kurzfristiger Finanzierung zu achten. Ein Chefcontroller einer anderen Bank glich die These mit internen Daten ab und kam zu dem Ergebnis, Krall habe das Problem sogar zu klein beschrieben.
Inflation als stille Enteignung
Zwischen 2020 und 2025 habe die kumulierte Inflation 22 Prozent betragen. Die rund 6 Billionen Euro Nominalvermögen der Deutschen, also Konten, Sparbücher und Anleihen, hätten damit nur noch eine Kaufkraft von 4,8 Billionen. „Das ist eine Steuer, die die Leute gar nicht bemerkt haben.“ Profiteur sei der größte Schuldner, der Staat.
Die Deutschen sparen aus seiner Sicht zwar fleißig, aber falsch, nämlich in Geldwerten statt in Sachwerten. Italiener und sogar Griechen hätten deshalb im Schnitt höhere Vermögen. Krall zitiert seinen früheren Kollegen und späteren Commerzbank Chef Martin Blessing: „Sparbuch heißt Sparbuch, weil man sich sparen kann.“
Geopolitik als Währungskrieg
Die BRICS arbeiten laut Krall an einer goldgedeckten Handelswährung. Die Verteidigungslinie der USA sei der Petrodollar, also die Bindung des Ölhandels an den Dollar. Venezuela, Saudi Arabien und Iran verfügten zusammen über knapp die Hälfte der Weltölreserven. Den aktuellen Krieg im Iran deutet er entsprechend: Es gehe nicht um Atomwaffen, sondern um den Petrodollar. Diese These vertritt er ausdrücklich als persönliche Überzeugung.
China dagegen setze auf Handel statt Säbelrasseln. Krall war 1986 als Student erstmals dort, damals lag die Wirtschaftsleistung bei rund 200 Dollar pro Kopf, heute sei China „die kapitalistischste Wirtschaft von allen unter einer kommunistischen Herrschaft“.
Rettungen im Verdopplungsmodus
Seit Gründung des Euro habe sich jede Rettungsaktion der EZB ungefähr verdoppelt: 250 Milliarden Euro in der Dotcom Krise, 500 Milliarden in der Finanzkrise, eine Billion in der Eurokrise, zwei Billionen im Kampf gegen die Deflation, vier Billionen in der Coronazeit. Die nächste Krise werde demnach rund acht Billionen kosten und statistisch sei man „bald mal wieder fällig“.
Ein Blick in die Schadenstatistik
Beim Thema Klima wird Krall grundsätzlich. Er bezeichnet sich offen als Leugner des menschengemachten Klimawandels und stützt sich dabei auch auf seine Zeit in der Versicherungswirtschaft. Er sei einmal Chief Risk Officer eines der weltgrößten Rückversicherer gewesen: „Ich weiß, wie man eine Statistik der Rückversicherung liest.“
Zwei Beispiele führt er an. Die Behauptung, Naturkatastrophen würden immer mehr Menschenleben fordern, widerlege gerade die Statistik der Rückversicherer: „Die Rückversicherungsstatistik sagt das genaue Gegenteil.“ Ähnlich bei den Waldbränden: Wer nur auf die letzten drei Jahre schaue, sehe eine Zunahme. Über hundert Jahre betrachtet seien Waldbrände nach seiner Darstellung aber noch nie so selten gewesen wie heute. Es komme eben auf den gewählten Zeitraum an.
Was Deutschland tun müsste
Auf die Frage, wie das Land das Problem in den Griff bekommt, antwortet Krall: „Gar nicht.“ Innerhalb des bestehenden Systems gebe es keinen Ausweg mehr, es gibt nur die Optionen Inflation oder Deflation mit Pleiten von Unternehmen und Staat. Einen Weg sieht er dennoch, nämlich die argentinische Lösung. Die setze aber eine politische Klasse voraus, die es in Deutschland nicht gebe. „Man braucht aber einen Arsch in der Hose für solche Politik.“
Sein Programm ist radikal. Die Staatsquote müsse von rund 60 auf 20 Prozent sinken. Dafür seien drei bis fünf Millionen Stellen im Staatsdienst abzubauen, die meisten Ministerien und Behörden zu schließen, alle Subventionen und viele Steuern abzuschaffen. Krall verschweigt den Preis nicht: Der Lebensstandard würde für einige Jahre um 20 bis 30 Prozent einbrechen. „Man kann nicht sagen, wasch mich, aber mach mich nicht nass.“
Konkret wird er beim Bundeshaushalt. Die geplanten rund 200 Milliarden Euro Neuverschuldung ließen sich vermeiden: Rüstungsausgaben von 120 auf 40 Milliarden senken, 50 Milliarden für Migration, 50 Milliarden für Entwicklungs- und Klimahilfen sowie je rund 20 Milliarden für Gesundheits und Bildungsministerium streichen. Auch die staatliche Technologieförderung will er abschaffen. Von 500 Milliarden Euro Bundesausgaben könne man so rund 400 Milliarden einsparen. Nach Abzug der Zinsen blieben 60 Milliarden, die für die Kernaufgaben des Staates ausreichten.
Gängige Sparpakete nähmen den Bürgern Leistungen weg und verlangten höhere Beiträge. Seine Liste setze woanders an, denn „die allermeisten sinnvollen Kürzungen“ beträfen „gar nicht die normalen Bürger“. Der Staat habe mit über einer Billion Euro Steuereinnahmen kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabenproblem. Für Klima und Entwicklungshilfen, die Ukraine und Migration sei Geld vorhanden, bei den eigenen Bürgern werde gespart. Krall spitzt das bewusst zu: „Warum haben wir dann kein Geld für die deutschen Rentner und lassen die Flaschen sammeln?“ Sein Fazit: „Egal, wie viel Geld wir diesen Politikern geben, es wird niemals reichen.“
Für die Umsetzung mahnt Krall Sorgfalt und Tempo zugleich an: „Da kann man nicht einfach drauf losstürmen.“ Als Vorbild dient ihm Argentinien unter Javier Milei. Dort sei die Armut in anderthalb Jahren von über 50 auf gut 20 Prozent gesunken, die Inflation von 25 Prozent im Monat auf ein Prozent gefallen, und der Staatshaushalt weise einen Überschuss aus. „Alles nur mit den Methoden der Freiheit.“
Sobald Sie das Video starten werden Ihre Daten durch Youtube verarbeitet und entsprechende Cookies von Youtube gesetzt. Weitere Informationen...



Verfassen Sie den ersten Kommentar